• Potsdamer Kanute bei der SUP-WM: Sebastian Brendel paddelt im Stehen

Potsdamer Kanute bei der SUP-WM : Sebastian Brendel paddelt im Stehen

Der Potsdamer Kanu-Olympiasieger Sebastian Brendel nimmt an der Weltmeisterschaft für Stand-Up-Paddling in China teil. Es ist die WM-Premiere für seinen Weltverband - und damit auch ein Sportpolitikum. 

Er steht drauf. Sebastian Brendel beim SUP-Weltcup in Scharbeutz. 
Er steht drauf. Sebastian Brendel beim SUP-Weltcup in Scharbeutz. Foto: HOCH ZWEI/Marco Michalke

Sebastian Brendel bringt sich für die Olympiasaison 2020 in Form. Der dreifache Kanu-Goldmedaillengewinner bei Sommerspielen ist nach kurzer Erholungspause unlängst wieder ins Training eingestiegen und stellt sich auch bereits wieder dem Wettkampf. Allerdings noch nicht in seinem Canadierboot. Vorigen Sonntag lief der Sportler des KC Potsdam im OSC den Magdeburger Halbmarathon, belegte dabei mit persönlicher Bestzeit von 1:23:55 Stunde den 17. Platz. Und von Freitag bis Sonntag nimmt er nun im chinesischen Qingdao an den Weltmeisterschaften des Kanu-Weltverbandes ICF für das Stand-Up-Paddling (SUP) teil. „Das passt sehr gut in meinen Plan“, sagt Brendel.

Schon seit Jahren schwört der Brandenburger Ausnahmeathlet zur Trainingsergänzung auf jenen Trendsport, bei dem auf einem Brett stehend über das Wasser gepaddelt wird. Dies fördere seine motorischen Fähigkeiten, betont Brendel. Beim Canadierfahren sorge er schließlich einseitig für Vortrieb, in seinem Falle links. Betreibt er SUP, ist auch mal die andere Seite gefordert. „Mein Körpergefühl verbessert sich dadurch.“ In den vergangenen Jahren startete der zwölffache WM-Sieger dann auch gerne beim SUP-Weltcup im Ostseebad Scharbeutz, um sich im Vergleich mit den Besten dieser Zunft zu messen. „2019 war ich nicht dazu gekommen. Deshalb freue ich mich, dass es jetzt mit der WM klappt.“

Streit um Zuständigkeit zwischen Kanuten und Surfern

Diese hat durchaus historischen Wert. Erstmalig richtet die ICF eine SUP-Weltmeisterschaft aus. Eigentlich war bereits für 2018 die Premiere in Portugal geplant, doch ein Streit zwischen den Weltverbänden für Kanu und Surfen verhinderte sie. Beide Verbände ringen um die Zuständigkeit in der immer beliebter werdenden Disziplin, der eine olympische und damit lukrative Perspektive attestiert wird. Die Auseinandersetzung läuft gar vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS. Die Surfer konnten voriges Jahr per Gerichtsbeschluss bewirken, dass in Portugal, wo ihnen die SUP-Hoheit obliegt, die ICF keinen WM-Wettkampf veranstalten darf.

Daher gehen die Kanuten diesmal ins ihnen zugewandte China. Unterstützung durch Top-Athleten anderer Disziplinen sorgen für ein öffentlichkeitswirksames Starterfeld: Zum Beispiel ist Ungarns viermaliger Kanu-Marathon-Weltmeister Marton Kover dabei und aus dem Kanu-Sprint-Bereich sind es der russische WM-Titelträger Andrey Kraitor und eben Brendel. Allerdings betont der Potsdamer, dass er sich mit seiner Teilnahme nicht für eine PR-Maßnahme instrumentalisieren habe lassen. „Ich bin dort, nur weil ich das will, weil mir das Spaß macht“, sagt er.

Erneuter Abstecher nach Fernost dient der Olympia-Vorbereitung

Eine Qualifikation war generell nicht nötig. Im Sprint über 200 Meter und auf der Zwölf-Kilometer-Langdistanz werde er auf jeden Fall antreten, ob auch im Technik-Rennen, ist offen. „Da werden sehr viele Wenden gefahren, das ist nicht so mein Ding“, gesteht der 31-Jährige. Worauf es für ihn ankomme, um vielleicht sogar vorne mitzumischen? Er lacht: „Wenig Wellen und eine gute Startphase, ansonsten sehe ich alt aus.“ Aus Potsdam stehen auch die SUP-Spezialisten und -Unternehmer Steven Bredow und Martin Teichmann auf der Aktivenliste. Bredow ist Ressortleiter für diese Disziplin im Deutschen Kanu-Verband.

Neben der Abwechslung und Herausforderung nutzt Brendel den Abstecher nach Fernost auch zur Olympia-Vorbereitung. Im September paddelte er bereits beim Testevent in Tokio und anschließend beim Supercup in China. „Asien ist für mich ungewohnt. Dort zu sein, mich mit der Zeitumstellung und den allgemeinen Bedingungen vertraut zu machen, wird mir ganz bestimmt helfen, wenn nächstes Jahr die Sommerspiele in Tokio stattfinden.“ Dann hofft er auf großen Erfolg. Im Canadierboot natürlich.