• Wissenschaftspark Golm: Mehr Platz für Potsdams Wirtschaft

Wissenschaftspark Golm : Mehr Platz für Potsdams Wirtschaft

Im Potsdamer Wissenschaftspark in Golm sollen neue Gewerbe- und Büroflächen, Studentenwohnungen und ein Langzeithotel entstehen. Auch der Uni-Campus soll erweitert werden. Die Planer dringen auf eine bessere Anbindung mit der Bahn.

Platz für Neues. Links und rechts der Straße Am Mühlenberg durch den Wissenschaftspark Golm ist noch Platz. In den kommenden Jahren sollen neue Gewerbe- und Laborgebäude entstehen – auch direkt am Bahndamm.
Platz für Neues. Links und rechts der Straße Am Mühlenberg durch den Wissenschaftspark Golm ist noch Platz. In den kommenden...Foto: L. Hannemann

Potsdam - Gute Nachricht für die wissenschaftsnahe Wirtschaft: Im Wissenschaftspark Golm sollen in den kommenden Jahren zusätzlich drei Hektar Gewerbeflächen für dringend benötigte neue Räume entstehen. Die dafür gewonnenen Investoren stellten sich am Dienstag bei einer Tagung im Fraunhofer Konferenzzentrum in Golm vor. „Wenn es uns gelingt, die entstehenden Flächen mit innovativen Unternehmen zu besetzen, wird dies ein außerordentlicher wirtschaftlicher Impuls für die Stadt sein“, sagte Josef Westerhausen, Chef der veranstaltenden Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU und zugleich Unternehmer vor Ort. Golm könne mit den Investitionen zum führenden Innovationsstandort in Brandenburg werden, so Westerhausen. Damit komme man auch dem Ziel näher, in den nächsten zehn Jahren 1000 neue Arbeitsplätze in Golm zu schaffen, hieß es.

Es geht um neue Gebäude auf bisherigen Landesflächen links und rechts der Straße Am Mühlenberg. So will die in Berlin ansässige Suprema-Gruppe, die schon Dutzende Gewerbeobjekte saniert oder errichtet hat, zwei bis drei Viergeschosser unmittelbar am Golmer Bahndamm bauen – mit einer Gesamtfläche von 16 600 Quadratmetern. Dabei sollen 220 bis 3100 Quadratmeter große Räumlichkeiten entstehen, auch eine Labornutzung soll möglich sein, wie Suprema-Vorstand Daniel Cukierman sagte. Und: „Wir glauben an diesen Standort.“ In einem Jahr werde die Planungszeit vermutlich beendet sein, dann soll es losgehen.

Langzeithotel und neues Gründerzentrum geplant

Ein weiteres Projekt: Neben dem schon bestehenden Gründerzentrum „Go:In“ will die Firma Project Immobilien, die auch schon in Berlin-Adlershof baute, ein H-förmiges Büro- und Laborgebäude mit 4600 Quadratmetern Fläche errichten. Bis 2019 solle dies fertig sein, hieß es von Unternehmensvertretern. Vorteil für den deutschlandweit aktiven Investor: Nach der Vermietung werde das Gebäude wieder veräußert. Aus Krankheitsgründen nicht anwesend sein konnte am Dienstag ein Vertreter der Demir-Projektgruppe. Diese plant nach Angaben des Golmer Standortmanagers Friedrich Winskowski unter anderem ein Boardinghaus – also eine Art Langzeithotel etwa für Gastwissenschaftler. Dazu kommen Gebäude für weitere Büro- und Laborräume.

Ebenso stellte die kommunale Technologie- und Gewerbezentren Potsdam GmbH (TGZP) ihre Pläne für ein neues Gründerzentrum „Go:In 2“ vor, in dem vor allem Büros ab 14 Quadratmeter Größe entstehen sollen – mit einer Gesamtnutzfläche von 3100 Quadratmetern. Baubeginn soll in der zweiten Jahreshälfte sein, die Fertigstellung ist für Ende 2018 geplant. Die Gesamtkosten liegen bei 12,5 Millionen Euro, dazu nimmt die TGZP einen Kredit auf. Das Grundstück hat das Land der Stadt kostenfrei zur Verfügung gestellt. Das „Go:In 2“ soll das bestehende „Go:In“ entlasten. Der Abteilungsleiter der Landeswirtschaftsförderung, Gerhard Ringmann, erinnerte an die „bittere Erfahrung“, dass wegen fehlender Flächen bereits Unternehmen aus Golm nach Berlin-Adlershof abgewandert seien.

