• Meteorologen warnen vor Sturmtief "Sabine" in Potsdam
Update

Wetterdienst warnt : Orkanböen mit bis zu 110 Stundenkilometern möglich

Der Deutsche Wetterdienst warnt auch in Potsdam vor dem Sturmtief "Sabine". Besonders in der Nacht könnte es ungemütlich werden. Derzeit ist die Bahnstrecke von Brandenburg nach Potsdam gesperrt.

Auch in Potsdam und Berlin dürfte es stürmisch werden. 
Auch in Potsdam und Berlin dürfte es stürmisch werden. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Potsdam - Das Sturmtief "Sabine" hat Potsdam erreicht: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt in Potsdam aktuell seit 13 Uhr vor Sturmböen mit Geschwindigkeiten zwischen 65 und 85 Stundenkilometern, anfangs aus südwestlicher, später aus westlicher Richtung. Auf ungeschützten Flächen kann der Wind sogar bis zu 100 Kilometer pro Stunde erreichen. Die Warnung gilt derzeit bis Dienstag, 18 Uhr. Mit orkanartigen Böen mit bis zu 110 Stundenkilometern ist laut DWD gegen 0 Uhr in der Nacht zu Montag zu rechnen. Auch Gewitter sind möglich. 

Bereits am Sonntagnachmittag meldete die Bahn Schwierigkeiten auf der Strecke zwischen Brandenburg und Potsdam: Sie musste vorübergehend witterungsbedingt gesperrt werden.

Wann spricht man von Orkan?

Stürmisches Wetter kann einiges durcheinanderwirbeln und Schäden anrichten. Hier die Definition einiger Begriffe:

Windstärken werden nach der von dem britischen Admiral Francis Beaufort (1774-1857) entwickelten Skala berechnet. Sie reicht von 0 Beaufort (Windstille) bis zur Stärke 12 (Orkan).

Böen sind kräftige Windstöße, die den Zehn-Minuten-Mittelwert der gemessenen Windgeschwindigkeit für bis zu 20 Sekunden übersteigen.

Stürmischer Wind (Stärke 8) erreicht eine mittlere Geschwindigkeit von 62 bis 74 Kilometern pro Stunde - gemessen in zehn Metern Höhe über freiem Gelände.
Bei Sturm fegt der Wind mit einer mittleren Geschwindigkeit von 75 bis 88 Stundenkilometer über freies Gelände (Stärke 9). Bei Wind mit Tempo 89 bis 102 (Stärke 10) spricht man von einem schweren Sturm, bei 103 bis 117 (Stärke 11) von einem orkanartigen Sturm.
Orkane sind besonders heftige Stürme mit 118 Kilometern pro Stunde und mehr (Stärke 12). Sie richten oft schwere Verwüstungen an. 

Stadtwerke fahren Kraftwerksblock herunter

Aus Sorge vor zu viel Strom aus Windkraft wegen des Orkantiefs fuhren auch die Potsdamer Stadtwerke am Heizkraftwerk-Süd einen Kraftwerksblock herunter. Aufgrund der Wetterlage ist mit großen Mengen Überschussstrom aus Windkraft zu rechnen, teilte Sprecher Göran Böhm am Sonntagnachmittag mit. Man habe sich auf den Sturm vorbereitet. Alle Leitstände seien für den Ernstfall bereit, hieß es.

Der öffentliche Nahverkehr in Potsdam fuhr am Sonntagnachmittag noch planmäßig. Der Verkehrsbetrieb Potsdam (ViP) stehe im ständigen Austausch mit dem Deutschen Wetterdienst und schätze "aktuell und situativ" die Situation für den Betrieb ein, hieß es weiter. "Die größte Gefahr wird von umfallenden Bäumen und herabfallenden Ästen erwartet." Bis zum frühen Sonntagabend habe es aber noch keine nennenswerten Einsätze der Potsdamer Feuerwehr gegeben, sagte ein Sprecher auf PNN-Anfrage. 

Laut ViP fahre auch die Fähre F1 solange planmäßig, wie der Fährmann vor Ort den sicheren Fährverkehr gewährleisten könne. Für den Montag konnten die Stadtwerke noch keine Voraussagen machen.

