• Vegetarisch und klimaneutral: Wie Katjes in Potsdam die Zukunft einleiten will

Vegetarisch und klimaneutral : Wie Katjes in Potsdam die Zukunft einleiten will

"Die Zukunft ist pflanzlich", verkündet ein Slogan an der Fassade der Babelsberger Bonbon-Fabrik. Dahinter steckt eine smarte Markenstrategie.

Katjes Fabrik mit neuem Design in Potsdam-Babelsberg erweitert seine Produktionsstätten. Andreas Respondek, seit 2014 Werksleiter.
Katjes Fabrik mit neuem Design in Potsdam-Babelsberg erweitert seine Produktionsstätten. Andreas Respondek, seit 2014 Werksleiter.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Mit einer farbenfrohen Fassadengestaltung macht das Katjes-Werk im Babelsberger Gewerbegebiet an der Wetzlarer Straße seit Anfang Oktober auf sich aufmerksam. “The future is plant-based" (Die Zukunft ist pflanzlich) verkündet ein Schriftzug. Im November soll die neue Produktionslinie in Betrieb gehen. 

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Emmerich am Rhein will mit der Zeit gehen. Die Süßwarenherstellung ist vegetarisch, tierische Gelatine wird schon seit 2010 nicht mehr verwendet. Das betrifft jedoch vor allem Fruchtgummis und andere weiche Süßigkeiten. Im Babelsberger Werk werden seit jeher ausschließlich Hartkaramelle, also Bonbons, hergestellt. Einige Stoffe tierischen Ursprungs sind jedoch schwerer zu ersetzen, etwa Bienenwachs. Damit werden einige Leckereien überzogen, sodass sie in der Tüte nicht zusammenkleben. Seit 2020 produziert Katjes außerdem nach eigenen Angaben klimaneutral, an allen drei Produktionsstandorten deutschlandweit. Das liegt im Trend, immer mehr Verbraucher legen Wert darauf.

Katjes Fabrik mit neuem Design in Potsdam-Babelsberg erweitert seine Produktionsstätten.
Katjes Fabrik mit neuem Design in Potsdam-Babelsberg erweitert seine Produktionsstätten.Foto: Andreas Klaer

Junge Leute machen Selfies vor der Fassade

“Die neue Fassade ist schon ein Hingucker”, sagt Andreas Respondek, der seit 2014 das Babelsberger Werk leitet. Häufig könne er beobachten, dass junge Leute vor dem Werk Selfies machten. Die beliebte “gläserne Fabrik” ist allerdings zurzeit für Besucher geschlossen, aufgrund der Corona-Hygienebestimmungen sind Rundgänge nicht möglich. Die Coronakrise hat auch die Produktion verändert. Für die 82 Mitarbeiter gelte eine Maskenpflicht, wenn der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden könne, sagt der Leiter. Die Schichten seien konsequent voneinander getrennt worden, mit separaten Zugangswegen. Zu Arbeitsbeginn werde bei jedem Mitarbeiter die Körpertemperatur mittels eines kontaktlosen Thermometers gemessen. 

Sechs Millionen Euro wurden investiert

Trotz der Einschränkungen liege die Einrichtung der neuen Produktionslinie aber “im Plan”, sagt Respondek. In der neu errichteten Werkhalle mit 630 Quadratmetern Fläche sei eine neue Verpackungsanlage bereits aufgestellt worden. Eine weitere Produktionsanlage befinde sich zurzeit in der Schlussphase des Aufbaus. Etwa sechs Millionen Euro wurden insgesamt investiert. Ab Anfang November sollen vor allem mehr Wick-Bonbons vom Band laufen, zunächst zusätzliche 80 Tonnen pro Woche. Im Dezember werden es laut Respondek etwas weniger sein, weil das Werk zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen bleibe. Im neuen Jahr soll die Produktion allein an dieser Anlage aber auf 200 Tonnen pro Monat gesteigert werden. 

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Momentan produziert das Babelsberger Katjes-Werk 5390 Tonnen Süßwaren pro Jahr. 2006 war die Fabrik mit etwa 2000 Jahrestonnen gestartet. Mit der Einführung einer zweiten Schicht 2012 wurde die Produktionsmenge auf 3500 Tonnen gesteigert. Zwei Jahre später kam eine dritte Schicht hinzu, und erstmals rollten mehr als 5000 Tonnen jährlich vom Band. Zum Vergleich: Ein einzelnes Bonbon wiegt etwa fünf Gramm. 

Katjes Fabrik mit neuem Design in Potsdam-Babelsberg erweitert seine Produktionsstätten. Das Werk produziert mehr als eine Milliarde Bonbons in verschiedenen Geschmacksrichtungen im Jahr.
Katjes Fabrik mit neuem Design in Potsdam-Babelsberg erweitert seine Produktionsstätten. Das Werk produziert mehr als eine...Foto: Andreas Klaer

20 neue Jobs in Babelsberg

Durch die neue Produktionslinie sollen in Potsdam 20 neue Arbeitsplätze entstehen. Noch seien nicht alle Stellen besetzt, sagt Respondek. Das Unternehmen sucht Fachleute für das Süße: Bäcker, Konditoren und Lebensmitteltechniker. Katjes bildet in Potsdam auch selbst aus. Pro Jahr gibt es zwei Plätze für eine duale Ausbildung zum Süßwarentechnologen. Die ist allerdings mit weiten Wegen verbunden, denn der theoretische Teil findet an der Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft in Solingen statt. Der Vorteil: Nach ihrer Ausbildung würden die Fachkräfte in der Regel von Katjes übernommen, sagt Respondek. 

Bundesweit ist Katjes der drittgrößte Hersteller im deutschen Zuckerwarenmarkt hinter Haribo und Storck. Zuletzt hat Katjes davon profitieren können, dass der Marktführer Haribo mit Einzelhändlern über die Preise streitet. Im Herbst werden in der Branche traditionell die Konditionen neu ausgehandelt. Doch in diesem Jahr eskalierte die Auseinandersetzung, nachdem der Goldbären-Hersteller seine Preise erhöht hatte. Der Discounter Lidl nahm daraufhin Haribo-Produkte kurzerhand aus dem Sortiment, Edeka reduzierte die verkaufte Menge. Die Lücken im Regal wurden mit Katjes und anderen Marken gefüllt. 

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