• Nach Entführung in Potsdam: Polizei durchsucht Wohnung erneut

Vermisste Sechsjährige in Potsdam : Nach Entführung: Polizei durchsucht Wohnung erneut

Der Tatverdächtige im Fall des mutmaßlich missbrauchten Mädchens tauchte nicht in der Sexualtäter-Datei der Polizei auf. Und das, obwohl er einschlägig vorbestraft ist.

Das Mädchen aus Drewitz war 22 Stunden lang verschwunden gewesen. Die Polizei hatte nach ihr gesucht.
Das Mädchen aus Drewitz war 22 Stunden lang verschwunden gewesen. Die Polizei hatte nach ihr gesucht.Foto: Manfred Thomas

Potsdam - Im Fall des mutmaßlich entführten und missbrauchten sechsjährigen Mädchens aus Drewitz wurde am Dienstag erneut die Wohnung des Verdächtigen Willi D. durchsucht. Das sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Potsdam, Sigrid Komor, am Mittwoch auf PNN-Anfrage. Die dort gesicherten Spuren würden nun ausgewertet.

Verdächtiger äußert sich nicht

Der 58-Jährige schweige weiter zu den Vorwürfen. Ihm wird zur Last gelegt, das Kind, nachdem es am Nachmittag des 25. Mais bei einem Einkauf mit seiner Familie aus dem Porta-Möbelhaus verschwand, in seine Wohnung verschleppt und missbraucht zu haben. Das Mädchen war 22 Stunden lang verschwunden. Ihm gelang die Flucht, als der Verdächtige schlief. Sie führte die Polizei später zur Wohnung von Willi D. in Drewitz.

Hätte die Polizei besser reagieren können?

Offen ist weiter, ob für die Polizei eine Chance bestanden hätte, durch das Durchsuchen von Datenbanken nach einschlägig Vorbestraften frühzeitig auf Willi D. zu stoßen und dem Mädchen so ein 22-stündiges Martyrium zu ersparen. Denn der Verdächtige wurde zu DDR-Zeiten wegen Sexualdelikten verurteilt, wie die Staatsanwaltschaft vergangene Woche Mittwoch mitteilte. Willi D. habe einen entsprechenden Eintrag im Bundeszentralregister. Tags zuvor hatte es aus Ermittlerkreisen noch geheißen, der Verdächtige sei nicht polizeibekannt.

Grundsätzlich seien in dem Fall alle erforderlichen Maßnahmen eingeleitet worden, erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Dazu gehöre auch Recherche in Auskunftssystemen. Aus ermittlungstaktischen Gründen könne sie sich aber nicht dazu äußern, was im konkreten Fall genau unternommen wurde – und ob die Recherche einen Hinweis auf Willi D. ergab.

153 Vorbestrafte in Brandenburg

Das Bundeszentralregister verfügt nicht über die Funktion, ohne Namen nach Vorbestraften eines bestimmten Wohnumfelds zu suchen. Seit 2008 gibt es in Brandenburg aber die Datei „Heads“, in der Sexualstraftäter und seit 2013 auch Gewaltstraftäter gespeichert werden. Nach Auskunft des Landespolizeipräsidiums sind derzeit in ganz Brandenburg 153 Vorbestrafte, darunter 103 Sexual- und 50 Gewalttäter registriert. In Potsdam sind drei Sexual- und fünf Gewaltstraftäter in „Heads“ verzeichnet. 

Nach PNN-Informationen zählt Willi D. nicht dazu. Das ist aber nicht verwunderlich, denn Probanden werden ab Haftentlassung für die Dauer der Führungsaufsicht (in der Regel fünf Jahre) registriert. Willi D.s Verurteilung liegt also zu weit zurück.

Weitere Recherchemöglichkeiten sind die Systeme „Polas“ und „Inpol“, eine vom Bundeskriminalamt geführte Datei. Ob der Verdächtige dort registriert war, beantworten die Behörden nicht. Die „Bild“-Zeitung berichtete, dass Willi D. – obwohl er seit Jahren in Drewitz wohnt – gar nicht dort gemeldet sei, sondern bei seiner Mutter in der Nähe von Neuruppin. In diesem Fall hätte eine Umfeld-Recherche gar keinen Erfolg haben können. Ob Willi D. in Potsdam gemeldet ist, könne sie nicht sagen, so Oberstaatsanwältin Komor. Das falle unter das Meldegeheimnis.