• Tanz-Demo in Potsdam: „Die Clubszene stirbt langsam vor sich hin“

Tanz-Demo in Potsdam : „Die Clubszene stirbt langsam vor sich hin“

Durch die Corona-Auflagen liegen Tanz- und Eventlocations still. Das ist für die Branche existenzbedrohend - im Lustgarten wurde mit einer Demonstration darauf aufmerksam gemacht. Die Polizei musste einschreiten.

Andrea Lütkewitz
In 25 aufgebauten Käfigen hatten die Demo-Teilnehmer die Möglichkeit, ausgelassen zu tanzen. 
In 25 aufgebauten Käfigen hatten die Demo-Teilnehmer die Möglichkeit, ausgelassen zu tanzen. Foto: Andrea Lütkewitz

Potsdam - Gleich zwei unabhängig voneinander angemeldete Demonstrationen im Potsdamer Lustgarten machten am Samstag (23.05.2020) auf die ähnlich gelagerte Situation der deutschen Clubszene und der kulturellen Veranstaltungsbranche in der Coronakrise aufmerksam. 

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Unter dem Motto „Stille Nacht 2020“ und „Die Clubszene steht auf und tanzt“ konnten Menschen in 25 aufgebauten Käfigen tanzen, an denen symbolisch die Namen diverser deutscher Tanzlocations angebracht waren, zum Beispiel das Münchener „P1“ oder das „Insomnia“ in Berlin. Einige Käfige blieben leer. In den anderen hielten sich maximal vier Personen auf. Es wurde darauf geachtet, dass die derzeit erlaubte Größe für Demos von 50 Teilnehmern nicht überschritten wurde. 

„Die Clubszene stirbt langsam vor sich hin“, sagte Veranstalter Marcus Weber, Betreiber des Club Laguna in den Designetagen Potsdam. Darauf wolle man aufmerksam machen. Zwar begrüße er als Veranstalter grundsätzlich die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus’ - aber es werde Zeit, dass der Branche seitens der Politik eine Perspektive eröffnet würde. Zum einen würden weitere finanzielle Förderprogramme benötigt, zum anderen wünsche man sich Konzepte für die Durchführung kleinerer Open-Air-Veranstaltungen unter Einhaltung von Corona-Auflagen.

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Wegen Corona liegt das Partyleben momentan fast komplett brach.
Wegen Corona liegt das Partyleben momentan fast komplett brach.Foto: Andrea Lütkewitz

Perspektive für kleinere Outdoor-Events gefordert

Bereits um 13 Uhr war der sogenannte Pirschheidi-Love-Truck der Potsdamer Schlager-Show-Veranstalter Torsten Kuhn und Frank Heck Richtung Hauptbahnhof gestartet - die Tour ging durch die Heinrich-Mann-Allee bis zum Wohngebiet Am Stern und wieder zurück über die Humboldtbrücke in den Lustgarten. Der mit Herzchenluftballons dekorierte LKW wurde von etwa zehn Personen in bunten Outfits begleitet, aus Lautsprechern ertönte Schlagermusik und auf einem Banner war zu lesen: „Dieser Zustand ist nicht tanzbar“. „Wir wollen etwas tun, denn sowohl Künstler, Veranstalter und anhängende Gewerke befinden sich aktuell in prekären Situationen“, sagte Torsten Kuhn. „Wir brauchen eine Perspektive und Konzepte.“ Deshalb fordere man ebenfalls Optionen für kleinere Open-Air-Veranstaltungen unter Corona-Auflagen.

"Dieser Zustand ist nicht tanzbar": Mit dem "Lovetruck" protestierte der Schlager-Veranstalter "Pirschheidi". 
"Dieser Zustand ist nicht tanzbar": Mit dem "Lovetruck" protestierte der Schlager-Veranstalter "Pirschheidi". Foto: Andreas Klaer

Zudem sei es dringend notwendig, den Zehntausenden Freischaffende in jener Branche, die im Gegensatz zu staatlich geförderten Einrichtungen keinerlei finanzielle Förderungen von Land oder Bund erhielten, zu helfen. „Solo-Selbstständige fallen durchs Raster, weil ausgezahlte Fördersummen nur für laufende Betriebskosten, aber nicht für anfallende Lebenshaltungskosten verwendet werden dürfen“, so Kuhn. In der Konsequenz müssten viele Menschen deshalb Hartz IV beantragen.

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Um die eigentliche Demo herum hatten sich zeitweilig bis zu 500 Mit-Tänzer versammelt. 
Um die eigentliche Demo herum hatten sich zeitweilig bis zu 500 Mit-Tänzer versammelt. Foto: Andrea Lütkewitz

Zu wenig Abstand sorgt für halbstündige Unterbrechung

Um die eigentliche Tanz-Demonstration des Club Laguna versammelten sich am Nachmittag um die 500 weitere Personen, für Veranstalter und Polizei war es deshalb zeitweise schwer zu kontrollieren, ob die Menschen, die in Gruppen zusammenstanden, wie erlaubt aus maximal zwei Haushalten stammten.

Wegen Verstößen gegen die Abstandsregeln musste die Veranstaltung zwischenzeitlich von der Polizei unterbrochen werden. 
Wegen Verstößen gegen die Abstandsregeln musste die Veranstaltung zwischenzeitlich von der Polizei unterbrochen werden. Foto: Andrea Lütkewitz

Darum wurde die Kundgebung gegen 17.30 Uhr von der Polizei unterbrochen, durfte aber nach etwa einer halben Stunde weiterlaufen, nachdem das Ordnungsamt die Menschen so separiert hatte, dass der vorgeschriebene Mindestabstand zu anderen hergestellt war. Die Stimmung war insgesamt friedlich und ausgelassen.

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