• RC Germania Potsdam ringt in der anspruchsvollen Regionalliga Mitteldeutschland : Kampf, Krampf, Glanz

RC Germania Potsdam ringt in der anspruchsvollen Regionalliga Mitteldeutschland : Kampf, Krampf, Glanz

Die Ringer des RC Germania Potsdam haben das Kellerduell gegen den RVE Lugau gewonnen. Ein noch 15 Jahre alter Kämpfer stach dabei hervor. Insgesamt fordert die Regionalliga als zweithöchste Klasse den Potsdamer Verein immer mehr.

Jugend forscht. Leo Guthke lernt mit Potsdam in der Liga – am Samstag zum Beispiel das Siegen unter Druck.
Jugend forscht. Leo Guthke lernt mit Potsdam in der Liga – am Samstag zum Beispiel das Siegen unter Druck.Foto: Gerhard Pohl

Über der Ringermatte baumelte eine Konstruktion mit vier Baustrahlern. Sie erleuchteten in der ansonsten düsteren Sporthalle der Weidenhof-Grundschule die Wettkampffläche. Dort, im hellen Lichte, vollführte am Samstag Leo Guthke die Glanzleistung der Regionalliga-Partie zwischen dem RC Germania Potsdam und RVE Lugau.

Guthke, noch 15 Jahre alt, traf im vorletzten Kampf auf den sieben Jahre älteren Tim Walther. Auf seinen verhältnismäßig noch schmalen Schultern lastete ein enormer Druck, denn Potsdam lag zu diesem Zeitpunkt mit 15:16 zurück. Es drohte zum Hinrundenabschluss die Niederlage im Kellerduell und damit der Absturz auf den letzten Tabellenplatz. Doch Guthke schulterte nicht nur die mentale Belastung, sondern mit einem Achselwurf auch seinen Gegner. Vorzeitiger Sieg, volle Punktzahl. „Er war wohl nicht auf meine Technik vorbereitet“, sagte der Germania-Youngster, der die Sportschule Luckenwalde besucht. „Hat Spaß gemacht“, meinte er schelmisch grinsend.

Die Gastgeber gewannen am Ende 23:16 und verbesserten sich durch den zweiten Saisonsieg auf Rang acht von zehn. Die Abstiegsgefahr wurde so erst einmal verringert. „Wir gehören zwar nicht zu den besten Teams, können aber bei den meisten Kämpfen gut mithalten“, urteilte Guthke. „Ich denke, wir passen gut in diese Regionalliga Mitteldeutschland.“

Deutschlands Liga-Vereine und Verband liegen seit Jahren im Clinch

Jene Regionalliga-Ebene ist seit 2017 als zweit- und nicht mehr wie zuvor dritthöchste Stufe einzuordnen. Die Folge eines heftigen Ringens zwischen Ringern – aber fernab der Matte. „Das Ligasystem in Deutschland, das für unseren Sport durchaus besonders ist, krankt. Es hat viele Strukturprobleme“, sagte Germania-Sportwart Reiner Leffler. Vor zwei Jahren hatten sich fünf deutsche Spitzenclubs aus der 1. Bundesliga des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) abgespalten und ihr eigene Deutsche Ringer-Liga (DRL) gegründet. Den Vereinen mangelte es an Mitspracherecht, sie fühlten sich vom DRB übergangen, wollten in Sachen Vermarktung und Organisation dann lieber selber anpacken. Weil der Verband ein Gegenkonstrukt nicht akzeptiert, entstand ein juristischer Streit, bei dem unter anderem angedrohte Startsperren per Gerichtsbeschluss unterbunden worden.

