• Wegen Fahrradanhänger: Frau und Kind aus dem Bus geworfen

Wegen Fahrradanhänger : Frau und Kind aus dem Bus geworfen

Wegen der Mitnahme eines Fahrradanhängers rief ein Busfahrer die Polizei. Der Verkehrsbetrieb entschuldigte sich bei der Familie für den Vorfall.

Der Bus war am Freitagabend relativ leer. 
Der Bus war am Freitagabend relativ leer. Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam – Mitnahme verweigert: Ein Busfahrer des Verkehrsbetriebs Potsdam (ViP) hat am Freitagabend vergangener Woche eine Potsdamerin und ihren dreijährigen Sohn eines Busses verwiesen. Grund war der mitgeführte Fahrradanhänger, der als Kinderwagen verwendet wurde.

Das Ganze ereignete sich gegen 19 Uhr an der Haltestelle Humboldtring/Lotte-Pulewka-Straße in Zentrum Ost: „Auf den Weg zur Haltestelle war der Bus bereits vorbeigefahren, so dass meine Frau die letzten Meter gerannt ist“, sagt der Ehemann der Betroffenen, Lucas Wrede. Der Bus habe jedoch gewartet und die hinteren Türen geöffnet. Wredes Frau stieg mit Anhänger und Kind ein, bedankte sich beim Busfahrer. „Daraufhin hat der Busfahrer die Türen wieder geöffnet und sie zum Aussteigen aufgefordert, da sie angeblich mit dem Wagen die anderen Fahrgäste gefährde und den Gang versperre“, sagt Wrede.

Mutter und Kind mussten zu Fuß weiterlaufen

Tatsächlich ist auf Fotos zu sehen, dass der Bus relativ leer war und Wredes Frau sich samt Anhänger in die Ecke für Rollstühle und Kinderwagen gestellt hatte, ohne den Mittelgang zu verstellen. Dennoch habe der Busfahrer „Raus, raus!“ geschrien, so Wrede. Seine Frau stammt aus Ecuador und habe mit Akzent gesprochen. „Ich hoffe, dass der Verweis meiner Frau nichts mit ihrer Herkunft zu tun gehabt hat“, sagt Wrede. Schließlich habe der Fahrer sogar die Polizei gerufen. „Der Polizist schien nicht sehr glücklich darüber, wegen dieser Sache gerufen worden zu sein“, sagt Wrede, der zwischenzeitlich dazugekommen war.

Da der Busfahrer das Hausrecht innehat, mussten Mutter und Kind aussteigen und bei nasskaltem Wetter zu Fuß zum Hauptbahnhof laufen. Mittlerweile stand der Bus seit 20 Minuten, auch andere Fahrgäste waren ausgestiegen. Für Wrede ist das Ganze völlig unverständlich: „Wir hatten in den letzten Jahren noch nie Probleme mit dem Anhänger im Bus.“

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"Wir werden unsere Fahrer noch einmal sensibilisieren"

Der ViP entschuldigte sich bei Familie Wrede: „Die Reaktion unseres Fahrers war in diesem Fall leider unangemessen und eine Mitnahme wäre die richtige Entscheidung gewesen. Die Polizei hätte nicht hinzugezogen werden müssen“, sagt ViP-Sprecher Stefan Klotz. Tatsächlich sind Fahrradanhänger laut den Beförderungsbedingungen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg „grundsätzlich von der Beförderung ausgeschlossen“.

„Die Schwierigkeit für unser Personal ist, dass es mittlerweile viele Konstruktionen gibt, die ein Mix aus Kinderwagen und Anhänger sind“, sagt Klotz. Im vorliegenden Fall habe jedoch die die Funktion als Kinderwagen überwogen. „Und dieser ließ sich sehr gut im Multifunktionsbereich unterbringen, so dass von der Mitnahme keine Gefahr für das Kind oder andere Fahrgäste zu erwarten war“, so Klotz. „Wir werden unsere Fahrer noch einmal zur angemessenen Abwägung und Entscheidung in solchen Fällen sensibilisieren“, sagt Klotz

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