• Rudern in Potsdam: Ringen um Seekrug-Zukunft

Rudern in Potsdam : Ringen um Seekrug-Zukunft

Wie soll es mit dem Rudergelände am Templiner See weitergehen? Die Antwort soll im Rahmen eines Masterplan gefunden werden. Die beiden Potsdamer Rudervereine sind sich einig: Der Traditionsstandort soll weiterhin als Trainingsstätte für Breiten- und Spitzensport genutzt werden.

Ort mit Tradition. Der Seekrug ist seit Jahrzehnten die Heimat des Potsdamer Rudersports. Doch das Areal ist auch für andere Bau-Projekte sehr lukrativ - es gilt als letztes Filetstück in der Stadt Potsdam.Alle Bilder anzeigen
Foto: Andreas Klaer
21.04.2016 21:35Ort mit Tradition. Der Seekrug ist seit Jahrzehnten die Heimat des Potsdamer Rudersports. Doch das Areal ist auch für andere...

Die Frage nach der Zukunft des Seekrug-Geländes als traditionsreichen Standort des Potsdamer Rudersports soll in einem Masterplan beantwortet werden. Diese einstimmige Empfehlung gaben die Mitglieder des Sportausschusses am Dienstag dem Stadtparlament. Dieses wiederum soll die Stadtverwaltung beauftragen, dass alle mittelbaren und unmittelbaren Grundstücke des Seekrug-Areals in den Masterplan für den Luftschiffhafen integriert werden sollen. Ende des Jahres soll innerhalb des seit Jahren vorliegenden Masterplans für den Sportpark Luftschiffhafen eine Perspektive für den heutigen Ruderstandort dargestellt werden.

Erstmals wurde in der Sitzung des Fachausschusses bekannt, dass es bereits ein Gutachten für die Seekrug-Liegenschaft am Templiner See gibt. Auf Nachfrage eines Gremiummitgliedes erklärte der zuständige Fachbereich, dass ein seit vergangenem Jahr vorliegendes Gutachten die Rekonstruktion der bestehenden Anlagen – Gebäude, Trainingsstätten, Bootsschuppen – die wirtschaftlich bessere Lösung sei als ein Neubau. „Mir zumindest war dieses Gutachten bislang nicht bekannt“, sagt Harald Wujanz, Vorsitzender der Potsdamer Rudergesellschaft (PRG).

Klemund-Vorschlag war ein Grund für Zwist im Potsdamer Rudern

Dass überhaupt über ein neues, modernes Rudersportzentrum auf dem Gelände des Sportparks diskutiert wurde, geht auf einen Vorschlag der Luftschiffhafen GmbH zurück: Dessen Geschäftsführer Andreas Klemund stellte vor fünf Jahren ein Konzept eines Neubaus für geschätzte sechs Millionen Euro vor. Das Pro-und-Contra zu der Neubau-Idee war letztlich mit ein Grund, weshalb sich die Ruder-Familie entzweite. Mit der Folge, dass es heute neben der PRG auch den Ruder-Club Potsdam (RCP) gibt. Beide Vereine sind Mieter der Trainingsstätten und Bootsstege am Seekrug.

Der Ruder-Club Potsdam ist stützpunkttragender Verein des Bundesnachwuchszentrums am Seekrug. Aktuell ist allerdings fraglich, ob es auch künftig für den Potsdamer Standort diesen Status weiter geben wird. Die Anerkennung läuft in diesem Jahr aus, eine künftige Förderung durch den Bund steht auf dem Prüfstand. Für den Fall, dass die Bundes- und somit in der Folge auch die Landesmittel für den Rudersport in Potsdam reduziert werden, macht ein modernes und teures Trainingszentrum für Wujanz erst recht keinen Sinn mehr. „Aber dass man mit dem Seekrug-Areal den gesamten Potsdamer Rudersport liquidieren will, kann ich mir nicht vorstellen“, sagt er.

Gibt es eine Rückkehr der Leistungssportler zur PRG?

Welche Vorstellungen der Sportausschuss-Vorsitzende Clemens Viehrig für das Areal hat, vermag der CDU-Stadtpolitiker nicht zu sagen. „Ich habe keine Idee, wie es aussehen könnte“, meint er. Er wünsche sich eine Win-win-Situation für alle Beteiligten, also Stadt, Luftschiffhafen GmbH und Sport. Doch ist die Interessenlage äußerst unterschiedlich: Die Stadt beziehungsweise deren Tochter Pro Potsdam als Eigentümerin dürfte an einer sinnvollen sowie wirtschaftlichen Verwertung der Grundstücke interessiert sein, deren Wert bei 20 Millionen Euro liegen soll. Die Luftschiffhafen GmbH wiederum als Tochter der Pro Potsdam hat unter anderem die Aufgabe, die sportliche Infrastruktur des Sportparks zu entwickeln und zu bewirtschaften. Der Rudersport dürfte Interesse an funktionierenden Trainingsbedingungen und einer Heimstätte haben. Und inzwischen sind beide Vereine durchaus wieder auf einer Wellenlänge: Beide können sich eine Zukunft am Seekrug vorstellen.

Aus den Reihen der Rudergesellschaft gab es schon vor vier Jahren einen Architektenvorschlag zur Rekonstruktion und teilweisen Erweiterung der Seekrug-Anlage. „Reaktionen der Stadt darauf haben wir allerdings bis heute nicht“, behauptet Wujanz. Auch beim Ruder-Club wird im Trainerstab nicht mehr an ein komplett neues Ruderzentrum gedacht. Ohnehin sei man vor fünf Jahren lediglich gebeten worden, die notwendigen Platzkapazitäten darzustellen. Dass daraus die Präsentation eines modernen Ruderzentrums im Luftschiffhafen geworden ist, sei überraschend gewesen, heißt es heute. Eine modernisierte Seekrug-Anlage sei völlig ausreichend – auch für den Spitzensport. So viel Einigkeit zwischen beiden Rudervereinen wurde seit Langem nicht artikuliert. Für Sportausschuss-Chef Viehrig ist genau dies die Basis für den Erhalt des Rudersports in Potsdam. Mehr noch: Laut Harald Wujanz habe sein Verein dem Ruder-Club vorgeschlagen, als Leistungssport-Abteilung unter das Dach der PRG zurückzukehren.

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