Golm wird weiter wachsen

Doch nun soll alles besser werden, es geht nach Angaben der Stadtverwaltung um Investitionen von bis zu 100 Millionen Euro. Bisher habe die Stadt viele Anfragen von Unternehmen mangels passender Gewerbeflächen eine Absage erteilen müssen, sagte Wirtschaftsförderer Stefan Frerichs. Daher seien die neuen Flächen immens wichtig – gerade auch für kleinere Betriebe, die Flächen zunächst nur mieten wollen. Standortmanager Winskowski sagte, mit den Investitionen werde die „kritische Masse“ für einen „wirklich starken Standort“ erreicht. Für den nach Berlin- Adlershof zweitgrößten Innovationspark in der Hauptstadtregion sei nun noch eine bessere Anbindung nötig, vor allem eine direkte Bahnverbindung nach Berlin- Spandau. Hier hatten die Stadtverordneten zuletzt beschlossen, dass Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) noch einmal persönlich bei der Deutschen Bahn auf eine solche Anbindung drängen soll.

Denn Golm werde weiter wachsen, hieß es unisono. Winskowski etwa verwies auf rund 1000 Wohnheimplätze, die noch vor Ort geplant seien. Ebenso soll die kommunale Bauholding Pro Potsdam rund zehn Hektar hinter dem Rewe-Supermarkt von privaten Eigentümern erwerben, erschließen und vermarkten – auch mit Hilfe von Landesfördermitteln. Dort sollen dann weitere technologie- und forschungsorientierte Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe sowie andere Firmen angesiedelt werden.

Pläne zur Erweiterung des Uni-Campus

Beteiligen an der Entwicklung will sich auch die Universität Potsdam – nicht nur über ein gemeinsam mit der Stadt betriebenes Standortmanagement. Uni-Präsident Oliver Günther sagte, auch seine Einrichtung benötige noch mehr Platz in Golm, etwa für Forschungszwecke. Dazu sei die Gründung sogenannter „Joint Labs“ zur Innovationsentwicklung geplant, auch für engere Kooperationen mit der Wirtschaft. Ebenso will man sich noch mehr in Richtung Stadt öffnen. So sollen auf einem neuen Lerncampus Angebote zum digitalen Lernen für eine breite Öffentlichkeit geschaffen werden, auch eine Laborschule in Zusammenarbeit mit Potsdamer Schulen ist vorgesehen.

Ebenso stellte Günther das Projekt „Gesellschaftscampus“ vor – unter dem Motto „Wissen für alle“ sollen Vorlesungen, Kurse und Wissenschaft für alle Potsdamer frei zugänglich sein. Auch eine Seniorenuni sei geplant. Allerdings hängen diese Projekte noch davon ab, ob das Land entsprechende Fördergelder bereitstelle, schränkte Günther ein. Insgesamt mahnte er, wie auch andere Tagungsteilnehmer, dass die Marke Golm noch besser nach außen kommuniziert werden müsse. Zudem sagte er, dass mehr soziale Infrastruktur geschaffen werden müsse: „Golm ist ein noch etwas zugiger Ort in Punkto Lebens- und Arbeitsqualität.“

HINTERGRUND: Wissenschaftspark Golm

Seit seiner Gründung in den 1990er-Jahren hat sich der Wissenschaftspark Golm zum größten Wissenschafts- und Forschungsstandort im Land Brandenburg entwickelt - mit schon heute rund 2500 Angestellten plus 10 000 Studenten am dortigen Standort der Universität Potsdam. Zudem gibt es mehrere andere Forschungsinstitute. Insegsamt flossen schon mehr als 500 Millionen Euro Investitionen, vor allem im Bereich Biowissenschaften. Für die weitere Entwicklung wird nun das Standortmanagement reformiert. So hatten sich die Stadt und die Universität Potsdam darauf verständigt, dieses künftig unter dem Dach einer gemeinsamen Gesellschaft zu betreiben. Das Land Brandenburg hat über sein Wirtschaftsministerium bereits zugesagt, die Arbeit des Managements mit einer 100-Prozent-Förderung in Höhe von 750 000 Euro pro Jahr zu unterstützen. 

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