Potsdam : Von Präsidenten und Pool-Leichen

Susan Carner ist Dozentin in Potsdam und schreibt Krimis. Auch die Garnisonkirche wird bald Schauplatz in einem ihrer Bücher sein.

Unschuldiger Blick, viel Phantasie. Die Österreicherin Susann Carner lebt in Berlin, arbeitet in Potsdam und ist Hobby-Krimiautorin. Mit Mordmethoden kennt sie sich aus. Es müsse gar nicht kompliziert sein: „Es reicht ein einfacher Schal von hinten“, sagt sie verschmitzt.
Unschuldiger Blick, viel Phantasie. Die Österreicherin Susann Carner lebt in Berlin, arbeitet in Potsdam und ist...Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Sie werden bisweilen belächelt, die Krimileser und vor allem Leserinnen, denen es doch nur um Unterhaltung und Spannung geht. Noch schlimmer dran sind nur noch die Krimiautoren und Autorinnen, die reihenweise Bücher für die Strandtasche auf den Markt werfen. Ein schnelllebiges Produkt zudem, einmal gelesen, ist die Spannung nun mal raus.

Susan Carner ficht das nicht an. Krimis müssen sein, findet sie, und werden immer gelesen. Das wissen auch die Inhaber der auf Krimis spezialisierten Buchhandlung Carlotta & Company am Platz der Einheit. Hier liegen unter anderem die Bücher von Susan Carner im Schaufenster, nachdem sie von den beiden Buchhändlern zum Test gelesen wurden: ein Gerichtskrimi, der in den USA spielt, und ihr neuer Urlaubs-Krimi „Mallorquinische Leiche zum Frühstück“.

Ideen am Pool

Eine Geschichte, die ihr – wie eine Vision – zugeflogen sei, erzählt die Hobbyautorin. Denn die 56-Jährige arbeitet Vollzeit für eine Potsdamer Firma der Erwachsenenweiterbildung. 2016 allerdings liegt sie im Urlaub auf Mallorca – am Pool. „Plötzlich sah ich vor meinem inneren Auge eine Frauenleiche im Wasser treiben“, erzählt Carner – und die Geschichte sei da gewesen. „Ich wusste sofort, wer die Tote ist, warum sie umgebracht wurde, wer der Mörder war und wer die Verdächtigen sind. Ich bin dann rauf auf’s Zimmer und habe zu schreiben begonnen.“

Jetzt wird sie den Krimi auf der Leipziger Buchmesse vorstellen und daraus lesen. Sie ist aufgeregt. Denn zwar hat Carner schon mehrmals gelesen, aber die Buchmesse ist doch etwas besonderes. Die Einladung dazu kam vom Selfpublisher-Verband. Carner ist dort Mitglied, denn ihre Bücher – bisher zwei Krimis – hat sie auf eigene Kosten drucken lassen. Neue Autoren haben es schwer im Verlagssystem, sagt sie. Zudem findet sie es gut, als ihre eigene Verlegerin alles selber entscheiden zu können, vom Titel bis zum Buchcover. Den Mallorca-Meerblick der Titelseite hat sie selber fotografiert. Das Buch hat sie ihren Eltern gewidmet, die sie damals zu dem Urlaub überredet hatten. Sonst hätte Carner vielleicht doch nie ernsthaft mit dem Schreiben und Publizieren angefangen.

Eigentlich sollte Ruhe in ihr Leben einkehren

Krimis mochte sie aber schon immer. Als Kind war es Erich Kästners „Emil und die Detektive“, später Agatha Christie. Sie studierte Geschichte, auch ein spannendes Fach, unterrichte in ihrer Heimat Österreich am Gymnasium. Nach einem Neustart aus familiären Gründen arbeitete sie eine zeitlang als Reiseleiterin und war viel unterwegs, später reiste sie als Beraterin in der Software-Branche durch die Welt. Ihr jetziger Job in Potsdam sollte eigentlich Ruhe in ihr Leben bringen, erzählt sie. Vielleicht wird das auch passieren, wenn sie stattdessen in ihren Büchern unterwegs ist. Neben jenem Urlaubs-Krimi, bei dem eine ermordete Erotikschriftstellerin im Pool auf Mallorca gefunden wird, entstand fast zeitgleich ihr Buch „Mord am Campus“: ein Krimi aus dem Umfeld des US–Präsidentschafts-Wahlkampfes. Wieder ging es schnell. Wenn ihr etwas einfällt, dann will es raus, sagt sie. Sie war fertig mit dem Schreiben, bevor die Wahl gelaufen war, erzählt sie, zuletzt habe sie nur noch aktuelle Zahlen der Wahlergebnisse nachgetragen. Das Buch ist zweigeteilt, es gibt die Schilderung des Verbrechens und anschließend der Gerichtsverhandlung. Damit das amerikanische Rechtssystem authentisch erscheint, hat sie viel im Internet recherchiert. Ihr Rechner, sagt Carner, ist gespickt mit vielen verdächtigen Such-Schlagwörtern, auch zu möglichen Todesarten. „Eines Tages werde ich deshalb noch mal verhaftet“, orakelt die Autorin.

Kriminelle Machenschaften rund um die Garnisonkirche

Die Wochenenden sind für’s Schreiben reserviert. Am liebsten schreibt sie morgens auf, was ihr nachts einfiel. Der Plot, Opfer, Mörder, Geschichte, der muss von Anfang an stehen und stimmig sein, sagt Carner. Dann wird ausgeschmückt, mit Nebenschauplätzen und vielleicht auch mal der einen oder anderen zusätzlichen Leiche. Die Ideen gehen ihr nicht aus: „Der Tiergarten-Mörder“ erscheint im Juni 2018. Die Leseprobe auf dem Flyer verrät: Es geht um Berlin, unter anderem um einen Flüchtling aus Syrien und den Weihnachtsmarkt. Auch für Potsdam hat sie schon eine mögliche Geschichte im Kopf: So könnten sich zwischen Befürwortern und Gegnern der Garnisonkirche kriminelle Machenschaften entwickeln. Aber vor allem Mallorca lässt sie nicht los. Der nächste Insel-Krimi soll zur Faschingszeit spielen. „Beim Karnevalsumzug passiert ein Mord“.

Ansonsten aber findet Carner die Insel ganz beschaulich. Dort entdeckt sie immer neue Orte, die sie als Schauplätze für ihre Charaktere nutzt – mal eine Chocolaterie, einen alten Friedhof oder ein Geschäft für Handtaschen, wo die Kommissarin einkaufen könnte. „Ich frage aber sicherheitshalber immer nach, ob ich den Laden erwähnen darf“, sagt Carner. Damit es nicht wieder komische Zufälle gibt wie im ersten Krimi: Darin verpasste sie dem Ressort-Manager des Hotels, der immerhin im Buch einer der Verdächtigen ist, eine österreichische Identität. „Hinterher erfuhr ich, dass der echte Manager tatsächlich Österreicher ist“, sagt Carner. „Ich habe mich sofort bei ihm entschuldigt.“ Das betroffene Hotel vermarktet dennoch mit Freude den Krimi, und die Leser schätzen die authentischen Schilderungen von Landschaft und Inselflair, in das Carner immer wieder ihr Wissen als Historikerin einfließen lässt. Ihr Vorschlag: „Wer mag, erkundet auf den Wegen meiner Kommissarin die Insel.“

– Susan Carner: Mallorquinische Leiche zum Frühstück. Create Space 2017, 304 Seiten. Das Paperback kostet 9,62 Euro, das eBook 3,99 Euro

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