• Potsdam zum Tag des Fisches: Welche Lebewesen in der Havel zu finden sind

Tag des Fischs : Die Geheimnisse der Havel

Am heutigen Mittwoch ist der Tag des Fischs. Doch wie steht es um die Fische in Potsdams Gewässern? Wie haben sie den heißen Sommer verkraftet? Eine Ausfahrt mit Mario Weber, dem einzigen Berufsfischer der Landeshauptstadt.

Karpfen. Der allesfressende Fisch wird bis zu 30 Kilogramm schwer.
Karpfen. Der allesfressende Fisch wird bis zu 30 Kilogramm schwer.Foto: Birte Förster

In den frühen Morgenstunden liegt noch eine tiefe Ruhe auf der Havel. Nachdem sich die Wolken verzogen haben, kommt langsam die Sonne zum Vorschein und sorgt für einen seidigen Glanz auf dem Wasser.

Fischer Mario Weber fährt mit seinem Boot auf den Fluss hinaus. Vorbei geht es an Bäumen und Sträuchern am Ufer und unter Brücken hindurch. Von der Innenstadt aus wird die Havel Richtung Templiner See deutlich breiter. Mit sicherer Hand steuert Weber das Boot auf seiner täglichen Route. An einer Stelle in Ufernähe wird das Boot langsamer. Weber stellt sich hin, nimmt einen der mehrere Meter langen Holzpfähle, die er mit seinem Boot transportiert, und drückt diesen mit viel Kraft ins Wasser. Einer nach dem anderen wird auf diese Weise in die Tiefe gesenkt. Dann befestigt er daran ein riesiges Fischernetz. Die Arbeit als Fischer sei körperlich hart, sagt Weber. Wenn er die Pfähle in den Havelboden rammt und eindreht, geht sein ganzer Körper mit. Seit 1979 arbeitet er als Fischer auf der Havel. Und noch immer schätzt er seinen Beruf. „Ich wollte draußen in der Natur arbeiten“, sagt der 57-Jährige. Seine Berufswahl habe er nie bereut.

"Kein Tag ist wie der andere", sagt Mario Weber.

Über die Sommermonate fischen er und sein Mitarbeiter mit Hilfe von 20 Reusen, die sie an verschiedenen Stellen in der Havel aufgestellt haben. Dabei handelt es sich um riesige Netze, die unter Wasser aufgespannt werden. Etwa zweimal pro Woche nehmen sie die Fische heraus. Heute ist Weber aber nicht wegen der Fische auf dem Wasser. Die Reusen müssen regelmäßig gepflegt, die Netze gereinigt und repariert oder gegen neue ausgetauscht werden. Wie viele Fische er im Durchschnitt fängt? Weber kann keine klare Antwort geben. „Kein Tag ist wie der andere“, sagt er. „Da wäre die Fischerei viel zu langweilig.“ Es habe schon Tage gegeben, an denen alles gepasst habe und trotzdem sei nichts im Netz gewesen, erzählt er. Außerdem sei vieles im Verhalten und über die Lebensweise der Fische noch unerforscht. „Es gibt noch viele Geheimnisse in der Fischerei“, sagt Weber.

Die Havel ist ein gutes Gewässer zum Fischen

In der warmen Jahreszeit, von März bis Oktober, fange er hauptsächlich Aale, alles andere sei Beifang. Die Zander-Saison liege eher in der kalten Jahreszeit. „Wir arbeiten das ganze Jahr über“, betont er. Im Winter werden die Stellnetze – feine Netzwände in denen sich die Fische verfangen – im Wasser aufgestellt. Aale und Zander ließen sich am besten verkaufen. Bei Barsch, Hecht, Karpfen und Schleie sei die Nachfrage unterschiedlich. Ab mittags verkauft er seinen frischen Fang in seinem Laden hinter der Stadtmauer in der Großen Fischerstraße 12. Die Havel sei ein gutes Gewässer zum Fischen, sagt Weber. „Da haben wir viel Glück, dass wir hier arbeiten.“ Die derzeitige Hitzewelle wirke sich aber auf die Fische aus. Aufgrund der Wärme bewegten sich die Fische kaum. Warmes Wasser sei nicht sehr sauerstoffreich, weiß der erfahrene Fischer. Daher führen die Fische ihren Stoffwechsel herunter.

