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Think Campus am Jungfernsee : Zwei neue Hochschulen für Potsdam

Wenige Wochen nach der Fertigstellung des Think Campus am Jungfernsee steht der größte Einzelmieter fest. Es handelt sich um zwei private Hochschulen. Perspektivisch sollen 2000 Studenten am neuen Standort in Potsdam lernen.

Blick ins Atrium des Think Campus am Jungfernsee.
Blick ins Atrium des Think Campus am Jungfernsee.Foto: promo/Marcus Ebener

Potsdam - Der Studien- und Innovationsstandort Potsdam wird um zwei weitere Akteure reicher: Die beiden privaten Hochschulen University of Europe for Applied Sciences (UE) und GISMA Business School unter dem Dach des internationalen Bildungsträgers Global University Systems (GUS) siedeln sich am Think Campus am Jungfernsee in Potsdam an. Das bestätigte UE-Sprecherin Jessica Barthel den PNN auf Anfrage. Bereits ab Mai sollen sie einziehen, ab Sommer Studiengänge starten und dann nach und nach aufgebaut werden. "Wir rechnen perspektivisch mit 2000 Studenten an dem neuen Standort", sagt Barthel. Zielgruppe sind neben regionalen und einheimischen Studierenden auch Interessierte aus aller Welt. 

"Führender Innovationsstandort"

Angeboten werden Bachelor- und Masterstudiengänge etwa in Data Science, Artificial Intelligence and Digital Business oder Innovation Design. "Es handelt sich um zukunftsorientierte Studiengänge, mit denen wir auf die Anforderungen der Wirtschaft reagieren", erläutert Barthel. Warum Potsdam, warum dieser Standort? "Der Think Campus und seine Umgebung mit Firmen wie SAP sind zukunftsweisend. Die Ansiedlung von Tesla macht aus Brandenburg einen der führenden Innovationsstandorte in Deutschland, das passt perfekt", so Barthel. Die Hochschulen, erklärt Daniel Bolz, Chef von GUS in Deutschland, "finden hier in unmittelbarer Nähe Sparringspartner aus der Kreativ-und Tech-Branche". So nennt sich der neue Standort für UE auch "UE Innovation Hub". 

Internationaler Austausch

Der Bildungsträger GUS, der 42 Standorte verschiedener Hochschulen weltweit unter seinem Dach versammelt, habe sein Angebot in Deutschland erweitern wollen. "Potsdam ist eine tolle Stadt, dazu kommt die Nähe zu Berlin. Wir planen, dass der Think Campus auch ein Ort des internationalen Austausches für die Studenten anderer Gasthochschulen wird", sagt Barthel. Beide Hochschulen sind privat und kostenpflichtig, die Studiensprache ist Englisch. Bei der UE kosten Bachelorstudiengänge etwa 750 Euro monatlich, Masterstudiengänge etwa 1000 Euro. Bei der GISMA werden für ein Jahresstudienprogramm rund 15.000 bis 20.000 Euro fällig. 

Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) sagte auf Anfrage, die Entscheidung der internationalen Bildungsträger für Potsdam zeige die Attraktivität der Stadt für private Hochschulen. "Die Ansiedlung stärkt die Innovationskraft unser Landeshauptstadt, etabliert neue Studiengänge und bietet viele weitere wissenschaftliche Kooperationen. Und sie macht erneut deutlich: Zukunft wird in Brandenburg gemacht", so Schüle. "Diese guten Nachrichten sind ein weiterer großer Wurf für den Bildungsstandort Potsdam und ein wichtiger Baustein für die Forschungs- und Lehrlandschaft in der Metropolregion", schreibt auch die Land- und Bundestagsabgeordnete Saskia Ludwig (CDU) in einer Mitteilung. 

Der Think Campus am Konrad-Zuse-Ring besteht aus zwei Gebäuden. 
Der Think Campus am Konrad-Zuse-Ring besteht aus zwei Gebäuden. Foto: Ottmar Winter PNN

Mit den beiden Hochschulen steht damit der größte Einzelmieter für den Think Campus fest. 3100 Quadratmeter werden UE und GISMA nutzen - von insgesamt 8300 Quadratmetern im sogenannten Work Hub I, der vor wenigen Wochen fertiggestellt wurde. Das zweite Gebäude des Think Campus hat weitere 3000 Quadratmeter. "Der Think Campus ist sehr fokussiert auf die Tech-Branche und Start Ups aus diesem Bereich, auf Forschung und Wissenschaft, die gegenseitig voneinander profitieren", sagt Togrul Gönden, Geschäftsführer der Driven Investment, die das Projekt gemeinsam mit dem Architektenbüro Fehlig und Bollinger entwickelt hat. Gönden geht davon aus, dass der Think Campus trotz Corona ein Erfolg wird. Die Nachfrage sei bereits da, sagt er. Er sei in Gesprächen mit mehreren Interessenten. 

Der Geschäftsführer von Driven Investment, Togrul Gönden.
Der Geschäftsführer von Driven Investment, Togrul Gönden.Foto: Andreas Klaer

"Natürlich wäre es falsch zu behaupten, die Pandemie habe keine Auswirkungen auf den Büromarkt", so Gönden. "Aber wir haben hier kein Standardprodukt." Der Neubau besteht aus einem großzügigen Atrium, "ein Ort des Austausches", auch eine Terrasse gehört zu den Gemeinschaftsflächen. Das seien die "neuen Arbeitswelten", sagt Gönden, ein Konzept für die Arbeit der Zukunft. Die Nutzer sollen nicht zur zufällig im selben Gebäude ihren Arbeitsplatz haben, sondern sich auch untereinander austauschen. Auch Architekt Roger Bollinger ist davon überzeugt, dass der Think Campus bereits jenem Anspruch an das moderne Büro genügt, der durch die Corona-Pandemie beschleunigt wurde. Flexible Lösungen statt Open Space oder Zellenbüros, Teamtische für den sozialen Austausch statt Besprechungsräume, die man reservieren muss. 

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Der zweite große Nutzer ist der Coworking-Anbieter Simpli Office, der 1400 Quadratmeter anmietet. Die Firma ist bereits eingezogen in seine neuen Räume. "Mein Chef hat den Neubau gesehen und war von der spektakulären Lage und den Räumlichkeiten überzeugt", sagt Unternehmenssprecher Nils Röseler. Simpli Office sei kein klassisches Coworking-Space, betont er. "Wir denken wie bei Athleten, die eine umsorgte Struktur brauchen, um ihre maximale Leistungsfähigkeit zu bringen."

So biete man nicht nur Arbeitsplätze oder Büros, sondern auch Beratungsoptionen im Bereich Personalmanagement, die Nutzung von Sportflächen und Ruheräumen innerhalb des Hauses an. "Wir sehen Corona auch als Chance. Der Gedanke, dass Arbeit nicht immer im Büro stattfinden muss, hat sich nun verbreitet", so Röseler. Das bedeute, dass auch größere Firmen für ihre Mitarbeiter Arbeitsplätze wie im Think Campus anmieten. Die ersten zehn Leute seien bereits vor Ort, bald würden es noch mehr.

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