• Vorlesung zum Mond: „Eine Parzelle gibt es für 30 Euro“

Vorlesung zum Mond : „Eine Parzelle gibt es für 30 Euro“

Der Weltraumrechtler Marcus Schladebach spricht am Dienstag in Potsdam über illegalen Landverkauf und Trainingslager auf dem Mond  - und warum man einen internationalen Mondvertrag braucht. 

Der Astronaut Edwin E. Aldrin, Jr., posiert für ein Foto bei der ersten Mondlandung, die Teil der Apollo 11-Mission war.
Der Astronaut Edwin E. Aldrin, Jr., posiert für ein Foto bei der ersten Mondlandung, die Teil der Apollo 11-Mission war.Foto: AFP/NASA

Herr Schladebach, Sie sprechen heute in einer öffentlichen Ringvorlesung in Potsdam über die aktuellen Herausforderungen der Nutzung des Mondes aus völkerrechtlicher Perspektive. Warum dieses Thema? Das ist ja nicht gerade unmittelbar relevant für die meisten Menschen.


Mein Vortrag ist in erster Linie eine Würdigung der Mondlandung vor 50 Jahren. Am 21. Juli 1969 betraten im Zuge der Mission Apollo 11 die ersten Menschen den Mond. Das war eine große technische und menschliche Leistung, sich in eine Raketen-Kapsel zu setzen mit der Wahrscheinlichkeit von eins zu zehn, nicht lebendig zur Erde zurück zu kehren. Das war sehr mutig Ende der 1960er Jahre.

Die Mondlandung gab es also wirklich. Es gibt ja Verschwörungstheoretiker, die das anzweifeln. Alles sei nur gefälscht.


Nein, die drei Astronauten waren tatsächlich da, sie haben ja Mondgestein mitgebracht.

Und dann begannen die rechtlichen Probleme?

Seitdem gibt es rechtliche Fragen, zum Thema Rohstoffabbau, also Weltraumbergbau, zum Thema Militarisierung oder Tourismus. Der Mond aus völkerrechtlicher Sicht.

Warum ist das so wichtig?

Es ist unser zutiefst menschlicher Drang, unsere Neugier, zu erobern. Erst auf der Erde, dann im All. Die Amerikaner planen zum Beispiel, 2024 jemanden für länger auf den Mond zu schicken. Das ist in rechtlicher Hinsicht schon interessant.

Wie ist denn die aktuelle Situation?

Der Mond gehört, wie andere Orte im Weltall oder auf der Erde, zum Beispiel die Tiefsee, allen und keinem speziell. Das heißt, es dürfte auch keiner eine Staatsflagge irgendwo aufstellen. Die Flagge der Amerikaner auf dem Mond, die Neil Armstrong und Edwin Buzz Aldrin dort 1969 in den Boden rammten, oder die russische Flagge, die Forscher 2007 auf den Meeresboden unter dem Nordpol anbrachten, sind nur symbolisch und vor allem völkerrechtswidrig.

Und trotzdem kann ich heute Mondgrundstücke kaufen.

Ja, und das ist gar nicht so teuer, eine Parzelle für etwa fünf Hektar gibt es für 30,40 Euro. Die kann man einfach im Internet kaufen und man bekommt ein hübsches Zertifikat – aber es ist eben rechtswidrig. Der Verkäufer, Dennis Hope, ein Amerikaner, argumentiert, er verkaufe ja nur an Privatpersonen, es sei also keine nationale Aneignung und insofern erlaubt. Er beruft sich auf eine vermeintliche Gesetzeslücke und macht unglaublich viel Geld damit. Er ist auch nicht der einzige, der so was macht. Eine Spanierin hat sich vor einigen Jahren zur Eigentümerin der Sonne erklärt. Und die Venus ist auch schon weg. Im Übrigen sind das nicht alles Verrückte, die sich auf dem Mond was kaufen, sondern normale Menschen, Lehrer, Anwälte, Ärzte.

Weltraumrechtler Marcus Schladebach.
Weltraumrechtler Marcus Schladebach.Foto: Privat

Das klingt aber völlig absurd. Muss man das ernst nehmen und sich damit beschäftigen?

