• Wie Potsdams Rathaus Gleichstellung fördern will: Gleich und ungleich

Wie Potsdams Rathaus Gleichstellung fördern will : Gleich und ungleich

Jobsharing, Mentoring, Fortbildung - Potsdams Stadtverwaltung will mehr Frauen in Führungspositionen bringen.

Potsdams Gleichstellungsbeauftragte Martina Trauth.
Potsdams Gleichstellungsbeauftragte Martina Trauth.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Papier, heißt es, ist geduldig. Das könnte man auch annehmen, wenn man sich den Gleichstellungsplan der Stadtverwaltung anschaut. Dessen neueste Auflage stellte Potsdams Gleichstellungsbeauftrage Martina Trauth am Dienstag im Rathaus vor. Als sie 2011 ihren ersten vorstellte, waren Frauen in der Potsdamer Stadtverwaltung zwar insgesamt in der Mehrheit, auf den besser bezahlten Stellen und Positionen mit größerer Verantwortung fanden sich aber mehr Männer als Frauen. Das ist auch heute noch so. Dennoch habe sich viel getan, so Trauth: „Die Richtung stimmt.“

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Dass das Geschlechterverhältnis in der Verwaltung überhaupt analysiert wird, ist dem Gesetz zur Gleichstellung von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst im Land Brandenburg zu verdanken. Das schreibt für Dienststellen mit mehr als zwanzig Beschäftigten einen Gleichstellungsplan vor. Der soll die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern entscheidend voranbringen und enthält neben einer Analyse auch Handlungsvorschläge.

Bei den Fachbereichsleitungen gibt es aktuell Parität

„Insbesondere in den vergangenen Monaten gab es von Seiten der Verwaltung ein sehr deutliches Engagement, um Frauen in höhere Führungspositionen zu bringen“, so die Gleichstellungsbeauftragte. 2019 waren von 20 Fachbereichsleitungspositionen nur noch sechs von Frauen besetzt. Nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung im August 2019 wurde der Oberbürgermeister beauftragt, bei der künftigen Besetzung der Fachbereichsleitungen in der Stadtverwaltung Potsdam auf eine Erhöhung des Frauenanteils auf mindestens 50 Prozent hinzuwirken. „Mittlerweile sind dabei schon gute Fortschritte erzielt worden“, so Trauth. Zähle man die kommissarisch besetzten Stellen mit, herrsche inzwischen Parität. Dennoch gelte weiterhin: Je weiter man in der Hierarchie nach unten schaue, umso mehr werde die Arbeit von Frauen erledigt.

Über ein Mentoringprogramm werden derzeit acht Frauen für Führungspositionen vorbereitet

Ein Mittel, um dagegen anzugehen, sei das Mentoringprogramm, das es seit 2018 in Rathaus gibt. Dabei begleiten etablierte Führungskräfte – Frauen wie Männer – Mitarbeiterinnen, die für eine höhere Position in Frage kommen. Derzeit gibt es acht Teilnehmerinnen. „Wir können nicht auf das Potenzial sehr gut qualifizierter Frauen verzichten. Und wir müssen Talente auch sichtbar machen“, so Trauth.

Ein Kernpunkt sei, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Mütter und Väter gleichermaßen zu fördern. Auch die Führung in Form eines Teilzeittandems möchte die Gleichstellungsbeauftragte vorantreiben. „Das Modell Jobsharing muss insbesondere bei den Führungskräften viel mehr beworben werden. Es ist ein spannender Weg, der gerade auch für Frauen mit Führungsabsichten noch viel Potenzial in sich birgt“, so Trauth.

Mehr Frauen als Männer in Teilzeit und Elternzeit - das führt zu Gehaltsnachteilen

Bisher ist Teilzeitarbeit allerdings eher ein Problem als eine Lösung. So arbeiteten im Jahr 2019 34,5 Prozent aller weiblichen Beschäftigten in Teilzeit, während es bei den Männern nur knapp 12 Prozent waren. Ähnlich sieht es bei der Beanspruchung der Elternzeit aus. Während Mütter durchschnittlich 5,8 Monate Elternzeit nahmen, waren es bei den Vätern nur 1,8 Monate. Das Arbeiten in Teilzeit hat für Frauen nicht nur geringere Renteneinnahmen im Alter zur Folge, sondern wirkt sich in der Regel auch negativ auf die Karriere aus. Dazu komme im öffentlichen Dienst, dass durch die längere Elternzeit Gehaltserhöhungen erst später fällig werden – und zwar für den Rest der Berufstätigkeit.

Eine weitere Baustelle sind Fortbildungen. So geht aus der Analyse hervor, dass auf jede Frau in der Verwaltung pro Jahr 2,2 Tage Fortbildung entfallen. Pro Mann waren es 4,3 Tage – also fast doppelt so viel. Bei internen Fortbildungen nehmen mehrheitlich Frauen teil. Bei externen Fortbildungen, die auch mit Reisen verbunden sein können, nehmen mehrheitlich Männer teil. Trauth wünscht sich, dass solche Fortbildungen häufiger in Hybridformaten angeboten werden, um sie familienfreundlicher zu machen.

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