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Potsdamer Diskus-Werferin Pudenz holt Silber in Tokio : „Echt? Wahnsinn!“

Diskuswerferin Kristin Pudenz vom SC Potsdam beschert den deutschen Leichtathleten in Tokio die erste Medaille.

Martin Moravec. Andreas Schirmer
Die Potsdamer Diskus-Werferin Kristin Pudenz überraschte sich und alle anderen: Silber mit persönlicher Bestleistung in Tokio. 
Die Potsdamer Diskus-Werferin Kristin Pudenz überraschte sich und alle anderen: Silber mit persönlicher Bestleistung in Tokio. Foto: Aleksandra Szmigiel / Pool / AFP

Tokio/ Potsdam - Nach ihrem Silber-Coup klatschte Diskuswerferin Kristin Pudenz begeistert in die Hände und vergoss Tränen der Rührung. Die 28-Jährige hat völlig überraschend Silber bei den Olympischen Spielen gewonnen und den deutschen Leichtathleten die erste Medaille in Tokio beschert. Pudenz landete am Montag mit der persönlichen Bestleistung von 66,86 Metern im fünften Versuch auf dem zweiten Platz. Sie posierte danach mit einer Deutschlandflagge und präsentierte den Kameras ihr auffälliges Tattoo am Wurfarm.

Historische Dimension: Erste Diskus-Medaille seit 25 Jahren

„Ich kanns immer noch nicht richtig fassen. Mal guck'n, wie lange das dauert, bis ich dann denke: Ja, du hast gerade die Silbermedaille“, sagte Pudenz, die sich vorsichtig nur einen Platz unter den ersten Acht vorgenommen hatte. „Es ist einfach unglaublich.“ Pudenz, die in diesem Jahr immer wieder Probleme mit der Achillessehne hatte, bescherte den deutschen Diskuswerferinnen die erste Medaille seit dem Gold-Wurf von Ilke Wyludda 1996 in Atlanta. „Echt? Wahnsinn!“, meinte Pudenz überrascht über die historische Dimension ihres Erfolgs.

Völlig überrascht: Die SC-Potsdam-Leichtathletin im olympischen Diskus-Finale.
Völlig überrascht: Die SC-Potsdam-Leichtathletin im olympischen Diskus-Finale.Foto: Reuters/Dylan Martinez

Wyludda war von dem Pudenz-Coup gar nicht so verblüfft. „So überraschend war das für mich nicht“, sagte die 52-Jährige aus Halle/Saale, die den Vater von Pudenz aus aktiven Zeiten gut kennt. „Kristin hat in diesem Jahr eine hervorragende Entwicklung hingelegt. Ich hoffe, dass sich die Situation bei den Frauen jetzt stabilisiert und dass es etwas vorwärts geht.“ 

Pudenz Motto: "Alles oder nichts"

Olympiasiegerin im von einer rund einstündigen Regenunterbrechung beeinträchtigten Wettbewerb wurde die US-Amerikanerin Valarie Allman (68,98), auf Rang drei kam Yaime Perez aus Kuba (65,72). „Ich habe versucht ruhig zu bleiben und die Pause zum Runterkommen zu nutzen“, meinte Pudenz über die Unterbrechung, in der sie sich einen Snack gönnte. Danach war das Motto: „Alles oder nichts.“ Die Leverkusenerin Marike Steinacker wurde mit 62,02 Metern Achte. Claudine Vita aus Neubrandenburg verpasste den Endkampf der besten acht Diskuswerferinnen als Neunte (61,80 Meter). Die Kroatin Sandra Perkovic, Olympiasiegerin von 2012 und 2016, blieb als Vierte (65,01) dieses Mal ohne Edelmetall.

Heftiger Regen sorgte für Unterbrechung

Die Diskuswerferinnen wurden auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Denn im regennassen Käfig rutschte die Portugiesin Liliana Ca bei ihrem dritten Versuch aus, dann setzte noch heftigerer Regen ein. Der Wettbewerb wurde für rund eine Stunde unterbrochen. Anschließend legte Pudenz ihre silberne Diskus-Show hin.

