• Weniger Lehrstellen: Corona-Delle im Ausbildungsmarkt in Potsdam

Weniger Lehrstellen : Corona-Delle im Ausbildungsmarkt in Potsdam

In der Coronakrise ist die Zahl der Ausbildungsplätze deutlich geringer geworden. Bei der Potsdamer Arbeitsagentur ist man besorgt, auch wenn es dieses Jahr noch reicht.

Foto Manfred Thomas (Symbolfoto, 2011)

Potsdam - Das Angebot ist weiter ausreichend, aber die Auswahl deutlich kleiner geworden: Die Corona-Pandemie hat auch in Potsdam Spuren auf dem Ausbildungsmarkt hinterlassen. Angaben der Potsdamer Arbeitsagentur zufolge lag Ende Juli die Zahl der Ausbildungsplätze in der Stadt Potsdam um 236 Stellen unter dem Angebot vom Vorjahr, ein Rückgang von knapp 22 Prozent. Im gesamten Agenturbezirk, der neben Potsdam die Stadt Brandenburg an der Havel und die Kreise Mittelmark und Teltow-Fläming umfasst, waren es wie berichtet 521 Stellen weniger, ein Minus von 13 Prozent. Dennoch gibt es in der Region nach wie vor mehr Plätze als Ausbildungssuchende: 3465 Stellen stehen 2712 potenziellen Bewerbern gegenüber.

Krise macht sich bemerkbar

Nichtsdestotrotz ist Agenturchefin Ramona Schröder besorgt, „weil wir erstmals seit sechs Jahren einen Rückgang bei den Lehrstellen sehen. Für mich ist das ein Indiz dafür, dass die Firmen vielleicht doch nicht mehr ganz so zuversichtlich sind.“ Angesichts des Fachkräftemangels, der noch vor der Krise in einigen Branchen zu spüren war, dürfe es nicht zu einer Umkehr des Trends kommen, warnt die Agenturchefin. „Ich appelliere an die Unternehmen, weiter an der Ausbildung festzuhalten“.

Ramona Schröder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Potsdam.
Ramona Schröder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Alarmiert ist man auch bei der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK): Im Vergleich zum Vorjahr sind es laut Wolfgang Spieß, Geschäftsführer des Geschäftsbereichs Bildung, bislang im Kammerbezirk 20 Prozent weniger Lehrstellen. Allerdings umfasst der Zuständigkeitsbereich der Potsdamer IHK noch die Landkreise Prignitz, Havelland, Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin und ist demnach größer als der Arbeitsagenturbezirk. 

Besonders deutlich sei der Rückgang in der Gastronomie und Hotellerie. Dort werden der IHK zufolge derzeit 122 Lehrstellen angeboten. 2019 waren es noch 215. Allerdings seien beide Bereiche durch den Lockdown und den nur unter strengen Auflagen erfolgten Neustart besonders schwer durch die Coronakrise getroffen worden, so der IHK-Experte. „Es gibt aber auch positive Entwicklungen. Im Bereich der Elektrotechnik haben wir dieses Jahr schon 127 Lehrstellen. Vor einem Jahr waren es nur 93“, betont Spieß. Auch die Logistik boome weiter. Von einem Lehrstellenmangel wie Ende der 1990er Jahre könne man keinesfalls sprechen.

Wolfgang Spieß von der IHK Potsdam.
Wolfgang Spieß von der IHK Potsdam.Foto: IHK

Dienstleister von Corona besonders betroffen

Mit dem Rückgang bei der Anzahl der Lehrstellen steht der Raum Potsdam nicht alleine da. Auch anderswo ist die Menge geschrumpft. Den Unterschied zwischen der Stadt Potsdam und dem restlichen Agenturbezirk erklärt Agenturchefin Schröder mit der unterschiedlichen Wirtschaftsstruktur. „In Potsdam ist die Wirtschaft stark durch den Dienstleistungssektor geprägt. Der aber wurde durch die Krise besonders gebeutelt.“ Dagegen seien die vielen gewerblich geprägten Firmen im Umland oft noch in der Lage, weiter auszubilden. Doch den kleineren Firmen falle dies auch zunehmend schwerer.

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Bei der Handwerkskammer Potsdam (HWK) verweist man dabei auch auf den weiter hohen Anteil unbesetzter Ausbildungsplätze. In der Lehrstellenbörse der Kammer sind es momentan 806 Stellen, zehn Prozent mehr als Ende Juli 2019. Andreas Körner-Steffens, Abteilungsleiter Berufsbildung bei der HWK, führt dies darauf zurück, dass wegen der Corona-Pandemie persönliche Beratungsgespräche kaum möglich waren. Die Ausbildungsbereitschaft im Handwerk sei weiterhin groß, so Körner-Steffens. Unterdessen geht IHK-Bildungschef Spieß davon aus, dass noch einiges an Ausbildungsverträgen nachkommt. Weil auch viele Personalabteilungen in der Krise im Homeoffice gearbeitet haben, hätten sich dort Planungen für die Ausbildung oft nach hinten verschoben. „Es gehen ständig neue Verträge ein, die registriert werden müssen.“

Prämie für Plätze

Indes will die Bundesregierung die Schaffung neuer Ausbildungsplätze in der Krise mit einer Prämie ankurbeln. Firmen, die weiter so viel ausbilden wie in den drei Vorjahren können einen einmaligen Zuschuss von 2000 Euro für jeden Ausbildungsvertrag beantragen. Betriebe, die ihre Anstrengungen sogar erhöhen, erhalten für jeden abgeschlossenen Vertrag 3000 Euro. Spieß aber glaubt, dass sich das Interesse in Grenzen halten wird. Der bürokratische Aufwand bei der Beantragung sei einfach zu groß.

Im Soll ist dagegen die Stadt Potsdam. 17 Azubis haben laut Rathaus am Montag in der Verwaltung begonnen, im September sollen weitere dazu kommen. Die Zahl sei bedarfsorientiert, heißt es auf PNN-Anfrage, und schwanke jährlich etwas. Der Durchschnitt aber liege bei 17.

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