• Umstrittener Beschluss in Potsdam: Frauennamen für die Mitte

Streit in Potsdam : Frauennamen für die Mitte beschlossen

Kulturausschuss beschließt mit breiter Mehrheit: Historische Straßen werden umbenannt. Protest kommt von Mitteschön und dem Stadtschlossverein.

Die alte Kaiserstraße auf dem Gelände der ehemaligen Fachhochschule erhält einen neuen Namen.
Die alte Kaiserstraße auf dem Gelände der ehemaligen Fachhochschule erhält einen neuen Namen.Foto: PNN / Ottmar Winter

Innenstadt - Im Zuge des Wiederaufbaus der Potsdamer Mitte sollen auch drei historische Straßen wieder angelegt werden – doch ihre früheren Namen sollen die Schloss-, die Schwertfeger- und die Kaiserstraße nicht mehr tragen. Stattdessen erhalten sie den Namen von drei Frauen. Das hat der Kulturausschuss der Stadtverordneten am Donnerstagabend mit breiter Mehrheit beschlossen. Es gab nur eine Enthaltung von Hans-Jürgen Scharfenberg (Linke), der noch einmal eine Vertagung gefordert hatte. Die AfD hatten keinen Stadtverordneten vor Ort, nur ihr sachkundiger Einwohner war gekommen.

Aus Kaiserstraße wird Anna-Flügge-Straße

Demnach wird die einstige Kaiserstraße künftig Anna-Flügge-Straße heißen und der neue Teil der Schwertfegerstraße Erika-Wolf-Straße. Der neue Teil der Schlossstraße wird zur Anna-Zielenziger-Straße, die bisherige Schlossstraße behält den Namen. Flügge war eine der ersten weiblichen SPD-Stadtverordneten, die von 1929 bis 1933 im Kommunalparlament saß. Erika Wolf war die langjährige Ehrenvorsitzende der Brandenburg CDU, Anna Zielenziger die 1943 von den Nationalsozialisten ermordete Leiterin des jüdischen Frauenvereins in Potsdam. Die Vorschläge kamen aus dem Potsdamer Projekt Frauenwahllokal.

Wenig Kritik im Ausschuss

Götz Friederich, CDU-Kreischef, sprach sich gegen die Umbenennung aus. „Ich weiß nicht, ob wir uns damit einen Gefallen tun“, sagte er. Gleichwohl stimmte Anna Lüdcke, die für die CDU den Ausschuss besucht, für den Vorschlag. Sarah Zalfen (SPD) betonte, dass der Fokus mehr auf die Leistungen von Frauen gerichtet werden müsse. Die Straßennamen müssten sich an die Lebensrealität der Menschen anpassen. Die Stadt sei „ein Raum, der auch Veränderungen zeigt“. Es sei wichtig, auch die Frage zu stellen, „welche Errungenschaften sollen es sein, die in unserem städtischen Raum sichtbar werden?“. Ausschussvorsitzende Jenny Pöller (Die Andere) verwies auf den historischen Wert von Frauen. Oft seien sie in der Vergangenheit übersehen worden. „Mir ist die Sichtbarkeit von Frauen sehr wichtig“, sagte sie.

Mitteschön protestierte

Im Vorfeld hatte es schon Proteste gegeben. Die Initiative Mitteschön hatte erklärt, die ursprünglichen Straßennamen würden „untrennbar zum Gedächtnis der Stadt“ gehören, auch von einem „Bildersturm“ gegen „jegliche Tradition“ war darin die Rede. Und mindestens jedes Geschäft und auch jeder Anwohner werde „sich glücklich schätzen, eine Adresse wie Kaiser- oder Schlossstraße zu haben“. Am Donnerstagvormittag meldete sich dann noch der Stadtschlossverein zu Wort – vor allem gegen die Umbenennung der Schlossstraße. Solche politischen Benennungen würden sich verbieten, erklärte Vereinssprecher Willo Göpel: „Hier geht es um Orientierung und erlebbare Stadtgeschichte, nicht um die Ehrung verdienter Politiker – diese Tradition des 20. Jahrhunderts ist unselig.“ Das letzte Wort haben nun die Stadtverordneten am 6. November. 


* In einer ersten Version hieß es, die AfD sei gar nicht anwesend gewesen. Allerdings war ihr sachkundiger Einwohner vertreten, der aber kein Stimmrecht hatte. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.