• Verzicht auf Plastik: Potsdams zweiter Unverpackt-Laden eröffnet

Verzicht auf Plastik : Potsdams zweiter Unverpackt-Laden eröffnet

Plastik-Fasten leichtgemacht: In Babelsberg eröffnen am Samstag zwei junge Frauen den zweiten Unverpackt-Laden in Potsdam.

Erik Wenk
Katja Skurcz und Katharina Kaiser (v.r.) eröffnen in Babelsberg ihren neuen Laden, in dem es keine Verpackungen gibt.
Katja Skurcz und Katharina Kaiser (v.r.) eröffnen in Babelsberg ihren neuen Laden, in dem es keine Verpackungen gibt.Foto: Andreas Klaer

Babelsberg- Potsdam bekommt seinen zweiten Unverpackt-Laden, in dem Lebensmittel und Kosmetik komplett ohne Wegwerf-Verpackungen verkauft werden. Nachdem im Sommer am Luisenplatz „MaßVoll“ eröffnet hatte, nimmt am heutigen Samstag um 12 Uhr „Kathi & Käthe - FairVerpackt“ in der Babelsberger Garnstraße seinen Betrieb auf. Wer hier einkaufen geht, muss sein eigenes Behältnis mitbringen und kann es dann zum Beispiel mit Mehl, Linsen, Reis, Müsli, Gewürzen, Nudeln, Körnern, Bohnen oder anderen Trockenlebensmitteln befüllen, die sich in holzeingefassten Glaszylindern an den Wänden des Ladens befinden.

Ziel: Müll komplett vermeiden

„Zero Waste“, also die komplette Vermeidung von Müll, ist das erklärte Ziel der beiden Gründerinnen Katja Skurcz und Katharina Kaiser: „Ich habe schon seit Längerem ein großes Interesse an Alternativen zu Plastik und innovativen Verpackungen aus Naturmaterialien“, sagt Skurcz. Die 35-Jährige kommt ursprünglich aus Berlin, hatte in Potsdam Kulturarbeit studiert und war danach vier Jahre lang durch die Welt gereist, auf der Suche nach einer nachhaltigen Lebensweise. Zusammen mit Kaiser, mit der sie befreundet ist, fasste sie vor einem Jahr den Plan, einen sogenannten Unverpackt-Laden zu eröffnen.

„Nachhaltig zu kochen und plastikfrei zu leben hat mich seit einigen Jahren immer mehr interessiert“, sagt die 25-jährige Kaiser. Die gebürtige Lübeckerin war vor drei Jahren nach Potsdam gezogen, um hier eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau zu machen. „Ich habe auch mal Plastik-Fasten gemacht, also mehrere Monate nichts gekauft, was eine Plastikverpackung hatte – das war ganz schön hart“, sagt sie. So sei sie zum ersten Mal auf Unverpackt-Läden aufmerksam geworden.

Um ihren Traum von einem eigenen derartigen Laden zu verwirklichen, mieteten Skurcz und Kaiser die Räume mit den rund 60 Quadratmetern Verkaufsfläche in Babelsberg an. Die Mittel für die Gründung stammen aus Eigenkapital und Privatkrediten von Familienangehörigen, ein zuvor gestarteter Crowdfunding-Aufruf im Internet hatte leider nicht genügend Resonanz gebracht.

Trockene Lebensmittel, Reinigungsmittel und Hygieneartikel

„FairVerpackt“ wird sich vor allem auf trockene Lebensmittel konzentrieren, frisches Obst oder Gemüse werde es im Sortiment nicht geben, sagt Skurcz: „Das kann man ja auch unverpackt auf dem Markt bekommen.“ Daneben wird es eine Reihe von Reinigungsmitteln, Kosmetik und Hygieneartikeln geben, zum Beispiel Shampoo, Seifen, Bambuszahnbürsten oder trockene Zahnpasta in Form von Tabletten, die man einfach zerkauen kann. Zudem wird „FairVerpackt“ über ein kleines Café mit Sitzgelegenheiten verfügen. Dies soll nicht nur dazu dienen, gemütlich Kaffee zu trinken, sondern auch den Raum für Workshops, Vorträge und Lesungen zum Thema Müllvermeidung bieten. Aufzuklären, einen Treffpunkt zu schaffen und Menschen zu vernetzen, die sich für das Thema interessieren und engagieren, ist ein ausdrücklicher Teil des neuen Ladenkonzepts. „Wir wollen auch Aufklärungsarbeit für Kindergärten und Schulen anbieten“, sagt Skurcz.

Ein gesellschaftspolitischer Anspruch, der sich auch an anderer Stelle niederschlägt: „MaßVoll“, Potsdams erster Unverpackt-Laden, wird von Skurcz und Kaiser nicht als Konkurrenz betrachtet, im Gegenteil. „Wir stehen mit Carolin Schönborn von MaßVoll in Kontakt, die ist total offen dafür, dass zwei Läden mit dem gleichen Konzept nebeneinander bestehen können sollen“, sagt Kaiser. Daher habe man sich auch bewusst für den Standort Babelsberg entschieden, um sich gegenseitig nicht die Kunden streitig zu machen. Man tausche sich zu Produkten aus, erzähle sich, was in seinem Laden gut laufe, was nicht, erzählt Kaiser. „Wenn man Teil der Zero-Waste-Bewegung ist, dann hat man natürlich ein Interesse daran, dass die Idee weitergetragen wird.“ Auch mit vielen anderen Unverpackt-Läden stehen Skurcz und Kaiser in Verbindung: Bevor sie „FairVerpackt“ ins Leben gerufen hatten, hatten sie verschiedenste verpackungsfreie Läden in ganz Deutschland besucht.

Kontakt haben die beiden auch zu Herstellern von neuen, innovativen Verpackungen, deren Produkte Skurcz und Kaiser künftig in Babelsberg anbieten wollen. Dazu zählt etwa ein kleines Hamburger Unternehmen, das die „Füllmich-Tüten“ produziert: "Das sind abwaschbare Tüten aus Altpapier, die auch eine Alternative zu schweren Glasbehältern sind", sagt Skurcz. „Wir wollen eine Schnittstelle für solche Hersteller sein und sie auch unterstützen.“

In Potsdam wird „FairVerpackt“ auf viel Interesse stoßen, da sind sich Skurcz und Kaiser sicher: „Wir finden diese Ecke hier in Babelsberg sehr spannend“, sagt die Ladenbesitzerin. Auch von vielen Babelsbergern hätten sie bereits positives Feedback erhalten: „Es kamen öfter Leute bei uns vorbei, die meinten: Wir freuen uns auf den Laden!“

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» www.fairverpackt-babelsberg.de