Germania-Sportwart Reiner Leffler sagt: "In der Regionalliga prallen Welten aufeinander."
Germania-Sportwart Reiner Leffler sagt: "In der Regionalliga prallen Welten aufeinander."Foto: Tobias Gutsche

Neben dem Quintett haderten aber auch etliche weitere Vereine mit den Bedingungen – etwa der Finanzierung – in der 1. Bundesliga und wollten dort nicht mehr antreten. „Gerade viele Clubs aus Ostdeutschland haben zurückgezogen, weil sie sich die internationalen Top-Leute nicht leisten konnten und sich deshalb als nicht konkurrenzfähig sahen“, erklärte Leffler, der stark in den Prozess der Neustrukturierung eingebunden war. Letztlich wurde die 2. Bundesliga als Unterhaus aufgegeben. Teams wurden stattdessen in die Regionalligen eingeordnet. „Dadurch prallen Welten aufeinander. Das Leistungsgefälle ist sehr groß“, sagte der 63-Jährige.

Ohne große Sportler-Zukäufe steckt man im unteren Tabellenbereich

Auf der einen Seite etliche Ex-Erstligisten, die (gemessen an den vorherigen Verhältnissen der mitteldeutschen Staffel) mehr Geld für Kämpfer zahlen, obwohl sie gar nicht zwingend den Sprung in Liga eins anstreben, sondern sich im kleineren Rahmen profilieren wollen. Ihnen gegenüber stehen Clubs wie RVE Lugau, SV Luftfahrt Berlin und Germania Potsdam, die vorrangig auf ihre eigenen, jungen Athleten setzen. Ohne große Sportler-Zukäufe finden sie sich im unteren Tabellenbereich wieder. „Mit unserer Philosophie wird es immer schwerer“, so Leffler.

Immerhin wurde für die Regionalliga eine Einsatzbeschränkung von maximal zwei Ausländern festgelegt – für Aktive, die schon lange in Deutschland leben, aber keinen deutschen Pass haben, gelten Ausnahmen. „Es muss doch darum gehen, unsere Sportler hier zu fördern und nicht nur anderen auf ihrem Weg zu Olympia, WM oder EM zu helfen“, findet der Potsdamer Funktionär und verweist auf Kämpfe in der deutschen Eliteliga, bei denen fast nur teures Auslandpersonal antritt.

Ligabetrieb ist "wichtiger Baustein" für Germanias Talentförderung

Der RC Germania bleibt sich derweil treu. Sein Vorgängerverein PSV Potsdam hatte sich Mitte der 1990er-Jahre zweimal das Erstliga-Aufstiegsrecht erkämpft, jedoch darauf verzichtet, um keine finanziellen Wagnisse einzugehen. „Wir wollen immer im Bereich des Machbaren bleiben, keine Schulden machen“, berichtete Leffler. Als Landesstützpunkt sei es Aufgabe, den weiterführenden Leistungszentren in Frankfurt (Oder) und Luckenwalde Talente zuzuliefern. Das macht Germania kontinuierlich erfolgreich. „Der Ligabetrieb ist dafür ein wichtiger Baustein.“

Leo Guthke bestätigt das. Neben ihm standen am Samstag gegen Lugau noch zwei weitere Aktive des Jahrgangs 2003 im roten Potsdamer Einteiler unter den Baustrahlern. „Für uns ist das immer eine tolle Bewährungsprobe. In der Liga können wir gegen die erfahrenen Kämpfer viel lernen“, sagte der Deutsche B-Jugend-Vizemeister von 2017.

Allerdings sei das auch wieder ein „zweischneidiges Schwert“, betonte Leffler. Talente gelangen schnell auf den Radar der größeren Vereine. „Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden sie an Jungs wie Leo herantreten und ihnen mehr Geld bieten, wenn sie wechseln.“ Der RCG aus Potsdam könne dann nur hoffen, dass für die Kämpfer „Loyalität und Heimat-Kolorit“ wichtiger seien und sie ablehnen. Wenn dem nicht der Fall wäre, die Eigengewächse nicht mehr für Germania antreten würden, „dann können wir ganz zurückziehen“, sagte der Sportwart. „Völlig zusammenkaufen wollen wir niemals ein Team.“ Das würde 30 Jahre Potsdamer Liga-Ringen konterkarieren.