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Vorschlag vom Oberbürgermeister : Überraschende Wende im Streit über Nutheschlange

Am Freitag stellte die ProPotsdam Alternativen für das Terrassenhaus vor - und Oberbürgermeister Mike Schubert machte einen überraschenden Vorschlag.

Carsten Holm
Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) im Gespräch mit Oliver Buchin (links) von der "Initiative Nutheschlange".
Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) im Gespräch mit Oliver Buchin (links) von der "Initiative Nutheschlange".Foto: Carsten Holm

Potsdam - Noch am frühen Freitagabend sah es so aus, also ob der Streit um Renovierung oder Neubau des verwahrlosten sogenannten Terrassenhauses in der Nutheschlange kein Ende finden würde. Ein Vorschlag von Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) sorgte aber für eine überraschende Wende.

Beim Stadtteildialog vor rund 80 interessierten Potsdamern in der Babelsberger Bürgel-Grundschule machte Schubert einen nahezu sensationellen Vorschlag, um den Streit um Renovierung und Abriss des Terrassenhauses in der Nutheschlange zu befrieden: Die Stadt sei dazu bereit, mit der Bürgerinitiative für das Terrassenhaus ein Erbpachtmodell zu entwickeln. Der Erhalt könne das Ziel eines solchen Eigentümer getragenen Modells sein.

Schubert sagte, er habe bereits am Morgen mit Bert Nicke, dem Chef der städtischen Bauholding ProPotsdam über ein solches Modell gesprochen: "Sie müssen entscheiden", rief er den völlig überraschten gut zehn anwesenden Bürgerinitiativlern zu, ob dies der Weg sei, "den Sie gehen wollen." Karl Zenichkowski, Mitglied der Bürgerinitiative Nutheschlange, zeigte sich “positiv überrascht” von Schuberts Vorstoß und dankte dafür, dass der Oberbürgermeister "die Tür geöffnet" habe. Zuvor hatte Oliver Buchin die ProPotsdam noch dafür kritisiert, dass die Mitglieder “nicht zur Sanierung gefragt worden” seien.

Von links nach rechts: Oberbürgermeister Mike Schubert, Kulturbeigeordnete Noosha Aubel, Dieter Jetschmanegg (Zentrale Verwaltung), Baubeigeordneter Bernd Rubelt und der Finanzbeigeordnete Burkhard Exner waren am Freitagabend beim Stadtteildialog zur Nutheschlange in der Babelsberger Bürgel-Grundschule.
Von links nach rechts: Oberbürgermeister Mike Schubert, Kulturbeigeordnete Noosha Aubel, Dieter Jetschmanegg (Zentrale...Foto: Carsten Holm

Elf Varianten der ProPotsdam

Zuvor hatte die städtische Wohnungsbau-Holding ProPotsdam ihre elf Varianten für die Sanierung des Kopfbaus vorgestellt; sie liegen den PNN vor. ProPotsdam-Geschäftsführer Bert Nicke plädierte für die Variante 8, die einen Abriss des Terrassenhauses und einen Neubau mit 80 Wohnungen vorsieht.

Mitglieder der Bürgerinitiative Nutheschlange, die sich seit langem vehement gegen den Rückbau des Terrassenhauses stark machen, lehnten diese Pläne wie schon in der Vergangenheit ab.

Nur eine Variante erhält Fördermittel

Er halte die Variante 8 für die einzig wirtschaftlich sinnvolle, sagte Nicke den PNN am Rande des Bürgerdialogs. Es müssten knapp 19 Millionen Euro investiert werden, dabei könne mit einem Zuschuss aus Landesmitteln in Höhe von 3 Millionen gerechnet werden. Es sei möglich, drei Viertel der Mietwohnungen zu einem Quadratmeterpreis zwischen 5,50 und 7 Euro anzubieten. Für alle anderen Sanierungsvarianten könne es keine Förderungsmittel geben.

Trotz des Protests der Bürgerinitiative ist es wahrscheinlich, dass das Terrassenhaus neugebaut wird. Im Aufsichtsrat der ProPotsdam, in dem die Stadt Potsdam als Gesellschafter vertreten ist, sei man sich „einig“, sagte Nicke.

Weg vor Gericht wird nicht gescheut

Die ProPotsdam werde jetzt versuchen, mit dem Berliner Architekten-Ehepaar Doris und Hinrich Baller, die die Nutheschlange entworfen hatten, einen Kompromiss zu erzielen, da mit einem Neubau urheberechtliche Fragen berührt werden. Sollte eine außergerichtliche Lösung scheitern, werde die ProPotsdam auch den Weg vor Gericht nicht scheuen. Ein Potsdamer Urheberrechts-Spezialist habe die Erfolgsaussichten „als gut bewertet“.

Sollte sich die ProPotsdam mit den Architekten Baller einigen, könne im zweiten Quartal 2020 mit einem Wettbewerb für den Neubau und, parallel dazu, mit dem Abriss des jetzigen Terrassenhauses begonnen werden. „Eine Fertigstellung vor 2024 für möglich zu halten, ist unrealistisch“, sagte Nicke den PNN.


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