Ja, denn es geht tatsächlich um Dinge, die in zehn oder 20 Jahren möglich sein könnten. Zum Beispiel Mondbergbau, die Suche nach Bodenschätzen, das wird gerade heiß diskutiert: Gibt es da oben vielleicht etwas Brauchbares, was angesichts der drohenden Rohstoffknappheit auf der Erde für uns wichtig werden könnte? Die USA planen groß dimensionierte Anlagen zum Rohstoffabbau. Das kann man ja alles machen, aber das muss gemeinschaftlich geschehen. Der Mond gehört allen.

Weltraumtourismus klingt aber schon verrückt.

Nur ein bisschen. Man möchte dort ein Moon Village aufbauen, um dort forschen zu können und von dort Richtung Mars zu fliegen. Das Moon Village wäre eine Art Basislager mit einem besonderen Trainingseffekt, um sich an die Bedingungen des Weltalls zu gewöhnen.

Wie wahrscheinlich ist das denn, dass das alles mal passiert?

Wie werden eines Tages auf dem Mars landen, aber es wird mit mehr Opfern verbunden sein. Auch darüber möchte ich reden. Von den Opfern spricht kaum einer, es werden immer nur Leute gezeigt, die irgendwo Fähnchen schwenken. Wenn bei einem Testflug, wie es mehrmals geschehen ist, Piloten sterben, erfahren das nur wenige.

Sie sind Weltraumrechtler. Was ist Ihre Aufgabe in dem Zusammenhang?

Wir bräuchten einerseits einen neuen internationalen Mondvertrag. Der alte wurde 1979 entworfen, man muss sich also fragen, ob der noch zeitgemäß ist. Außerdem haben ihn die großen Weltraumnationen nie unterschrieben. Die Bundesregierung plant zudem ein deutsches Weltraumgesetz. Dazu berate ich die Regierung. Es steht sogar im Koalitionsvertrag, dass sich Deutschland als Raumfahrtnation neu positionieren will. Viele vergessen, dass in Deutschland die Grundlagen für die Raumfahrt gelegt wurden. Wernher von Braun, der in Deutschland forschte und nach dem Krieg in die USA emigrierte, war der Vater der Mondlandung.

Angekündigt ist ein Vortrag für jedermann, man braucht keine Vorkenntnisse.

Genau. Es wird unterhaltsam, es gibt auch Musik, zum Beispiel von Jean Michel Jarre „Oxygene Part IV“. Außerdem spreche ich über das Mondphänomen, ein Begriff der Weltraumpsychologie.

Zur Person

Marcus Schladebach, 46, ist Professor für Öffentliches Recht, Medienrecht und Didaktik der Rechtswissenschaft an der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam und Weltraumrechtler

Was ist das für ein Phänomen?

Damit meint man die psychischen Veränderungen, die die Menschen erlebten, die dort oben waren. Das waren bisher zwölf und alle waren hinsichtlich ihrer Persönlichkeiten später sehr stark verändert. Ihre Familien gingen kaputt, sie ließen sich scheiden und so weiter. Man erklärt sich das unter anderem durch den Overview-Effekt: Sie sahen die Welt von außen und fühlten sich gleichzeitig Gott näher. Die Dinge auf der Erde kamen ihnen später sehr unwichtig vor. Viele von denen ließen sich in Texas nieder, kauften eine Farm und bauten Kartoffeln an.

Wenn Sie die Chance hätten, mal hochzufliegen, würden Sie das tun?

Nein, ganz ehrlich, da hätte ich zu viel Angst. Und einen Gemüsegarten habe ich schon.

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Der Vortrag „50 Jahre Mondlandung. Zur Rechtslage auf dem Mond“ von Marcus Schladebach, Professor für Öffentliches Recht, Medienrecht und Didaktik der Rechtswissenschaft an der Universität Potsdam, findet am heutigen Dienstag um 16 Uhr im Hörsaal H02, Campus Griebnitzsee, statt. Der Eintritt ist frei.

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