• Studio verhandelt über Tykwer-Serie „Babylon“: Babelsberg will Berliner Straße weiterbauen

Studio verhandelt über Tykwer-Serie „Babylon“ : Babelsberg will Berliner Straße weiterbauen

Film fördern. Studio-Vorstand Woebcken mit Medienboard-Chefin Niehuus.
Film fördern. Studio-Vorstand Woebcken mit Medienboard-Chefin Niehuus.Foto: Thomas

Berlin/Babelsberg - Studio Babelsberg will den Wiederaufbau der Außenkulisse Berliner Straße vorantreiben. „Dafür müssen wir genügend Eigenmittel erwirtschaften – nach einem eher schwierigen vergangenen Jahr mit 2,5 Millionen Euro Verlust“, sagte Filmstudiochef Carl Woebcken am gestrigen Dienstag bei einer Pressekonferenz der Brandenburgischen Staatskanzlei anlässlich des Berlinale-Auftakts. Der Grundstein für die neue Außenkulisse auf dem Gelände zwischen Großbeerenstraße und Wetzlarer Straße war bereits im vergangenen Sommer gelegt worden. Danach stellte das Filmstudio das Projekt für insgesamt zwölf Millionen Euro aber zurück. Erste Interessenten gebe es nun schon: „Wir stehen mit der Produktionsfirma X-Filme in Verhandlungen“, sagte Woebcken. Dabei gehe es um die TV-Serie „Babylon Berlin“ von Regisseur Tom Tykwer.

Eine dauerhafte Außenkulisse ist für die Babelsberger Filmemacher im international Wettbewerb wichtig. In der Branche habe sich die Region etabliert, sagte Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD). Ein Beleg dafür sei die neunfache Oscar-Nominierung der Babelsberg-Produktion „The Grand Budapest Hotel“ von Wes Anderson. Die Dreharbeiten fanden größtenteils im sächsischen Görlitz statt. Das Medienboard hatte die Produktion finanziell unterstützt – waren 2014 insgesamt 31 Millionen Euro Fördergeld in Film- und TV-Produktionen geflossen.

Der wirtschaftliche Effekt auf die Region sei immens, so Medienboard-Förderchefin Kirsten Niehuus. Etwa das fünffache der Fördersumme werde in der Region ausgegeben, bis der Film im Kasten ist. Davon profitierten Hotel- und Gastronomiebetriebe, Handwerksmanufakturen, Firmen für Spezialeffekte, alte Autos oder Uniformen. Gian Piero Ringel, Produzent von „Everyhing will be fine“, dem neuen Film von Wim Wenders, ergänzte: „Große Produktionsfirmen bringen ja nicht immer die ganze Crew mit. Da braucht man auch mal einen Fahrer, der dann nicht mehr zum Jobcenter muss.“ Film sei eine Jobmaschine, so Niehuus.

Und wichtiges Standortmarketing: „Ich hätte als Stadt Potsdam die Glienicker Brücke den Produzenten kostenlos zur Verfügung gestellt“, sagte sie. Von Gebühren allein werde keine Kommune reich, sagte sie im Hinblick auf die Debatte, ob Potsdam Steven Spielberg, der Ende 2014 an der Glienicker Brücke einen Agententhriller drehte, für die Nutzung der Brücke nicht mehr als 838 Euro hätte berechnen müssen.

Weit mehr als 100 Produktionen wurden laut Wirtschaftsminister Gerber 2014 in Brandenburg realisiert. Die ZDF-Serie „Unsere Mütter, unsere Väter“ der in Potsdam ansässigen Ufa sei in mehr als 148 Länder verkauft worden – ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, so Gerber.

Woebcken betonte erneut, wie wichtig eine stabile Filmförderung ist – wie berichtet wollte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) den Deutschen Filmförderfonds kürzen. Die großen internationalen Produktionen würden ohne staatliche Unterstützung nach Osteuropa oder England auswandern, so der Studiochef.

Mit neun vom Medienboard geförderten Filmen beginnt am Donnerstag die Berlinale. Vier Filme, darunter „Everything will be fine“ von Wim Wenders und „Als wir träumten“ von Andreas Dresen, laufen im Wettbewerb. spy