• HV Grün-Weiß Werder: Die Stunde des Verlierers

HV Grün-Weiß Werder : Die Stunde des Verlierers

Am Ende stand zwar die sechste Niederlage im sechsten Spiel zu Buche, dennoch herrschte bei Werders Drittliga-Handballern Zufriedenheit. Sie wussten gegen den namhaften Kontrahenten HSV Hamburg zu begeistern und sehen die Leistung nun als Maßstab für die Zukunft.

In den letzten Zügen der Heimpartie bekamen die Handballer des HV Grün-Weiß Werder das, was sie sich redlich verdient hatten: stehende Ovationen ihrer Fans. Dem in diesem Jahr aufgrund einer beantragten Insolvenz von der ersten in die dritte Liga abgestiegenen HSV Hamburg hatten die Werderaner auf begeisternde Art und Weise Paroli geboten. Zwar hieß es nach Ablauf der 60 Minuten Spielzeit aus ihrer Sicht 19:23 (10:13), womit im sechsten Saisonmatch die sechste Niederlage besiegelt war, doch irgendwie wurde das Ganze zur Stunde des Verlierers.

Egal, in welches Gesicht der Grün-Weißen man auch schaute, überall zeichnete sich ein Grinsen ab. „Gratulationen zu bekommen, nachdem man verloren hat, ist schon merkwürdig. Aber das passt. Wir können mit dieser Leistung sehr zufrieden sein“, sagte Werders Trainer Silvio Krause. Im Vergleich zu den Vorwochen, als sich seine Mannschaft bei mehreren sehr hohen Niederlagen „nicht drittligawürdig“ präsentiert habe, sei der Auftritt am vergangenen Samstag eine enorme Steigerung gewesen. Und das ausgerechnet gegen den Club, der 2013 die Champions League gewonnen hatte und jetzt bei seinem kompletten Neuanfang zu den Titelkandidaten der 3. Liga Nord gehört.

Bessere Moral uns besserer Teamgeist als in den Vorwochen

Vor 199 frenetischen Zuschauern in der ausverkauften Sporthalle des Ernst-Haeckel-Gymnasiums – darunter eine große Gruppe ebenso lautstarker HSV-Anhänger – setzten die Hausherren ihrem Kontrahenten mit unbändiger Willenskraft zu. Insbesondere defensiv überzeugten sie, packten gegen die körperlich deutlich überlegenen Gäste voller Entschlossenheit zu, was die Grundlage dafür war, dass die Begegnung lange Zeit offen blieb. In der 21. Minute gelang es dem Team aus der Blütenstadt, sogar einmal in Führung zu gehen (9:8). Doch durch einen Negativlauf von 0:3 Toren zum Ende der ersten und auch zu Beginn der zweiten Halbzeit ließ Werder etwas abreißen.

Zwischenzeitlich wuchs der Rückstand auf acht Treffer an. Aber die Krause-Truppe brach nicht ein, sondern kämpfte sich auf minus vier heran. „Wir“, erklärte der Coach, „haben die Moral gezeigt, die uns in den letzten Spielen zum Teil gefehlt hatte. Da hatten wir nicht richtig als Mannschaft zusammengestanden.“ Yannick Schindel pflichtete ihm bei. „Was Teamgeist angeht, war das viel, viel besser“, sagte der Kreisläufer, der sich Anfang September in seiner ersten Angriffsaktion der Saison an der Schulter verletzt hatte und nun wieder zurück auf der Platte ist. Dadurch hebt sich der Werderaner Qualitätspegel. Der bullige Spieler verleiht in der Abwehr mehr Stabilität und im Angriff erhöhte Durchschlagskraft. Obendrein ist der Vierfach-Torschütze vom Samstag jemand, der seine Kollegen emotional mitreißt.

"Jede Partie angehen, als wäre es die größte und unsere letzte"

Nachdem der Aufsteiger im Duell gegen den namhaften Tabellendritten, das vorab als das „Spiel des Jahres“ stilisiert worden war, gemerkt hat, was als starkes Kollektiv möglich ist, forderte Schindel in der Konsequenz kämpferisch: „Wir müssen jede Partie angehen, als wäre es die größte und unsere letzte.“ So sieht es auch Silvio Krause: „Wir sind diesmal gemeinsam bis zum Schluss an die Kotzgrenze gegangen. Nur auf diese Weise kann es funktionieren.“ Damit für Grün-Weiß bald die Stunde des Siegers schlägt. 

Werder: Göres, Lessig, Petsch – Harnge, Schugardt, Drescher (1), Huntz (4), Bruck (3), Nehls (3), Boede, Schütz, Terlunen (3), Schindel (4), Wirt (1)