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Unterstützung für Garnisonkirche : Bundeswehr will Ausstellung im neuen Turm fördern

Der umstrittene Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche wird mit Millionen Euro aus Steuergeldern gefördert. Nun gibt es noch mehr Geld für eine Ausstellung - von der Bundeswehr.

Bundeswehr-Werbung an einer Potsdamer Straßenbahn.
Bundeswehr-Werbung an einer Potsdamer Straßenbahn.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Potsdam/Berlin - Die Bundeswehr hat für die im neuen Garnisonkirchturm geplante Ausstellung 350 000 Euro Fördermittel reserviert. Allerdings stehe noch nicht fest, ob und wie das Geld abgerufen wird, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums den PNN am Donnerstag auf Anfrage. Dazu befinde man sich mit der Stiftung Garnisonkirche in Gesprächen, was Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) so auch genehmigt habe. Das Geld habe man nun als Haushaltstitel in den Entwurf für 2021 eingestellt. Sonst könnte man dieses Geld bei erfolgreichen Verhandlungen nicht auszahlen, hieß es weiter. Dafür müsse die Stiftung Garnisonkirche auch noch einen Antrag stellen. Geplant sei eine einmalige Zuwendung, wie zunächst die „Märkische Allgemeine Zeitung“ berichtet hatte. 

In der Schau soll es auch um die Militärseelsorge gehen

Die Dauerausstellung solle nach bisherigen Planungen zentrale historische Themen „im Beziehungsdreieck Kirche, Militär und Staat in Deutschland“ aufnehmen, zitierte die Zeitung eine Ministeriumssprecherin. Ziel der Ausstellung auf einer Fläche von 300 Quadratmetern sei, zur Beschäftigung mit der Geschichte des historischen Ortes anzuregen. Aus Ministeriumskreisen hieß es gegenüber den PNN, es werde in der Ausstellung aber auch um die Arbeit der Militärseelsorge gehen. Diese soll als eigenständiger Bereich der Bundeswehr zur seelsorgerischen Betreuung von Soldaten und ihrer Familien beitragen, etwa bei Auslandseinsätzen.
Der knapp 90 Meter hohe Turm der 1945 bei einem Luftangriff weitgehend zerstörten und 1968 in der DDR abgerissenen Garnisonkirche wird seit 2017 wieder aufgebaut. Der Neubau am historischen Standort in der Breiten Straße soll voraussichtlich 2022 fertiggestellt werden. Der Bund will das rund 40,5 Millionen Euro teure Bauprojekt mit mehr als 20 Millionen Euro fördern. Fünf Millionen Euro sollen aus kirchlichen Krediten finanziert werden.

Wiederaufbau ist umstritten

Angesichts der weiteren Steuermittel für das Vorhaben zeigten sich die Gegner des Wiederaufbaus entrüstet. Von einem hochproblematischen Interessenskonflikt sprach die Bürgerinitiative für ein Potsdam ohne Garnisonkirche: „Sich die Aufarbeitung der Verstrickung von Militär und Faschismus von der Bundeswehr finanzieren zu lassen, ist in etwa so ergiebig, als würde man sich Recherchen zu den Skandalen in der Fleischindustrie von Tönnies bezahlen lassen.“ Der Linken-Bundestagsabgeordnete Norbert Müller, der den Haushaltstitel im Verteidigungsetat öffentlich gemacht hatte, sprach von einer „Salami-Taktik“ für das „militaristische Projekt“. Von Jahr zu Jahr werde frisches Geld in die „chronisch klamme Stiftung geblasen“. Wenn nun noch die Ausstellung aus dem Wehretat finanziert werde, zeige das deutlich, „wessen Geistes Kind dieser Bau ist.“ Die evangelische Kirche will den Turm für Friedens- und Versöhnungsarbeit nutzen. Der Wiederaufbau ist vor allem wegen der Geschichte der einstigen preußischen Militärkirche und wegen ihrer Rolle im Dritten Reich umstritten. (mit epd)

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