• Stadtentwicklung in Potsdam: Die Keimzelle Babelsbergs verschönern

Stadtentwicklung in Potsdam : Die Keimzelle Babelsbergs verschönern

Das Rathaus will die Stadtentwicklung am Neuendorfer Anger vorantreiben und 15 Hektar zum Entwicklungsgebiet umwandeln. Südlich der Dieselstraße soll Platz für neue Wohnungen entstehen.

Der Neuendorfer Anger in Potsdam.
Der Neuendorfer Anger in Potsdam.Foto: A. Klaer

Potsdam - Zu viel Lärm und Gestank, eine lange Stromleitung, eine oberirdische Fernwärmetrasse, teils kaum nutzbare Straßen und chaotische Bebauung: Aus Sicht der Bauverwaltung weist das rund 15 Hektar große Stadtgebiet rund um den Neuendorfer Anger erhebliche Defizite auf. Daher will die Rathausbehörde das Areal zwischen Horstweg, Friedrich-Engels- und Nuthestraße in den nächsten Jahren als sogenannte städtische Entwicklungsmaßnahme ausweisen – um die Lage vor Ort zu verbessern und um die sich dort befindenden Kleingärten zu sichern. Allerdings stoßen die Planungen auf Widerstand von Investoren, die in dem Gebiet andere Interessen verfolgen.

Am Dienstagabend wurde der Stand der Überlegungen, die auf Beschlüssen der Stadtverordneten aus den Jahren 2013 und 2015 fußen, im Bauausschuss vorgestellt. So habe der Standort unter anderem wegen der günstigen Verkehrsanbindung ein großes Potenzial, heißt es in einem Konzeptpapier aus der Bauverwaltung. Allerdings bestehe derzeit neben der schlechten Erschließung und ungünstigen Grundstückszuschnitten ein „ungeordnetes Nebeneinander“ sich teils widersprechender Nutzungen von Gewerbe- und Wohngebäuden. Das soll zum Teil neu geordnet werden, fordert das Konzept. Ferner wirke etwa der denkmalgeschützte Neuendorfer Anger – immerhin die historische Keimzelle von Babelsberg – wie eine Sackgasse und biete noch wenig Aufenthaltsqualität. Zudem bestünden Baulücken, heißt es in dem Konzept weiter.

Fuß- und Radwegenetz soll verbessert und erweitert werden

An diesen Defiziten will die Stadt arbeiten – auch um neuen Platz in der wachsenden Stadt zu schaffen. Sollten die Stadtverordneten für die Entwicklungsmaßnahme stimmen, würde das rund 4,7 Millionen Euro Kosten verursachen, hieß es im Ausschuss. Dem gegenüber stünden Einnahmen aus kommunalen Grundstücksverkäufen von rund drei Millionen Euro. Für das noch bestehende Finanzierungsdefizit würden mögliche Lösungen geprüft, hieß es. Mit einer solchen Entwicklungsmaßnahme hat eine Kommune die Chance auf Fördermittel – allerdings stünden solche Gelder derzeit nicht in Aussicht, hieß es. Daher müsse die Stadt für die Anschubfinanzierung sorgen. 

Konkret wolle man für das Geld etwa das Fuß- und Radwegenetz verbessern und ausweiten. Ebenso sollen Möglichkeiten für geringere Geruchsimmissionen durch das Pumpwerk der Stadtwerke an der Dieselstraße untersucht werden. Für den Neuendorfer Anger selbst ist im Norden unter anderem ein Spielplatz vorgesehen. Eine in der Friesenstraße 11–13 vorhandene Werkhalle sowie ein Bürogebäude würden nicht mehr in die Umgebung passen – hier wird von der Bauverwaltung eine Verlagerung der dortigen Betriebe auf neu zu schaffende Gewerbeflächen am Horstweg vorgeschlagen. „Hierdurch würde der Bereich an der Friesenstraße als Wohnstandort aufgewertet“, heißt es in dem Konzept.

Südlich der Dieselstraße sollen neue Flächen für den Wohnungsbau entstehen

Zusätzliche Flächen für den Wohnungsbau sollen südlich der Dieselstraße entstehen – und Verkehrswege wie der Hakendamm, die Wattstraße oder die Friesenstraße ausgebaut oder verlängert werden. Geprüft werden soll, ob man die Fernwärmetrasse auch unterirdisch führen kann und ob sich die 110-Kilovolt- Freileitung verlegen lässt. 

Ein weiteres Ziel sei die bessere Erlebbarkeit der gärtnerisch genutzten Flächen im Südosten für die Öffentlichkeit, heißt es in dem Konzept – etwa durch die Schaffung von Spielflächen und Sitzmöglichkeiten sowie Naturlehrpfaden und allgemein zugänglichen Streuobstwiesen. Konkret geht es um die Gartensparten Süd-West und Angergrund. 

Um Letztere gibt es Streit: Wie berichtet will der Eigentümer, die Berliner Immobilienfirma Tamax, gerichtlich die Räumung der Gärten durchsetzen und dort 500 Wohnungen bauen. Allerdings gibt es vor Ort noch keinen gültigen Bebauungsplan. Mit ihren Planungen will die Stadt dem Investor nun das Leben schwer machen. Denn Ziel sei eben der weitgehende Erhalt der gärtnerischen Nutzung, heißt es in dem Konzept – auch um das Gebiet als „Frischluftschneise für Babelsberg“ zu erhalten. 

Daher sei auch damit zu rechnen, dass die Planungen der Stadt zum Angergrund für rechtliche Auseinandersetzungen vor dem Oberverwaltungsgericht sorgen, machte Stadtplanungschef Andreas Goetzmann im Ausschuss deutlich – zumal laut dem Konzept sogar Enteignungen erwogen werden. Damit das Gesamtvorhaben den Gang vor Gericht „lebend überstehe“, müssten die Planungen sorgfältig vorgenommen werden. Daher könne er auch noch keinen genauen Starttermin für die Entwicklungsmaßnahme nennen, sagte Goetzmann.

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