Kristin Pudenz startet für den SC Potsdam.
Kristin Pudenz startet für den SC Potsdam.Foto: dpa

„Ich bin mal gespannt, was da gleich auf dem Handy los ist“, sagte Pudenz, die im Stadion kein Mobiltelefon dabei hatte. „Ich weiß, dass sich das ziemlich viele angeguckt haben. Es macht mich einfach stolz, dass ich mich da so präsentieren konnte.“ Irgendwie folgte die Athletin in dieser denkwürdigen Nacht dem Motto, das sie sich auf die obere Hälfte ihres rechten Wurfarms hat tätowieren lassen: „How we survive is what makes us who we are“. Das heißt so viel wie: „Wie wir überleben, macht uns zu dem, was wir sind.“

Seit elf Jahren trainiert Pudenz in Potsdam

Pudenz ist nun seit elf Jahren in Potsdam und wird von Jörg Schulte trainiert. Seit drei Jahren laufe es richtig gut für sie, sagte die Diskus-Athletin. „Ich habe viele Jahre aus der zweiten Reihe zugeschaut und das hat mich stark gemacht für diesen Moment. Und jetzt bin ich umso stolzer, dass sich das ganze ausgezahlt hat.“ Und wie! Pudenz freute sich derweil auf eine Pizza als kleine Belohnung.

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Gratulationsflut aus Stadt und Land

Gratulationen kamen im Anschluss aus vielen Ecken der Trainingsstadt Potsdam: Das Land Brandenburg sendete gleich mehrere Glückwünsche. Innenminister Michael Stübgen (CDU) ließ per Twitter ausrichten: "Wahnsinn. Innenminister Stübgen gratuliert der Brandenburger Kommissaranwärterin. Das ist eine großartige Leistung. Wir freuen uns mit und für Kristin Pudenz.“ Aus der Staatskanzlei wurde der Gruß geschickt: "Ministerpräsident Dietmar Woidke und Sportministerin Britta Ernst (beide SPD) gratulieren herzlich zu den ersten Medaillen für Team Brandenburg bei Olympia: Silber für Bahnradsportlerin Emma Hinze und Diskus-Werferin Kristina Pudenz." 

Der offizielle Twitter-Account der Stadt Potsdam schrieb "Herzlichen Glückwunsch an die Diskuswerferin vom SC Potsdam zur Medaille und der persönlichen Bestweite. Potsdam freut sich mit ihr und ihrem Trainer Jörg Schulte." Und Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) fasste kurz und knapp zusammen: "Silber in Tokio für Kristin Pudenz vom SC Potsdam! Herzlichen Glückwunsch!" Auch Potsdams Sportbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos) schickte Glückwünsche per Twitter. Der Stadtsportbund Potsdam twitterte: "Super! Wahnsinn! Wir sind sprachlos und unglaublich stolz! Herzlichen Glückwunsch Kristin, das hast du dir sowas von verdient."

Silber für Emma Hinze aus Cottbus

Zuvor gab es bereits das erste Edelmetall für Brandenburg: Emma Hinze aus Cottbus hatte mit der Chemnitzerin Lea Sophie Friedrich bei den olympischen Bahnrad-Wettbewerben Silber gewonnen. Die Weltmeisterinnen mussten sich am Montag im Finale den Chinesinnen Bao Shanju und Zhong Tianshi geschlagen geben. Die neuen Olympiasiegerinnen hatten im Velodrome von Izu zuvor in 31,804 Sekunden einen Weltrekord aufgestellt. 

Bronze ging an die Russinnen Daria Schmelewa und Anastasija Wojnowa. Friedrich/Hinze verbesserten gleich dreimal den deutschen Rekord, am Ende auf 31,905 Sekunden. Die alte Bestzeit hielten Rekord-Weltmeisterin Kristina Vogel und Miriam Welte.
 

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