• PNN-Olympiaserie "Rio ruft" - die Paralympics: Innige Vertrauensbasis am Schwimmbecken

PNN-Olympiaserie "Rio ruft" - die Paralympics : Innige Vertrauensbasis am Schwimmbecken

Torben Schmidtke, 100-Meter-Brust-Spezialist des paralympischen SC-Potsdam-Schwimmteams, wird seit zehn Jahren von Dörte Paschke trainiert. Zum Jubiläum möchte sich das Duo selbst beschenken - indem Schmidtke wie in London nun auch in Rio Edelmetall holt.

Auf dem Sprung zur zweiten Medaille. 2012 holte Torben Schmidtke bereits Paralympics-Silber über 100 Meter Brust. In Rio geht er nun als Weltjahresbester an den Start.
Auf dem Sprung zur zweiten Medaille. 2012 holte Torben Schmidtke bereits Paralympics-Silber über 100 Meter Brust. In Rio geht er...Foto: imago

Torben Schmidtke und Dörte Paschke pflegen eine besonders innige Sportler-Trainer-Beziehung. „Wir sind wie ein altes Ehepaar“, sagen die beiden über sich. Es sei eine ausgesprochen glückliche Ehe, die inzwischen bereits seit zehn Jahren andauert. „Wir haben jetzt also Jubiläum“, scherzen sie. Zu diesem Anlass möchte sich das Gespann aus dem paralympischen Schwimmteam des SC Potsdam nun bei den Sommerspielen in Rio selbst beschenken – indem Schmidtke die zweite Paralympics-Medaille seiner Karriere holt. „Wir sind voller Hoffnungen, denn die Trainingswerte sind so gut wie noch nie“, berichtet seine Trainerin.

Die hatte den gebürtigen Schweriner einst in ihrer Funktion als Landescoach von Mecklenburg-Vorpommern gesichtet und dazu ermutigt, an den Leistungsstützpunkt nach Greifswald zu wechseln, wo Paschke ansässig war. 2006 ging Schmidtke diesen Schritt. Fünf Jahre später sah die Übungsleiterin allerdings ihre Zukunft nicht mehr in der Ostseestadt. „Ich habe dort immer nur Halbjahresverträge bekommen und wollte dann einfach einen Trainerjob mit mehr Stabilität“, erklärt sie. Den fand Dörte Paschke in Potsdam. Und zu ihrer Begeisterung entschloss sich Torben Schmidtke, den Weg dorthin mitzugehen. „Wir hatten eine wunderbare Vertrauensbasis aufgebaut, die ich für meine weitere sportliche Laufbahn nicht missen wollte“, begründet der 27-Jährige, mit dem die 49 Jahre alte aus Lübz stammende Paschke perfekt harmoniert. Woran das liegt? „An unserer gemeinsamen norddeutschen Art. Wir sind sehr gelassen, können aber auch richtige Sturköpfe sein, die jedoch immer direkt und offen miteinander kommunizieren“, beschreibt sie die Zusammenarbeit, die viele Früchte des Erfolgs trägt.

Der Potsdamer führt die Weltjahresbestenliste über 100 Meter Brust an

Torben Schmidtke hat sich zu einem der weltbesten Sportler mit Handicap entwickelt. Auf seiner Paradestrecke 100 Meter Brust gewann der SCP-Athlet, dessen Beine und linker Arm fehlgebildet sind, 2012 Silber bei den Paralympics in London – sein erster ganz großer internationaler Coup. Es folgten ebenfalls Silber bei der Weltmeisterschaft 2013 und Europameisterschaft 2014 sowie WM-Bronze vor einem Jahr.

Und auch in der aktuellen Saison hat er bereits Ausrufezeichen gesetzt. Schmidtke verbesserte vier Weltrekorde seiner Startklasse (50, 100, 200 Meter Brust Kurzbahn und 200 Meter Brust Langbahn/zudem hält er die Langbahn-Weltbestmarke auf 50 Meter Brust) und stellte über 100 Meter Brust eine persönliche Bestzeit von 1:22,73 Minuten auf. Damit führt er zugleich die aktuelle Weltjahresbestenliste auf jener Distanz an, die für ihn am wichtigsten ist, weil sie – anders als die 50 und 200 Meter Brust – im Paralympics-Programm seiner Startkategorie SB 6 steht.

Inklusive Rio war Schmidtke schon 22 Wochen in diesem Jahr auf Reisen

Die Top-Leistungen der vergangenen Monate kommen nicht von ungefähr. „Ich habe richtig viel und hart trainiert. Da brauchte ich nach der Einheit auch mal eine Kloschüssel zum ... na ja, du weißt schon“, erzählt Torben Schmidtke, der sich seinen Paralympics-Schliff in zahlreichen Trainingslagern holte. Er hat zusammengerechnet: „Inklusive der Spiele in Rio war ich dann dieses Jahr schon 22 Wochen auf Reisen. Aber ich mag das, bin gerne unterwegs und froh, dass mir mein Arbeitgeber das so ermöglicht“, sagt der IT-Mitarbeiter der Bundespolizei.

Doch er spulte im Becken nicht einfach nur ein großes, intensives Pensum ab, sondern setzte es auch in hohem qualitativem Maße um. „Ich habe viel Wert auf die Technik gelegt und es dadurch geschafft, ganz stabil in der Ausführung zu sein. In den Vorjahren hatte ich phasenweise Probleme bei den Armzügen und der Frequenz – jetzt habe ich das super im Griff.“ Was der Spitzensportler in Rio, wo er vor seiner Hauptstrecke 100 Meter Brust noch die 400 und 100 Meter Freistil „zum Warmschwimmen“ nutzen werde, demonstrieren möchte.

Coach Dörte Paschke: "Bei der Farbe der Medaille hat er wirklich alles drauf"

Eine neue Bestzeit, so sein Ziel, solle am Ende auf der Anzeigentafel aufleuchten und dazu noch ein Podestplatz herausspringen. „Bei der Farbe der Medaille“, meint Coach Dörte Paschke, „hat er wirklich alles drauf. Hauptsache ist aber, dass er sich überhaupt eine erkämpft.“ Bronze, Silber oder Gold – damit wäre für den edlen Glanz zum zehnjährigen Bestehen, also der Rosenhochzeit, dieser Sportler-Trainer-Ehe gesorgt. 

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