Sportbootfahrer beschädigen die Reusen, oft sei Alkohol im Spiel

Obwohl er seinen Beruf schätzt, werden die Bedingungen immer schwieriger. Mit seinem Zwei-Mann-Betrieb ist er der letzte in Potsdam, der die Fischerei erwerbsmäßig betreibt. Die Veränderung in seinem Gewerbe manifestiert sich wohl am deutlichsten in Form von schwimmenden, gelben Kugeln – sogenannte Fender. Neben den üblichen Fischernetzen und den Pfählen gehören diese inzwischen zum Inventar von Webers Fischerboot. Weber befestigt die Fender nach und nach an den Reusen, sodass sie in einigem Abstand voneinander deutlich sichtbar auf der Wasseroberfläche schwimmen. Seine Wut merkt man Weber schnell an, wenn er zu einer Erklärung ansetzt. Er, der seinen Beruf eigentlich mit Leidenschaft ausübt. „Wir müssen die Reusen zunehmend stärker gegen die Sportboote sichern“, sagt er. Dadurch gebe es immer mehr Aufwand. Immer wieder führen Sportboote durch die Reusen und beschädigten die Netze. Immer größere und schnellere Boote dürften ohne Führerschein gefahren werden, kritisiert er. Oft sei auch Alkohol im Spiel.

Die Politik interessiere sich für seine Probleme nicht, klagt Weber

Mit den knallgelben Signalen versucht der Fischer, auf die Reusen aufmerksam zu machen. Erst kürzlich sei durch ein Boot in einem seiner Netze ein Loch von vier mal vier Metern entstanden. Für Weber sind Kosten von etwa 4000 Euro entstanden. Er erstattete Anzeige. Ob er jemals etwas von dem Geld wiederbekomme, sei unklar, sagt Weber. Obwohl er in der Havel über das Fischereirecht verfügt, gebe es keine Schutzmechanismen für Fischer. Die Politik interessiere sich nicht dafür. „Es kümmert niemanden, ob es die Fischer überhaupt noch gibt“, sagt Weber ein wenig verbittert. Der Tourismus auf dem Wasser werde hingegen immer mehr gefördert.

Ein weiteres Problem sind die Stege. Obwohl laut Weber zum Teil große Stege gebaut werden und diese ihn in der Ausübung seines Fischereirechts einschränkten, würden die Fischer in solche Entscheidungen nicht eingebunden, kritisiert er. Es bleibe ihnen nur, ihr Recht einzuklagen.

Trotz aller Widrigkeiten denkt Weber nicht daran, aufzugeben. „Wir haben immer noch die ganze Freude im Beruf“, sagt er. Freude macht ihm auch sein Mitarbeiter Steven Leinert. Nach erfolgreichem Abschluss seiner Ausbildung im Juni hat Weber ihn danach sofort fest eingestellt. „Wenn er dranbleibt, kann er ein sehr guter Fischer werden“, ist Weber überzeugt. Vorher sei es mit Nachwuchs schwierig gewesen. Eigentlich habe er gar nicht mehr ausbilden wollen. Immer wieder haben Lehrlinge die Ausbildung nach kurzer Zeit abgebrochen. „Interesse am Beruf haben viele“, sagt er. Aber kaum einer wisse, was es mit sich bringt, die schwere körperliche Arbeit. Mit Leinert sei er sehr zufrieden.

Er esse jeden Tag Fisch, sagt der Fischer

Nach der Rückkehr an Land am späten Vormittag ist sein Kollege bereits mit den frischen Fischen beschäftigt. Leinert war morgens auf der Havel unterwegs, um die gefangenen Fische aus den Netzen zu holen. Es war ein erfolgreicher Morgen, der Fang besteht aus Aalen, einem Hecht und Zander. Sofort macht sich Leinert daran, den Hecht zu bearbeiten, indem er Schuppen entfernt und den Fisch anschließend filetiert. Später werden beide noch die Räucherei vorbereiten. Irgendwann wird es dann einen Moment der Muße geben, indem sie selbst die Früchte ihrer Arbeit genießen können. Er esse jeden Tag Fisch, am liebsten Räucheraal, sagt Weber, und „immer mit Genuss.“

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