• Stadt stellt Konzept vor: Eigener Wohnraum für Geflüchtete
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Stadt stellt Konzept vor : Eigener Wohnraum für Geflüchtete

In Potsdam sollen fünf große Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge umgebaut werden. Die Kosten der Maßnahmen stehen noch nicht fest.

Die Flüchtlingsunterkunft in der Potsdamer David-Gilly-Straße.
Die Flüchtlingsunterkunft in der Potsdamer David-Gilly-Straße.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - In spätestens drei Jahren sollen alle Flüchtlinge in Potsdam in eigenen Wohnungen oder zumindest wohnungsähnlichen Unterkünften untergebracht sein. Dieses Ziel gab Sozialdezernentin Brigitte Meier (SPD) am Mittwoch vor Journalisten aus. Das Konzept der Stadt sieht dafür den Umbau von insgesamt fünf großen Gemeinschaftsunterkünften vor – in Groß Glienicke, Pirschheide, Marquardt, in der Zeppelinstraße und in der David-Gilly-Straße. 

Bis Ende März sollen für diese Heime Machbarkeitsstudien erarbeitet werden, in denen die konkreten Details, auch zu den Kosten, geklärt werden sollen. Geplant sei es, die Gebäude so umzubauen, dass Großfamilien ebenso wie Einzelpersonen jeweils für sich abgeschlossene Bereiche mit eigenem Bad und eigener Küche zur Verfügung stehen. 

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Viele Geflüchtete müssen sich Bäder und Küchen teilen

Bislang müssten sich viele Geflüchtete in den Unterkünften Bäder und Küchen teilen, sagte Katja Fisch vom Bereich Wohnen der Stadtverwaltung. Im Heim in Groß Glienicke beispielsweise gebe es 30 Zimmer pro Etage, aber nur eine Küche. Eine solche Situation begünstige auch Corona-Ausbrüche, sagte Meier. Schon deswegen müsse die Stadt handeln. Den konkreten Auftrag für ein entsprechendes Konzept hatten allerdings im Juni die Stadtverordneten mit einer breiten Mehrheit erteilt.  

Sozialdezernentin Brigitte Meier (SPD).
Sozialdezernentin Brigitte Meier (SPD).Foto: Andreas Klaer

Laut Rathaus verfügen derzeit nur 578 der insgesamt 1303 Plätze in den 14 Gemeinschaftsunterkünften der Stadt dem im Beschluss geforderten Standard. Das entspricht einer Quote von 44 Prozent. Für 725 Plätze besteht Handlungsbedarf, der jedoch nicht allein durch Umbauten gedeckt werden kann. Denn drei Heime – in der Hegelallee, im Handelshof und im Konsumhof – müssen perspektivisch geschlossen werden. Letzteres mit knapp 50 Plätzen bereits Ende Januar 2021, jenes im Handelshof, das Platz für 142 Geflüchtete bietet, Ende 2021und das in der Hegelallee (13 Plätze) Ende 2022. Grund sind auslaufende und nicht verlängerbare Verträge sowie im Falle der Hegelallee die Nichteignung der Räume als Unterkunft unter Pandemiebedingungen. 

Stadt plant auch Neubauten

Ersatz für diese wegfallenden Plätze will die Stadt durch Neuanmietungen, aber auch durch Neubauten schaffen. Für Letzteres arbeite man gerade mit der stadteigenen Bauholding Pro Potsdam an einem Konzept, sagte Meier. Ziel sei der Bau von „kompakten Wohnungen“ mit einer Größe von 60 bis 80 Quadratmetern, einer großen Wohnküche und zwei Sanitärräumen. 

Solche seien beispielsweise für Großfamilien gut geeignet, würden aber normalerweise im sozialen Wohnungsbau so nicht geplant. Neben Geflüchteten seien diese Angebote auch für Obdachlose oder Frauen aus Frauenhäusern gedacht, so die Beigeordnete. Geschaffen werden soll dieser Wohnraum durch Nachverdichtung in bestehenden Quartieren in der ganzen Stadt, hieß es.  

Erste Umverlegungen schon für dieses Jahr geplant

Aktuell sind 1013 Flüchtlinge in den Heimen der Stadt untergebracht. Gut 300 davon, es geht dabei um 195 Haushalte, sollen bereits bis Jahresende möglichst in einer wohnungsähnlichen Unterkunft untergebracht sein. Dabei gehe es zunächst um Umverlegungen unter den bestehenden Bedingungen.  

Wie hoch die Kosten für all diese Maßnahmen sind, steht noch nicht fest. Für die Machbarkeitsstudien inklusive Planung kalkuliert die Stadt mit 36 000 Euro, für Neuanmietungen als Ersatz für die wegfallenden Plätze im Konsumhof stehen 2021 insgesamt 81 000 Euro zur Verfügung. Eine weitere halbe Million Euro wird im nächsten Jahr voraussichtlich für die Anmietung von Apartments für Einpersonenhaushalte benötigt.

Initiative Seebrücke kritisiert lange Übergangszeiten

Simon Wohlfahrt von der Initiative Seebrücke sagte bei der Präsentation des Konzeptes am Abend im Hauptausschuss, die dezentrale Unterbringung sei auch für die Integration von Flüchtlingen in die Gesellschaft wichtig. Aus Sicht der Initiative seien die Übergangszeiten zu lang, äußerte er als einen Kritikpunkt. Ferner nutze die Ausländerbehörde ihren Ermessensspielraum nicht aus, wenn es um den Auszug von geduldeten Flüchtlingen oder Personen im Asylverfahren in Wohnungen gehe - das betreffe rund 800 Menschen. Dies werde unverständlicherweise in dem Maßnahmenplan nicht erwähnt. Die Ausländerbehörde war bereits mehrfach schon als überlastet kritisiert worden.

Maria Pohle vom Migrantenbeirat sagte, das Konzept sei noch nicht gänzlich fertig, es befinde sich noch „in der Arbeitsphase“. Auch Dezernentin Meier sagte, die Umsetzung werde noch Jahre in Anspruch nehmen.  Kritik gab es im Ausschuss von der AfD: Die Konzentration von Heimen auf bestimmte Stadtteile werde mit dem Konzept nicht vermieden, monierte AfD-Fraktionschef Chaled-Uwe Said. Weitere Kritik gab es nicht. 

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