• Trauer um Hannelore Knoblich: „Sie setzte sich mit Kraft, Herz und Verstand für ihre Stadt ein“ 
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Trauer um Hannelore Knoblich : „Sie setzte sich mit Kraft, Herz und Verstand für ihre Stadt ein“ 

Jahrelang prägte Hannelore Knoblich Potsdams Stadtpolitik. Nun ist die ehemalige Stadträtin im Alter von 82 Jahren verstorben. Ein Nachruf.

Hannelore Knoblich trug sich 2014 in das Goldene Buch der Stadt ein.
Hannelore Knoblich trug sich 2014 in das Goldene Buch der Stadt ein.Foto: Manfred Thomas

Potsdam - Kurz bevor Corona kam, feierte Hannelore Knoblich ihren 80. Geburtstag mit einer großen Party im alten Babelsberger Rathaus. Sie hatte lange vorher überlegt: machen oder nicht machen? Doch, sie wollte. Einmal noch. Hier, in ihrem Babelsberg. Und sie kamen alle: Familie, Freunde und viele Wegbegleiter aus Partei, Politik und Potsdams Gesellschaft, darunter alle Potsdamer Nachwende-Oberbürgermeister - Horst Gramlich, Matthias Platzeck, Jann Jakobs und Mike Schubert

Über manch Zerwürfnis hinweg wurde angestoßen, und das nicht nur aus Höflichkeit. Hannelore Knoblich war dafür viel zu präsent, viel zu wichtig und prägend in Potsdams Stadtpolitik gewesen. Als Stadtverordnete für die SPD war sie von 1990 bis 1994 Stadträtin für Bildung, Jugend und Sport und bis 2014 stellvertretende Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung. Zwischendurch wurde sie Unternehmerin und führte ihr eigenes Damen-Bekleidungsgeschäft im Stern-Center.

„Hannelore Knoblich gehörte zu jenen Potsdamerinnen und Potsdamern, die sofort nach der politischen Wende 1989 Verantwortung in der Stadt übernommen haben", würdigte Oberbürgermeister Schubert sie. "Sie ist in den vergangenen drei Jahrzehnten intensiv und mit Herz für Demokratie, Chancengleichheit und Toleranz eingetreten." Zeitlebens habe sie "in ihrer resoluten Art" immer Wege gefunden, sich für den sozialen Zusammenhalt einzusetzen. "Potsdam verdankt ihr viel", so Schubert.

Hannelore Knoblich kam 1977 nach Potsdam

Bei aller Arbeit und allem Engagement stand dennoch ganz vorne ihre Familie. Viele Jahre war sie mit Brandenburgs Landtagspräsident Herbert Knoblich verheiratet, sie hatten eine Tochter und zwei Enkelsöhne, auf die sie sehr stolz war. 

Herbert Knoblich, erster Landtagspräsident von Brandenburg, verstarb im vergangenen Dezember.
Herbert Knoblich, erster Landtagspräsident von Brandenburg, verstarb im vergangenen Dezember.Foto: Bernd Settnik/dpa

Hannelore Knoblich stammte aus dem Spreewald. Nach ihrem Studium in Dresden kam sie 1977 nach Potsdam und arbeitete als Lehrerin für Kunsterziehung und Geschichte. Nach der politischen Wende trat sie in die SPD ein und behielt bei ihrem Engagement für die Stadt vor allem die Belange der Frauen und Familien im Blick. 

Als sie dennoch 1990 viele Kitas schließen und Erzieherinnen entlassen musste, hat sie das lange Zeit sehr belastet. In den ersten Jahren nach der DDR wurden Frauen in der Politik nicht immer ernst genommen und hatten es schwer, erzählte Hannelore Knoblich einmal in einem PNN-Interview. Das habe auch sie zu spüren bekommen. „Aber ich habe ein dickes Fell“, sagte Hannelore Knoblich. Und wünschte sich: „Frauen müssen mutiger sein“. 