Potsdams Sozialdezernentin Noosha Aubel (parteilos) teilte am Nachmittag in dem sozialen Netzwerk Twitter mit, dass Potsdams Schulen nicht schließen würden, es sei denn die Sturmlage ändere sich. Beispielsweise in Nordrhein-Westfalen wurden Eltern aufgefordert, ihre Kinder am Montag zu Hause zu lassen.

Höhepunkt in der Nacht zu Montag

Der Höhepunkt des Sturms werde laut dem DWD in der Nacht zum Montag erreicht, im Süden am frühen Montagmorgen. Begleitet wird der Orkan vielerorts von heftigen Schauern und Gewittern. Von Sonntagabend an ist Regen angekündigt.

Gefahr eines denkwürdigen Ereignisses

Das europäische Wettermodell ECMWF geht von Orkanböen aus, insbesondere für den Zeitraum von Sonntagabend bis Montag. Die Meteorologen erwarten auch in der kommenden Woche ein sehr großen Sturmfeld über dem Atlantik, entsprechend hoch sei das Schadenspotenzial, so Adrian Leyser vom Deutschen Wetterdienst (DWD) gegenüber Spektrum.de. Vom normalen Wintersturm bis zu einem außergewöhnlichen Orkan sei alles möglich. Die Gefahr eines denkwürdigen Ereignisses sei jedenfalls so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Die größte Gefahr droht entlang der Kaltfront, dort könnte der extreme Höhenwind bis ins Flachland heruntergedrückt werden.

Schweren Sturm soll es dabei nicht nur in Deutschland geben, vor allem auch Großbritannien, Irland, Nordfrankreich, Benelux und Dänemark dürften betroffen sein.

Ein extrem starker Jetstream

Auch im gesamten Verlauf der kommenden Woche ist die Entwicklung stärkerer Sturmtiefs möglich. Hintergrund der brisanten Wetterlage ist ein extrem starker Jetstream: Zum Wochenende erreicht die Höhenströmung eine Windgeschwindigkeit von etwa 370 Stundenkilometer, was ein extrem hoher Wert für das Starkwindband in rund zehn Kilometern Höhe ist. Folge von dieser außergewöhnlichen Entwicklung ist ein starker Westwind mit hohem Sturmpotenzial, nach dem Durchzug der Kaltfront bringt die Strömung auch einen Schwall polarer Kaltluft mit sich und es kann bis in die Niederungen schneien. Für eine Schneedecke wird es im märkischen Flachland mit Höchsttemperaturen von rund 6 Grad allerdings zu warm sein.  

10 bis 15 Meter hohe Wellen

Für die Britischen Inseln warnen Meteorologen vor 10 bis 15 Meter hohen Wellen. Für die deutsche Nordseeküste, die flach ausläuft, könnte die turbulente Lage eine Sturmflut bedeuten. 

Für die Küsten könnte die Wetterlage Orkanböen und  Sturmflut bedeuten.
Für die Küsten könnte die Wetterlage Orkanböen und  Sturmflut bedeuten.Foto: Christian Charisius/dpa

Ungewöhnlich an der Wetterlage wird die Dauer sein, die starke Windströmung wird derzeit von den Modellen für mehrere Tage berechnet. Bereits am Dienstag könnte es auch in Berlin-Brandenburg wieder sehr stürmisch werden. Der Wind soll mehrere Tage mehr oder weniger stark blasen, was für die Küstenregionen gefährlich ist, dauerhafter Wind aus West/Nordwest drückt das Wasser in die Küstengebiete und Sturmfluten werden möglich. 

Wie sich die Sturmlage genau entwickelt, bleibt allerdings abzuwarten. Durch die kleinräumigen Entwicklungen in der Atmosphäre sind solche Sturmlagen schwer zu prognostizieren, sie lassen sich höchstens ein bis zwei Tage vorher gut berechnen. Erst in dieser Woche war es in Süddeutschland zu Schäden durch starken Sturm und Regenfälle gekommen. (mit dpa)

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.