• Von Guido Berg: Kriegsgegner willkommen Freimaurer in Zivil oder Uniform: Gründung der Feld- und Militärloge „Henning von Tresckow“

Von Guido Berg : Kriegsgegner willkommen Freimaurer in Zivil oder Uniform: Gründung der Feld- und Militärloge „Henning von Tresckow“

Guido Berg
Gast des Festaktes am Sonntag: Ex-US- Botschafter John Kornblum.
Gast des Festaktes am Sonntag: Ex-US- Botschafter John Kornblum.Foto: Mike Wolff

Ja, es können auch Zivilisten Mitglied der Loge werden. Ja, selbst „Kriegsdienstverweigerer sind willkommen“, wie Frank Eckardt Krauß betont. Und dennoch werden sie kämpfen müssen, die 19 Gründungsbrüder der Feld- und Militärloge „Henning von Tresckow“, die sich am Sonntag offiziell bei einem Festakt im Offiziersheim des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Geltow gründet. Kämpfen gegen die Vorurteile vieler, die die Freimaurer für eine national-konservative Eliten-Verschwörung halten. Schärfste Waffe in diesem Kampf könnte das eigene Bildungsideal sein: „Befreie dich von deinen eigenen Vorurteilen!“, so Krauß, „Meister vom Stuhl“ der Loge – ihr Vorsitzender. Oder mit den Worten Immanuel Kants gesprochen, dem Leitspruch der neuen Loge: „Sapere aude!“ – Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Krauß, Bayer, 58 Jahre, Reserve-Oberstleutnant der Bundeswehr, heute Diplom- Kaufmann und Mitarbeiter der Feuersozietät, macht den Logen-Kritikern vor, dass Vorurteile überwindbar sind. Er selbst habe bei einer Kreistagswahl sogar einmal einem Linken seine Stimme gegeben. Weil dieser „Zeitgenosse“ ihn überzeugt habe. Außerdem sei ein Freund von ihm Hauptmann bei den DDR-Grenztruppen gewesen. Dessen Entwicklung nach 1990 erkenne er an.

Die Vorurteile gegen die Freimaurer habe viel mit der Verunglimpfung der Brüder durch die katholische Kirche zu tun, sagt Krauß. Papst Clemens XII. erließ 1738 den Bannfluch gegen die Freimaurerei. Bis heute ist es für einen Katholiken eine schwere Sünde, Freimaurer zu sein. Krauß zufolge verfolgen Freimaurer keine politischen oder religiösen Ziele; im Vordergrund stehe das „humanistische Bildungsideal“ und die karitative Arbeit.

Aber warum eine Feld- und Militärloge? Krauß’ Antwort ist einfach: Weil es die in Deutschland nicht gibt. 1919 wandelte sich die letzte in eine stehende Loge um. Denn das ist der Unterschied: Es gibt Logen mit festem Sitz, etwa die Potsdamer Logen „Teutonia zur Weisheit“ und „Stern von Sanssouci“ mit Sitz im Logenhaus Potsdam, Kurfürstenstraße 52. Und es gibt Feld- und Militärlogen, die auch auf „Wanderschaft“ gehen, so Krauß. Und die sich womöglich auch „im Felde“ gründen, sprich, von Soldaten im Krieg. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich im afghanischen Mazar-i Scharif sieben Soldaten finden und eine Feld-Loge gründen.

Die neue Loge „Henning von Tresckow“ hat ihre Keimzelle im Einsatzführungskommando und will Mitglieder im gesamten Bundesgebiet aufnehmen – Militärs, Ex-Militärs und Zivilisten aller Nationen. Wenn sich die Loge am Sonntag, am Vorabend des 110. Geburtstages des Namensgebers Henning von Tresckow, offiziell gründet, wird neben dem Treschkowschen Nachfahren Wilfried von Tresckow auch der ehemalige US-Botschafter in Deutschland, John Kornblum, dabei sein. Diplomat Kornblum hat 1987 der Freimaurer-Tugend „Freiheit“ einen Dienst erwiesen. Kornblum ist Autor der berühmte Ronald-Reagan-Forderung: „Mr. Gorbatschow, tear down this wall!“