• Potsdamer Steueranwalt droht Entzug der Berufs-Lizenz
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Wegen schweren Betruges : Potsdamer Steueranwalt droht Entzug der Berufs-Lizenz

In drei Fällen soll ein Rechtsanwalt aus Potsdam Versicherungen betrogen haben. Das Gericht attestierte ihm eine „besonders gesteigerte kriminelle Energie“. Jetzt drohen ihm berufliche Konsequenzen.

Foto: David Ebener/dpa

Potsdam - Ein Potsdamer Steueranwalt droht nach einem schweren Betrug seine Berufslizenz zu verlieren. Der Sprecher des auch für Potsdam zuständigen Anwaltsgerichts, Thomas Jürgens, bestätigte den PNN auf Nachfrage, dass Dirk Ulrich M. in erster Instanz aus der Rechtsanwaltschaft ausgeschlossen worden sei. Dagegen könne aber noch Berufung eingelegt werden, so Jürgens.

Der heute 51-jährige Potsdamer M. war nach PNN-Informationen bereits im November 2017 am Amtsgericht Berlin-Tiergarten wegen schweren Betrugs zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten rechtskräftig verurteilt worden, der Wortlaut des Urteils ist den PNN bekannt. Demnach hatte M. ab 2011 zusammen mit einem Komplizen in drei Fällen diverse Versicherungen betrogen, um sich laut dem Urteil eine „nicht unbedeutende, fortlaufende Einnahmequelle“ zu sichern. 

Bei der Versicherung rechnete er einen fiktiven Rechtsstreit ab

Beispielsweise erfand er einen fiktiven Rechtsstreit, den er vor dem Arbeitsgericht Berlin führte – um laut Urteil Zahlungen von beteiligten Rechtsschutzversicherungen zu kassieren. Dazu sei die Kündigung eines Arbeitnehmers erfunden worden, gegen die dann gerichtlich vorgegangen wurde, obwohl gar kein Angestelltenverhältnis bestand. In einem zweiten Fall täuschte das Duo etwa den Diebstahl einer fingierten Computer-Bestellung vor, um von der Transportversicherung Geld zu erhalten.

Insgesamt sei den Versicherungen ein Schaden von rund 10 000 Euro entstanden, so das Gericht, das eine „besonders gesteigerte kriminelle Energie“ konstatierte. So habe M. sein Anwaltswissen „in besonders verwerflicher Weise“ genutzt – daher nun die schweren beruflichen Konsequenzen, wie es hieß. M. äußerte sich auf PNN-Anfrage zunächst nicht weiter zu der Frage, ob er Rechtsmittel einlegt. Bei der Rechtsanwaltskammer des Landes Brandenburg ist er noch als Anwalt gelistet.