Hannelore Knoblich an ihrem 80. Geburtstag gemeinsam mit Oberbürgermeister Mike Schubert.
Hannelore Knoblich an ihrem 80. Geburtstag gemeinsam mit Oberbürgermeister Mike Schubert.Foto: privat / Caterina Wurziger

Resolut, direkt, streitbar und doch besonnen

An Mut fehlte es ihr selbst nicht. Diese Erfahrung machte auch Potsdams vormaliger Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Er kam 1993 als Jugendamtsleiter in die Potsdamer Verwaltung, Knoblich war als Stadträtin diejenige, die ihn einstellte. Das Bewerbungsgespräch allerdings lief gar nicht gut, erinnert sich Jakobs: "Wir sind gleich beim ersten Mal aneinandergeraten." Knoblich habe ihn für einen "arroganten Wessi" gehalten, er habe ihr zum Schluss des Treffens gesagt, "ob das mit uns beiden etwas wird, das weiß ich nicht", sie habe entgegnet: "Das ist ja eine Frechheit!" Jakobs: "Und seitdem mochten wir uns."

Hannelore Knoblich sei, "rau, aber herzlich" gewesen, sehr direkt, teils auch gefürchtet, aber nicht nachtragend: "Ich habe mich immer gerne mit ihr gestritten." Und Jakobs sagt auch: "Sie hatte eine gewichtige Stimme, nicht  nur in der SPD, sondern parteiübergreifend." Er selbst habe ihr "viel zu verdanken, sie hat mich immer gefördert, und wenn ich wichtige Entscheidungen treffen musste, habe ich mich mit ihr beraten". Anfang der 1990er-Jahre waren es Knoblich und Jakobs, die unter dem damaligen Oberbürgermeister Horst Gramlich eine Strategie für den Umgang mit den Hausbesetzern entwickelten - damals waren 43 Gebäude in der Stadt besetzt.  

"Sie hat immer ihre Meinung vertreten"

Wenn Knoblich sich engagierte, in einem Gremium, auf einem Posten, dann tat sie das aktiv und nicht nur, um dabei zu sein - das war schon immer so. „Sie war nie einfach nur da, sondern hat sich ihre Meinung gebildet und diese vertreten, auch wenn das für sie dadurch unbequem war“, sagt Angela Schweers, Leiterin des Potsdamer Bezirksverbands der Arbeiterwohlfahrt, wo Hannelore Knoblich lange Zeit Vorstandsmitglied war. „Sie setzte sich mit Kraft, Herz und Verstand für ihre Stadt ein.“ 

SPD-Fraktionschefin Sarah Zalfen sagte, Knoblich sei über 30 Jahre  eine feste Größe in der Potsdamer Stadtgemeinschaft und Sozialdemokratie gewesen: "Sie war eine starke und geradlinige Frau, die anpackte und keine Furcht vor Veränderungen hatte – sie bleibt ein Vorbild.“ Der heutige Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Pete Heuer (SPD) erinnerte an Knoblichs Art, die Sitzungen des Stadtparlaments zu leiten, "die sie mit Lebenserfahrung und einem Schuss Humor auch durch schwierige Debatten manövriert hat".

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Resolut, direkt, streitbar und doch besonnen, so war ihr Auftreten. Nie war sie Parteisoldatin, stattdessen immer offen für den Blick über den Tellerrand. Gerechtigkeit war ihr wichtig. Klüngelei konnte sie nicht leiden. Zu ihrem 80. Geburtstag erzählte Mike Schubert die Anekdote, wie er ihr zum 75. gratulieren wollte und an ihrer Wohnungstür abgewimmelt wurde. Der Grund: Erst Tage zuvor hatten seine Genossen Hannelore Knoblich aus dem Aufsichtsrat der kommunalen Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) gedrängt. Das nahm sie ihnen übel, die Tür blieb zu und Schubert auf seinem Blumenstrauß sitzen. Jahre später konnten beide über den Vorfall lachen. 

2014, als sie endgültig aus der Stadtpolitik ausschied, durfte sie sich ins Goldene Buch der Stadt Potsdam eintragen. Das Bild zeigt sie elegant mit Hut und Schal: So kannte man sie. Bis zuletzt hat sie Potsdams politisches Geschehen verfolgt und mit Freunden diskutiert. 

Am Dienstag (7.6.2022) ist Hannelore Knoblich im Alter von 82 Jahren im Kreise ihrer Familie verstorben. 

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