• Potsdamer Talente: Tänzer Lilo Wätzel und Philip Honig: Die Leichtigkeit der Schwere

Potsdamer Talente: Tänzer Lilo Wätzel und Philip Honig : Die Leichtigkeit der Schwere

Lilo Wätzel und Philip Honig wurden als Duo Tanz-Europameister – und sind der Magie ihres Sports verfallen. Für die beiden Potsdamer ist er ein Ventil. Um sich einen tänzerischen Traum in der "Windy City" zu erfüllen, suchen sie Sponsoren.

Ausgezeichnet. Lilo Wätzel und Philip Honig wurden als Potsdamer Nachwuchsteam des Jahres 2018 geehrt.
Ausgezeichnet. Lilo Wätzel und Philip Honig wurden als Potsdamer Nachwuchsteam des Jahres 2018 geehrt.Foto: Manfred Thomas

Potsdam - Wettkampferfolg ist für Lilo Wätzel und Philip Honig eine Nebensächlichkeit. 2018 wurde das Tanz-Duo von der Pirouette Dance Company zunächst Deutscher Meister und dann Europameister in der Kategorie Modern Dance, was ihnen letztlich auch noch die Ehrung als Potsdams Nachwuchsteam des Jahres einbrachte. Titel, Triumphe – woran sich andere Sportler profilieren, woraus sie ihre Motivation und den Ehrgeiz ziehen, ist für die beiden „nur ein toller Bonus“, wie Philip Honig sagt. „Auszeichnungen sind schön, aber nicht das Wichtigste.“ Oberste Priorität hat vielmehr der Spaß – das betonen die Voltaire-Gesamtschüler. „Mein Ziel ist es, dass ich durch Tanzen glücklich werde“, so der 18-jährige Honig. Die drei Jahre jüngere Lilo Wätzel ergänzt: „Ich möchte niemals die Leidenschaft daran verlieren. Ein Leistungsgedanke wäre dabei vielleicht hinderlich.“

"Feuer und Flamme - gefangen im Tanz"

Tanzen sei Sport, „intensiver Sport“, möchte Philip Honig festhalten. Gerade der Stil von ihm und seiner Partnerin, die seit 2015 als Duett agieren, verlange viel Kraft und Ausdauer. Sie lassen unterschiedliche Formen einfließen. Zum Beispiel aus den Bereichen Jazz, Ballett und Akrobatik, viele Hebungen sind dabei. „Je mehr Elemente zusammentreffen, umso interessanter sieht es aus“, findet Lilo Wätzel. Rund drei Minuten dauert ein Tanzauftritt von ihnen. Gut 180 Sekunden, die sie physisch und psychisch an die Grenzen bringen, meint sie. Doch sei es „die Kunst, bei aller Anstrengung die Bewegungen, die Verrenkungen, will ich fast schon sagen, leicht aussehen zu lassen“, erklärt Philip Honig.

Vor einigen Jahren hatten er und Lilo Wätzel den Weg zum Tanzsport gefunden. Es bedurfte Nachdruck für diesen Schritt, Zweifel, ob das etwas für sie sei, herrschten zunächst vor. Honig, der bereits Kampfsport und Leichtathletik ausprobierte, wurde von einem Freund überredet, zum Training mitzukommen. Ihre Cousine ermunterte derweil Wätzel, die aber anfangs keine Lust darauf hatte, „null Motivation“, wie sie zurückblickt. „Zum Glück hat sie mich dann regelrecht zur Probestunde gezwungen. Ab da an war ich hin und weg, Feuer und Flamme, wollte nur noch tanzen und könnte niemals mehr aufhören.“ Philip Honig sei auch „vom ersten Moment an tatsächlich im Tanz gefangen“ gewesen.

Bedrückende Thematik in ihrem Programm

Sie lernten sofort, die Magie des Tanzens zu schätzen. Die Bewegung zur Musik ist ein Ventil. Ein Regulator der Empfindungen. „Der Alltag staut vieles auf. Das muss raus“, sagt Honig. „In Wörtern könnte ich mich niemals so ausdrücken, wie ich es beim Tanzen schaffe“, fügt Wätzel hinzu. „So kann ich meiner Energie, meinen Gedanken und Gefühlen am besten freien Lauf lassen.“

Das Duo, das bis zu sechsmal pro Woche trainiert und schon 2017 als damaliger Deutscher Champion an der Weltmeisterschaft teilnahm, widmet sich bei den möglichst leichtfüßigen Darbietungen nicht nur der Leichtigkeit des Lebens. Mit ihrem Programm „Destroyed by You“ machten sie häusliche Gewalt zum Thema. Der starke Ausdruck, die Technik und Komplexität dieses Tanzes brachten ihnen schließlich den EM-Titel in Österreich ein. Und noch mehr. Bei der Kontinentalmeisterschaft war auch die angesehene Choreographin und Tanzlehrerin Debra Nanni aus Chicago zu Gast. Sie vergab an besonders eindrucksvolle Tänzer Stipendien für einen einwöchigen Workshop bei ihr im Studio. „Eine Riesenehre“, sagen die Potsdamer unisono. Anfang August soll das stattfinden. Weil die Teilnehmer die Reisekosten selbst tragen müssen, suchen Lilo Wätzel und Philip Honig nun nach Sponsoren – damit ihr Traum vom Tanztraining in der „Windy City“ nicht weggeweht wird.