• Veganes Café in Potsdam schließt: Erfolgsstory ohne Happy End

Veganes Café in Potsdam schließt : Erfolgsstory ohne Happy End

Potsdams einziges veganes Café „Good Deats“ schließt im Juni. Dabei kam die Idee eigentlich gut an.

Noch bis Juni kann im „Good Deats“ vegan gespeist werden. Dann ist Schluss.
Noch bis Juni kann im „Good Deats“ vegan gespeist werden. Dann ist Schluss.Foto: J. Bergmann

Potsdam - Bitteres Ende für süße Naschereien: Das vegane Café „Good Deats“ in der Kurfürstenstraße wird am 18. Juni schließen. Dies gab Betreiberin Melanie Schwarz über ihre Facebook-Seite bekannt, zusammen mit der Ankündigung einer großen Abschiedsfeier am besagten Tag. „Die Auslastung des Cafés am Standort in Potsdam reicht einfach nicht aus, um die hohen täglichen Kosten zu decken“, sagt Schwarz zu den Gründen der Schließung.

Damit verschwindet ein einmaliges Angebot aus der Stadt, denn das Café mit eigener Konditorei ist der einzige Ort in Potsdam, an dem es ausschließlich vegane Kuchen, Pralinen, Eis, Cupcakes und andere Leckereien ohne Ei und Milchprodukte gibt. Da zudem ausschließlich Bio-Zutaten sowie fair gehandelte Schokolade und Kaffee verwendet werden und alle Torten und Pralinen in Handarbeit hergestellt werden, waren die laufenden Kosten von Beginn an hoch. Doch Kompromisse eingehen oder vorgefertigte Waren beziehen wollte Schwarz nicht: „Schließlich war es die Idee, dass es möglich ist, auch auf diese Weise zu wirtschaften“, so die Konditorin.

Auch Nichtveganer waren regelmäßige Kunden

Eine Idee, die gut ankam: Schon kurz nach der Gründung des Cafés im Mai 2013 war das positive Feedback enorm, auch viele Nichtveganer wurden zu regelmäßigen Kunden. Bereits ein Jahr später kürte das Fachmagazin „Der Feinschmecker“ das „Good Deats“ zu einem der besten Cafés Deutschlands. Schwarz erweiterte das Angebot um vegane Eiscreme, belegte Brötchen und Gemüseburger. Der idyllische Hinterhof war im Sommer oft voll besetzt.

Viele Stammkunden hat sich das „Good Deats“ in diesen drei Jahren erarbeitet, viele davon aus Berlin und zum Teil aus der ganzen Bundesrepublik. „Wir kommen extra aus Bremen angefahren“, schrieb die Nutzerin Yvon Nee auf die Facebook-Seite des „Good Deats“. „Diesen März dann wohl zum Verabschieden.“ Es ist nur einer von über 70 Kommentaren, viele äußern sich schockiert und traurig über das plötzliche Aus ihres Lieblingscafés.

Schwierig, vegane Angebote in Potsdam zu etablieren

Schwarz spricht sichtlich mit Wehmut über das Ende ihres Herzensprojekts, bei dem auch viele Freundschaften zu Kunden entstanden seien: „Ich möchte diese drei Jahre auf keinen Fall missen.“ Alle ihre Erwartungen seien vom „Good Deats“ übertroffen worden – bis auf die wirtschaftlichen. Ein Grund mag mit Sicherheit der Standort sein: Die Mieten im Holländerviertel sind hoch, gleichzeitig liegt die Kurfürstenstraße nicht so fußläufig wie etwa die Benkertstraße. Doch das dürfte nicht der einzige Grund sein: Insgesamt sei es schwierig, größere vegane Angebote in Potsdam zu etablieren, sagt Schwarz: „Potsdam scheint da etwas träge zu sein.“

Bei der Gründung hatte sie darauf gesetzt, dass Potsdam eine Studentenstadt sei: „Ich hatte sogar Angst, dass kurz nach mir ein zweites veganes Café aufmacht“, so Schwarz. Die Befürchtung erwies sich als unbegründet, auch weil ein Großteil der Potsdamer Studierenden eben nicht in der Landeshauptstadt, sondern in Berlin wohnt. Schon nach etwa einem halben Jahr zeichnete sich ab, dass es auf Dauer finanziell schwierig werden würde, sagt Schwarz. Obwohl die Kundenzahlen kontinuierlich wuchsen, reichte es am Ende nicht aus, um das Café wirtschaftlich zu betreiben, vor allem unter der Woche waren die Besucherzahlen zu niedrig.

Viele Genießer-Momente sind noch geplant

Die verbleibenden drei Monate möchten Schwarz und ihre sechs Mitarbeiter nutzen, um ihren Gästen noch einmal möglichst viele Genießer-Momente zu bereiten: Geplant sind diverse Aktionen und Veranstaltungen, zum Beispiel ein veganes Grillen oder Auftritte von Bands im Hinterhof des Cafés, wie es sie schon in den letzten drei Jahren immer wieder gegeben hatte.

Was nach der Schließung des „Good Deats“ passiert, weiß Schwarz noch nicht. Eine Möglichkeit sei, das Café in Berlin neu zu eröffnen, wo es voraussichtlich mehr Kunden für ihr veganes Angebot gibt: „Ich wurde von ganz vielen Gästen ermutigt, die das Konzept toll finden und mir gesagt haben: ‚Du musst unbedingt weitermachen!’“, sagt Schwarz. „Aber das muss sich erst noch herauskristallisieren.“ 

 

 

 

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