• Ironman auf Hawaii: Der Potsdamer Debütant und das Biest

Ironman auf Hawaii : Der Potsdamer Debütant und das Biest

Profi-Triathlet Franz Löschke aus Potsdam steht zum ersten Mal im Elitefeld bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii. Und musste sich vorab erstmal einen Irrtum eingestehen.

Laufstark. Franz Löschke qualifizierte sich als EM-Dritter für Hawaii.
Laufstark. Franz Löschke qualifizierte sich als EM-Dritter für Hawaii.Foto: imago images / Eibner

Franz Löschke unterlief ein Irrtum. Als der Potsdamer Triathlet Ende Juni in Frankfurt am Main als Drittplatzierter der Europameisterschaft sein Ticket ins Elite-Startfeld der Ironman-Weltmeisterschaft gelöst hatte, glaubte er, bereits eine passende Einstimmung auf das legendäre Rennen auf Hawaii bekommen zu haben. Bis zu 37 Grad Celsius setzten den Sportlern bei der EM zu. Doch so hart dies war, Löschke weiß seit seiner Ankunft im zentralpazifischen Inselreich: Es war nichts im Vergleich zu den Bedingungen, die ihn am Wochenende bei seinem WM-Langdistanz-Debüt erwarten.

Klimatische Herausforderung ließ ihn zweifeln

Zwar sind es dann voraussichtlich nur um die 30 Grad, aber in Kombination mit Luftfeuchtigkeit jenseits der 70 Prozent entsteht ein klimatisches Extrem. Seit dieser Woche weilt Löschke auf Hawaii. Zuvor hatte er drei Wochen auf der Nachbarinsel Maui zur Vorbereitung trainiert und wurde angesichts der Witterungseinflüsse unsicher: „Ich habe daran gezweifelt, ob das eine gute Idee ist, hier zu starten“, gesteht er im Interview mit „tri-mag.de“. Doch längst sind die Zweifel ausgeräumt. Der 30-Jährige ist bereit für das „Biest“, wie der Hawaii-Wettkampf gerne bezeichnet wird. 3,8 Kilometer Schwimmen im Ozean. 180 Kilometer Radfahren durch die Lavawüste mit zu bewältigenden rund 1500 Höhenmetern und tückischen Windböen. Und zum Abschluss der Tortur – weiterhin an der Westküste entlang – der Laufmarathon über 42,195 Kilometer.

Mit zunehmender Zeit auf Maui kam auch Löschkes Sicherheit wieder. Für Ausdauersportler wie ihn ist Anpassung an Belastungsreize fundamental. Aber es sind nicht nur Reize in Form von Trainingsumfängen oder -intensitäten, an die sich der Körper gewöhnen kann, sondern auch an äußere Einflüsse. Mit dem Pazifik-Wetter kommt Löschke inzwischen dank der Akklimatisierungswochen gut klar. Er fühlt sich durch die lange Vorlaufphase besser vorbereitet als auf den Hitze-Ironman von Frankfurt, dem er nicht annähernd unter den dann vorliegenden Bedingungen entgegentrainiert hatte.

Löschke lernt von einem Meister: Sebastian Kienle, Hawaii-SIeger 2014

Nichtsdestotrotz gehe er „immer noch mit hohem Respekt“ an den Start, sagt Löschke, der eine namhafte Unterstützung genießt: Seit dieser Saison gehört Sebastian Kienle zur Gruppe von Philipp Seipp, der auch den gebürtigen Finsterwalder trainiert. Kienle gewann 2014 auf Hawaii. „Ich habe schon viel von ihm gelernt, habe versucht, alles aufzusaugen, was er erzählt“, erklärt Löschke.

Der 1,92-Meter-Recke war einst vielversprechender Triathlet auf der Sprint- und und olympischen Kurzdistanz. 2009 wurde er U23-Weltmeister, vier Jahre später folgte Staffel-WM-Gold. Eine Schambeinentzündung sorgte Anfang 2018 aber für eine Neuorientierung. Weil Löschke längere Zeit nicht in hohen Geschwindigkeiten trainieren konnte, widmete er sich stattdessen den extensiven Herausforderungen. Er wechselte zur Mittel- und letztlich auch Langdistanz, fand darin Erfüllung. Voriges Jahr fehlten ihm als Zweitplatzierten beim Ironman Barcelona nur elf Sekunden zur Hawaii-Qualifikation.

"Franz Kipchoge" ist der Mann für den abschließenden Marathon

2019 hat er sie geschafft. Wie üblich formuliert Löschke nun auch für den Wettstreit der weltbesten „Eisenmänner“ zuvor nicht öffentlich, welche Platzierung sein Ziel ist. „Da bin ich abergläubisch“, sagt er. Doch zwischen den Zeilen ist vielleicht etwas herauszuhören. Die Vergangenheit hätte gezeigt, dass auf Hawaii viel möglich sei, dass man auch nach größerem Rückstand am letzten Wechsel noch in die Top 10 laufen könne, meint der Brandenburger. Seine Stärke ist der Lauf. Aus Spaß und zur eigenen Motivation nutzt er in sozialen Medien daher gerne für sich die Bezeichnung Franz Kipchoge, in Anlehnung an Marathon-Weltrekordler Eliud Kipchoge aus Kenia.

Bereits vor dem Startsignal auf Hawaii ist Löschke selbst Teil eines Rekords. Insgesamt 279 Deutsche – 19 Profis, der Rest Altersklassen-Teilnehmer – sind für die dortige WM qualifiziert, so viele wie noch nie. Unter ihnen sind auch Marcel Bossog, 43 Jahre alt und aus Geltow, sowie die 57-jährige Potsdamerin Kathrin Liebmann. Sie nehmen es ebenfalls als Debütanten mit dem Biest auf.