• Verkehr am Landtag in Potsdam: Problematische Ecke

Verkehr am Landtag in Potsdam : Problematische Ecke

Um den Fuß- und Radweg am Landtagsschloss ist erneut eine Debatte entbrannt. Die Bürgerinitiative Mitteschön möchte Fußgängern einen Ausweg durch den Landtag eröffnen. Dort ist man nicht begeistert.

Radfahrer und Fußgänger müssen sich am 2014 fertiggestellten Landtag den Platz teilen. Das führt häufig zu Konflikten. 
Radfahrer und Fußgänger müssen sich am 2014 fertiggestellten Landtag den Platz teilen. Das führt häufig zu Konflikten. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Die Beschwerden sind so alt wie das Gebäude selbst: Die Debatte um die Unfallgefahr für Radfahrer und Fußgänger in der Kurve am Landtagsgebäude ist neu entbrannt. Anlass ist die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Potsdamer CDU-Chefs und Landtagsabgeordneten Steeven Bretz. Er hatte die Landesregierung unter anderem gefragt, wie sich die steigende Anzahl von Unfällen erklärt, in die Radfahrer verwickelt sind. Außerdem erkundigte sich Bretz nach Unfallschwerpunkten. Zuerst hatte die Märkische Allgemeine Zeitung darüber berichtet.

Die Zahl der Unfälle hat um mehr als ein Drittel zugenommen

Tatsächlich ist die Anzahl der Unfälle von 2013 bis 2017 um 35 Prozent gestiegen. Die Landesregierung verwies zur Einordnung darauf, dass sowohl die Einwohnerzahl als auch der Fahrradanteil am Verkehrsaufkommen deutlich zugenommen haben. So habe die Stadtverwaltung 2015 festgestellt, dass im Sommer 88 Prozent mehr Radfahrer über die Lange Brücke gefahren seien als im Jahr 2000. Sprich: Gibt es mehr Radfahrer, können auch mehr Radfahrer in Unfälle verwickelt werden.

Bretz findet diese Sichtweise inakzeptabel: „Die Landeshauptstadt wird für Fahrradfahrer offensichtlich immer gefährlicher.“ Es brauche sicher ausgebaute Radwege und eine durchdachte Verkehrsführung, um allen Verkehrsteilnehmern einen besseren Schutz zu bieten, so Bretz. Lediglich Fahrradspuren auf vorhandene Straßen zu malen, schaffe vor allem neue Gefahren. Experten weisen allerdings darauf hin, dass die sogenannten Schutzstreifen auf der Fahrbahn sicherer sind, weil Radfahrer dort insbesondere von abbiegenden Autofahrern besser gesehen werden als auf abgetrennten Radwegen.

Der Potsdamer CDU-Chef Steeven Bretz.
Der Potsdamer CDU-Chef Steeven Bretz.Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Auch Bretz findet die Ecke problematisch

Unfallschwerpunkte konnte die Landesregierung auf Bretz’ Anfrage hin nicht wirklich finden. Das Geschehen erstrecke sich über das gesamte Stadtgebiet, heißt es in der Antwort. „Eine gewisse Auffälligkeit von Unfällen mit Beteiligung von Fahrradfahrern ist allerdings im Bereich Breite Straße/Lange Brücke bekannt.“ In den vergangenen Jahren wurden in dem Abschnitt insgesamt zwischen drei und fünf Unfällen gezählt. Die Ecke zur Tramhaltestelle Alter Markt findet auch Bretz problematisch. Dort sei sehr wenig Platz. „Es ist doch zynisch, dass immer erst Schlimmeres passieren muss, bis Verantwortungsträger in Stadt und Land handeln“, sagte er den PNN.

Der gemeinsame Fuß- und Radweg steht in der Kritik, seit die Breite Straße für den Bau des Landtags schlosses verlegt wurde. 2014 wurde das Gebäude fertig. Nur wenige Meter sind zwischen ihm und der Tramtrasse Platz. Die Strecke ist mit täglich 10 000 Radlern die am stärksten befahrene in Potsdam. Immer wieder kommen sich Radler und Fußgänger dort in die Quere. 2016 hängte die Stadt als Reaktion auf Proteste ein Hinweisschild auf. Eine Markierung im Kurvenbereich, wie von der Politik mehrfach gefordert, lehnt die Stadt weiterhin ab. Dazu sei der Straßenraum an dieser Stelle nicht breit genug.

Die Landesregierung wirbt für Fahrradhelme

Um als Unfallschwerpunkt zu gelten, müssten binnen eines Jahres mindestens fünf Unfälle gleichen Typs an einem Ort stattfinden oder binnen drei Jahren drei Unfälle mit Schwerverletzten oder Toten. Im Rathaus setzt man angesichts dessen auf das Prinzip der gegenseitigen Rücksichtnahme. Die Landesregierung setzt auf passiven Schutz: Man werbe für das freiwillige Tragen eines Fahrradhelms, der bei Stürzen oder Zusammenstößen mit anderen Verkehrsteilnehmern nachweislich schütze, heißt es in der Antwort auf Bretz’ Anfrage.

Auch die Bürgerinitiative Mitteschön möchte die Fußgänger aus der zugigen Kurve holen – allerdings aus einem anderen Grund. Sie wirbt erneut für ihre schon viele Jahre alte Forderung, Durchgänge in die Seitenflügel des Landtages zu brechen. „Der Schlosshof war bis 1918 in der Regel auch nachts offen“, heißt es auf der Webseite der Bürgerinitiative. Er habe eine Abkürzung für viele Fußgänger auf dem Weg zum Bahnhof dargestellt. Sie sollen künftig den Hof des Landtags durchqueren, „statt sich auf der Lustgartenseite von Fahrrädern überfahren zu lassen“. Die baulichen Aufwendungen seien überschaubar. Am Donnerstag postete Mitteschön-Sprecherin Barbara Kuster eine Grafik im sozialen Netzwerk Facebook, die den Wegeverlauf zeigt. 

Allerdings ist dabei auch erkennbar, dass der Fußweg durch den Landtag nicht nur mehrfach abbiegt, sondern auch länger ist als die jetzige Wegführung.

Beim Brandenburger Landtag reagiert man angesichts dessen einigermaßen irritiert. „Die Initiative Mitteschön ist mit dem Aufruf bisher nicht auf den Landtag zugekommen“, so Landtagspräsidentin Britta Stark auf PNN-Anfrage. Die Landtagsverwaltung stehe Initiativen zur Wiederherstellung der historischen Fassade positiv gegenüber, aber man habe „erhebliche Bedenken gegen eine Wiederherstellung der Durchfahrten“. Beispielsweise müssten zwölf Büroräume weichen, obwohl der Raumbedarf ohnehin nur annähernd gedeckt sei, sowie die Tiefgarageneinfahrt in der Humboldtstraße verlegt werden. Außerdem würde der Umbau erhebliche Kosten verursachen.