• Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam: Kirchenkreis Potsdam gibt 250 000-Euro-Darlehen

Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam : Kirchenkreis Potsdam gibt 250 000-Euro-Darlehen

Der geplante Wiederaufbau der Garnisonkirche hat eine weitere Hürde genommen. Die Synode des Kirchenkreises Potsdam machte den Weg frei für ein Darlehen - allerdings nur mit knapper Mehrheit.

Lukas Philippi
Noch fehlt ein Millionenbetrag für die Garnisonkirche.
Noch fehlt ein Millionenbetrag für die Garnisonkirche.Foto: A. Klaer

Potsdam  - Für den geplanten Wiederaufbau des Turms der 1945 zerstörten und 1968 abgerissenen Potsdamer Garnisonkirche stellt die evangelische Kirche insgesamt fünf Millionen Euro Kredite zur Verfügung. Die Synode des evangelischen Kirchenkreises Potsdam bewilligte dafür am Samstag ein zinsloses 250.000-Euro-Darlehen, den letzten von drei in diesem Jahr beschlossenen Kirchenkrediten für das rund 38 Millionen Euro teure Bauvorhaben.

Die Entscheidung der Synodalen fiel in geheimer Abstimmung: 30 Kirchenparlamentarier stimmten für das Darlehen, 20 dagegen und vier enthielten sich der Stimme, wie ein Sprecher der Garnisonkirchenstiftung auf Anfrage mitteilte.

Evangelische Kirche hat bereits Kredite in Höhe von 4,75 Millionen Euro beschlossen

Das Darlehen des Kirchenkreises hat eine Laufzeit von 30 Jahren. Zuvor hatten bereits die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) und die bundesweite Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) insgesamt 4,75 Millionen Euro Kredite für die Garnisonkirche beschlossen.
Mit den drei kirchlichen Darlehen sollen Finanzierungslücken geschlossen werden, um die Freigabe von zwölf Millionen Euro Bundesmitteln für das Bauvorhaben zu erreichen. Voraussetzung dafür ist nach Angaben von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) eine gesicherte Gesamtfinanzierung. Dafür können nach Angaben aus dem Kulturstaatsministerium auch Kredite eingesetzt werden.

Für den Wiederaufbau der gesamten Kirche fehlen weiter mehrere Millionen Euro

Für den Wiederaufbau, der wegen der Geschichte der früheren preußischen Militärkirche umstritten ist, fehlen weiter mehrere Millionen Euro. Deshalb will die kirchliche Baustiftung nun zunächst eine rund 26 Millionen Euro teure reduzierte Turmvariante der Garnisonkirche ohne Schmuckelemente und Turmhaube errichten.
Die Kreissynode stimmte dem Darlehen zu unter der Voraussetzung, dass „die Finanzierung der Grundvariante des ersten Bauabschnittes in Höhe von 26,1 Millionen Euro gesichert ist“, wie die Stiftung Garnisonkirche weiter mitteilte. Zudem wurden Kirchenkreis und Stiftung beauftragt, für „eine enge Einbindung der Arbeit des Nagelkreuzzentrums in den Kirchenkreis“ zu sorgen.

Die Bauarbeiten müssen spätestens Mitte 2020 abgeschlossen sein

Der Kommunikationsvorstand der Stiftung, Wieland Eschenburg, begrüßte die Entscheidung der Synode. „Mit der Starthilfe in Form der zinsfreien Darlehen des Kirchenkreises Potsdam, der EKBO und der EKD ist die kirchliche Unterstützung zum Wiederaufbau des Turmes der Garnisonkirche sehr umfassend und deutlich.“ Diese Entscheidungen seien „wesentliche Schritte zur Realisierung des Vorhabens“, so Eschenburg. Der Vorsitzende der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche, Matthias Dombert, zeigte sich überzeugt, die noch fehlenden finanziellen Mittel einzuwerben und „mit dem Wiederaufbau des Turmes beginnen können“.

Die 2013 erteilte Baugenehmigung für den Turm der Garnisonkirche läuft 2019 aus. Die Bauarbeiten müssen deshalb spätestens 2018 beginnen und Mitte 2020 abgeschlossen sein.

Bürgerinitiative warnt: Potsdam drohe eine Bauruine

Im Haushaltsplan der Garnisonkirchenstiftung für das Jahr 2020 sind rund 610 000 Euro Einnahmen vorgesehen, darunter 355 000 Euro aus Eintrittsgeldern und rund 100.000 Euro aus Spenden. Knapp 167 000 Euro sollen zur Tilgung der Darlehen eingesetzt werden.

Der Rückzahlungsplan berücksichtige nicht, „dass die Garnisonkirche erst als Turmstumpf gebaut werden soll“, kritisierte die Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“. Der Stadt Potsdam drohe damit eine Bauruine, die evangelische Kirche müsse sich „auf einen Millionenverlust vorbereiten“. Die Linke im Bundestag hat beantragt, die im Bundeskulturhaushalt vorgesehenen Mittel für die Garnisonkirche zu streichen. Über den Antrag soll voraussichtlich im kommenden Jahr entschieden werden. (epd)