• Wohn- und Gewerbepark am Kirchsteigfeld: Investor will Bauantrag im Sommer 2022 stellen

Wohn- und Gewerbepark am Kirchsteigfeld : Investor will Bauantrag im Sommer 2022 stellen

Pläne für den Bau von Wohnungen und Büros am Kirchsteigfeld machen Fortschritte. Noch vor der Sommerpause könnten die Stadtverordneten entscheiden.

Die Pläne der Kirchsteigfeld-Erweiterung mit der verlängerten Anni-von-Gottberg-Straße.
Die Pläne der Kirchsteigfeld-Erweiterung mit der verlängerten Anni-von-Gottberg-Straße.Foto: Winkens Architekten

Potsdam - Zuletzt war es etwas still geworden um eines der größten Bauprojekte in Potsdam. Doch hinter den Kulissen wurde weiter an den Plänen für einen großen Wohn- und Gewerbepark am Kirchsteigfeld gearbeitet. Nun stehen die nächsten Schritte an. Läuft alles wie geplant, könnte der Bauantrag im Sommer 2022 gestellt werden, sagte Daniel Egenter vom Projektentwickler Egenter und Czischka GmbH den PNN. 

Derzeit beteilige man sich an der Arbeit am Bebauungsplan, der wie berichtet seit 2019 geändert wird. Die fachliche Arbeit sei weitgehend abgeschlossen, so Egenter. Man stelle nun ein Gesamtpaket zur Prüfung durch die Bauverwaltung zusammen. Vor der Sommerpause werde ein Auslegungsbeschluss der Stadtverordnetenversammlung angestrebt.  Zu einem Zeitplan äußerte sich das Rathaus auf PNN-Anfrage nicht. Es liefen Abstimmungen zur Überarbeitung des städtebaulichen Konzeptes, hieß es. "Die nächsten Verfahrensschritte sind die Öffentlichkeitsbeteiligung sowie die Beteiligung der Behörden und sonstiger Träger öffentlicher Belange."

Auf der Brache zwischen Ricarda-Huch-Straße und Autobahn sollen im Kirchsteigfeld Neubauten für Wohnen und Gewerbe entstehen.
Auf der Brache zwischen Ricarda-Huch-Straße und Autobahn sollen im Kirchsteigfeld Neubauten für Wohnen und Gewerbe entstehen.Visualisierung: Winkens Architekten

Es deutet sich an, dass es im Vergleich mit dem Ursprungskonzept einige Änderungen gibt. Das Projekt war mehrmals Thema im Gestaltungsrat, der einige Anmerkungen gemacht hatte - beispielsweise zur Gestaltung eines Stadtplatzes im nördlichen Teil des Areals. "Wir haben alle Punkte angefasst", so Egenter. "Die fachliche Diskussion ist sehr fruchtbar." Man habe viel Lob vom Gestaltungsrat für den intensiven Austausch bekommen. Die Eingangsbereiche seien umgestaltet worden. An das Projekt werde ein hoher städtebaulicher Anspruch gestellt, schließlich sei es der erste  Eindruck, "den man von Potsdam sieht, wenn man auf der A115 fährt." Eine weitere Diskussion im Gestaltungsrat werde angestrebt. Bisher gebe es dafür aber noch keinen Termin.

Weitere Einbeziehung der Anwohner bei Bauplänen geplant

Für den südlichen Eingangsbereich zu dem Areal soll es einen Wettbewerb geben. Dabei gehe es um Nutzung, Gestaltung und Fassade. Nach den bisherigen Plänen soll dort ein Gebäude in einem Kreisverkehr errichtet werden und sozusagen das Tor zum Viertel darstellen. Sofern es die Pandemie zulässt, soll das Projekt wie anfangs schon bei einer Einwohnerversammlung im Kirchsteigfeld erneut vorgestellt werden. Die Einbeziehung der Anwohner vor Ort sei ihm sehr wichtig, so Egenter.

Weiterhin vorgesehen ist auch der Bau von insgesamt rund 560 Wohnungen. Das Potsdamer Baulandmodell soll auf das Projekt angewendet werden. "Das haben wird schon schriftlich zugesagt", so Egenter. Laut dem Modell beteiligen sich Investoren beim Wohnungsbau an den Kosten für die nötige soziale Infrastruktur und sowie an Sozialwohnungen. 

Boulevard auf der verlängerten Anni-von-Gottberg-Straße

In der Verlängerung der Anni-von-Gottberg-Straße soll eine Art Boulevard entstehen, an dem auch Einzelhandel zur Nahversorgung angedacht ist. Dort wird auch der erste Bauabschnitt sein. In dem Wohn- und Mischgebiet soll auch weiterhin ein 16-stöckiges Hochhaus errichtet werden. Das bestätigt auch die Stadtverwaltung. "Das Bürogebäude ist nach wie vor Bestandteil der Planung." Das Hochhaus sei bereits gemäß des aktuellen rechtsverbindlichen Bebauungsplans zulässig. Vor dem Hochbau soll allerdings zunächst eine Straße gebaut werden, um das Gebiet zwischen der Autobahn und den geplanten Bürogebäuden nach Süden zur L79, der verlängerten Trebbiner Straße, anzubinden.

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Insgesamt sollen in dem Projekt zwischen Ricarda-Huch-Straße und der Autobahn 120.000 Quadratmeter Gewerbeflächen entstehen. Weil die Investoren zusätzlich zu den Gewerbeflächen aber noch 70.000 Quadratmeter Wohnfläche sowie Pflegeeinrichtungen, Kitas und andere Dienstleistungen auf dem 25 Hektar großen Areal unterbringen wollen, sollen die Gewerbeflächen buchstäblich in die Höhe wachsen und in mehreren Hochhäusern untergebracht werden. Rund 4500 Arbeitsplätze sollen so entstehen. Die Wohngebäude sollen fünf- und sechsgeschossig sein und durch den Riegel der höheren Bürohäuser vom Autobahnlärm abgeschirmt werden. Die Entwürfe kommen vom Architekturbüro Winkens.

Areal hat bereits eine bewegte Geschichte hinter sich

Das Gelände liegt seit vielen Jahren weitgehend brach. Um die Entwicklung der Fläche war über Jahre hinweg erbittert gerungen worden. 2010 eskalierte der Streit, als der damalige Investor Henrik Aldinger seine Pläne für ein 40.000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum unter anderem mit Möbelmärkten und einem Sportdiscounter öffentlich machte. 

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Lokale Händler und Anwohner protestierten, auch weil neun Hektar Wald neben der A 115 gerodet werden sollten. Das Vorhaben scheiterte schließlich am Widerstand der Stadtverordneten. Anfang 2019 war dann eine neue Investorengruppe auf den Plan getreten. Diesmal soll der Wald - abgesehen vom Straßenbau - nicht angerührt werden.

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