• Stadtteilschule Drewitz: Grün als Zeichen der Hoffnung

Stadtteilschule Drewitz : Grün als Zeichen der Hoffnung

Die Stadtteilschule in Drewitz ist fertiggestellt. Sie soll ein Ort des Lernens und der Begegnung werden.

Grit Weirauch
Freude schöner Götterfunken: Die Grundschüler sangen zusammen mit der Kammerakademie am Montagvormittag das Stück von Beethoven, während Luftballons aufstiegen. Die neue Mensa (oben) ist der Hingucker in dem sanierten Gebäude.Alle Bilder anzeigen
Fotos: Manfred Thomas
05.08.2013 22:25Freude schöner Götterfunken: Die Grundschüler sangen zusammen mit der Kammerakademie am Montagvormittag das Stück von Beethoven,...

Drewitz – In einem Klassenraum neben dem Kochstudio stapeln sich noch die Umzugskartons. Insgesamt 500 seien es gewesen, sagt Schulleiterin Elvira Eichelbaum. Innerhalb von anderthalb Jahren erlebte Eichelbaum zweimal den Umzug ihrer Schule. Zuerst übergangsweise an den Schlaatzer Schilfhof, nun zurück in die Oskar-Meßter-Straße in der Nähe der Konrad-Wolf-Allee. Inzwischen sind alle Kartons ausgepackt, die letzten Baufahrzeuge abgefahren, der neu gestaltete Schulhof in den vergangenen Tagen schnell bepflanzt worden. In den Gängen riecht es noch nach Farbe. Die Fertigstellung gelang auf den letzten Drücker – aber noch rechtzeitig, so dass pünktlich zum Beginn des Schuljahr die Stadtteilschule Drewitz eröffnet werden konnte.

Hunderte Kinder und Eltern, Lehrer und ein großes Aufgebot an Politikern feierten die Einweihung des Gebäudes als ersten Höhepunkt der künftigen Gartenstadt Drewitz. Oberbürgermeister Jann Jakobs und Bildungsministerin Martina Münch waren gekommen, und auch Ministerpräsident Matthias Platzeck (alle SPD). Für ihn ist die Schule „eine der schönsten Schulen, die ich je gesehen habe“, wie er bei der Feier sagte. „Ich hoffe, dass sie offen ist für alle Drewitzer.“ Genau darin soll sich die Schule von anderen Potsdamer Einrichtungen unterscheiden. In dem als sozialer Brennpunkt bekannten Stadtteil wird in dem Gebäude auf einer Fläche von 500 Quadratmetern ein Begegnungszentrum integriert, Vereine und Initiativen sollen außerdem Räumlichkeiten der Schule mitnutzen können. Das Begegnungszentrum werde am 5. November eröffnet, kündigte die künftige Leiterin Kathleen Walter an.

Für Schüler und Eltern ist mit dem Umzug nun auch die Phase des Pendelns vorbei. „Es war schon anstrengend“, erinnert sich Kathleen Letzel, Mutter zweier Mädchen, an die Zeit: „Täglich mussten die Kinder mit dem Schulbus fahren.“

Gekostet hat die Sanierung des DDR-Schulplattenbau sechs Millionen Euro. Das Land bezuschusste das Projekt mit zwei Millionen Euro, von der Stadt kommen 1,5 Millionen. Der Rest wird vom KIS über Kredite aufgebracht. Der Schultyp Erfurt ist nach der Sanierung nicht einmal mehr zu erahnen. Statt des alten Verbindungsbaus wurde ein neuer aus Glas errichtet. In dem offen gestalteten und Weite vermittelnden Neubau ist ein Musikraum und ein großer Saal mit 120 Plätzen für Veranstaltungen entstanden. Die Kammerakademie Potsdam wird künftig öffentliche Konzerte in dem Saal geben und Workshops für die Kinder leiten. Die vorherrschende Farbe in dem Gebäude ist grün – wohl auch als Zeichen für Hoffnung: Fußboden, Vorhänge, Deckenleuchten und Treppen erstrahlen in Grün. Die Farbe steht aber auch für das auf Ökologie ausgerichtete Konzept der Schule – Umweltbewusstsein steht in den Lerninhalten an oberster Stelle.

Die Mensa ist innenarchitektonisch ein Hingucker und erinnert eher an eine Berliner Lounge als an Schulspeisung. Eine farbenfrohe Sitzecke, die Decke mit grünen Scheiben gestaltet – so sollen die Kinder in stilvoller Atmosphäre essen. Im benachbarten Kochstudio lernen die Kinder künftig die Zubereitung von Mahlzeiten, aber auch für Vereine steht es offen. Seit die Stadt die Schulspeisung für bedürftige Kinder finanziell unterstützt, hat sich die Zahl der Esser bereits rapide erhöht. Mit den neuen Räumlichkeiten werden es vielleicht noch mehr.

Allerdings könnte es dann auch eng werden. Lediglich 80 Plätze stehen zur Verfügung – derzeit nehmen bereits 200 Kinder ihr Mittagessen in der Schule ein. Eigentlich wollte Elvira Eichelbaum eine sogenannte Frischeküche in ihrem Haus sehen, wo vor Ort die Mahlzeiten zubereitet werden. Aus Kostengründen ist es lediglich eine Aufwärmküche geworden. Damit ging in dem Bauprozess auch eine Ursprungsidee der Stadttteilschule verloren. Alle sollten in der Schule essen: Eltern, Senioren, Sportvereine am Abend. Dass die Schule gut angenommen werden wird, ist sich Eichelbaum sicher. „Dieses Haus vermittelt so viel Freude und Glück“, sagt sie. „Die Kinder sind überwältigt.“ Manch einer wolle nun nur noch Einsen schreiben.