• Stadtentwicklung in Potsdam: Müssen neue Häuser wirklich immer so hoch sein?

Stadtentwicklung in Potsdam : Müssen neue Häuser wirklich immer so hoch sein?

Beim Potsdamer Stadtforum wurden verschiedene Bauprojekte diskutiert. Dabei gab es zum Teil harsche Kritik - und Vorschläge für mehr Wohnraum.

Am Kahleberg in Waldstadt II soll ein Zwölfgeschosser entstehen.
Am Kahleberg in Waldstadt II soll ein Zwölfgeschosser entstehen.Foto: Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin

Potsdam - Der Berliner Architekt Dieter Eckert hat die Pläne für mehrere Hochhäuser in Potsdam kritisiert. Auf der jüngsten Sitzung des Stadtforums am Donnerstagabend im Treffpunkt Freizeit sagte Eckert, der am Rand der Waldstadt II in der Straße Zum Kahleberg vorgesehene Zwölfgeschosser sei dort wohl eher fehl am Platz.

„Aus stadtplanerischer Sicht erschließt sich dieses Hochhaus nicht unbedingt“, begründete der Architekt seine Ansicht. Denn: „Ein Hochhaus sollte eigentlich immer eine Bedeutung haben“, also zum Beispiel einen Stadteingang oder ein Zentrum markieren. Hier jedoch sei nichts dergleichen erkennbar. Auch an den Plänen für den künftigen Stadtteil Krampnitz äußerte Eckert seine Zweifel. Die dort am Südrand des geplanten Stadtteilparks vorgesehenen sechs Siebengeschosser halte er an dieser Stelle ebenfalls für verfehlt.

Wie hoch? Wie dicht?

Die Sitzung des Stadtforums, auf der Eckert zu Gast war, stand diesmal unter dem Thema „Potsdam - Wie hoch? Wie dicht?“. Das Stadtforum ist eine zivilgesellschaftliche Initiative, die seit mehr als 20 Jahren Diskussionsveranstaltungen zur Potsdamer Stadtentwicklung organisiert. Die Stadtverwaltung unterstützt dieses Format finanziell.

Harsche Kritik gab es am Donnerstagabend auch an den umstrittenen Plänen für das Digitalzentrum auf dem Gelände des einstigen Reichsbahnausbesserungswerks (RAW) nahe dem Hauptbahnhof. Ludger Brands, Architekturprofessor an der Potsdamer Fachhochschule, störte sich an den Ausmaßen des geplanten Projekts. Dadurch würden die Bestandsbauten quasi erdrückt. „Ich finde es einen katastrophalen Bebauungsvorschlag“, so Brands. „Die Stadtverordneten werden erpresst mit 1400 Arbeitsplätzen“, erklärte der Architekt. Man benötige für das Gelände zunächst klare Regelungen, an die sich dann der Investor halten müsse, sagte Brands.

Buch-Autor machte Vorschläge für mehr Wohnraum

Der frühere Brandenburger Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) stellte indes die Frage, warum sich Potsdam überhaupt auf die Vorgaben des RAW-Investors einfach so einlasse. Generell müsse es sich die Stadt im Interesse der städtebaulichen Qualität auch erlauben dürfen, „den einen oder anderen Vorhabenträger mal etwas länger warten zu lassen“.

Alternative Lösungsansätze zur Schaffung des dringend benötigten neuen Wohnraums bot auf der Sitzung des Stadtforums Daniel Fuhrhop, Autor des Buches „Verbietet das Bauen!“. Er warb dafür, bestehende Häuser effektiver auszunutzen, etwa durch Dachausbauten oder Wohnungsverkleinerungen. So könnten neue abgetrennte Wohnungen geschaffen werden. Zugleich warb Fuhrhop für das Prinzip „Wohnen für Hilfe“, das es schon in 35 Orten, nicht aber in Potsdam, gebe. Dabei ziehen - vor allem junge - Leute zu hilfsbedürftigen älteren Menschen in deren oftmals recht große Wohnungen mit ein und helfen diesen dafür im Alltag.