• Sommer in Potsdam: Suche nach Abkühlung

Sommer in Potsdam : Suche nach Abkühlung

Was die Potsdamer gegen die Hitze tun, wo es besonders kühl ist und warum Schatten nicht immer eine gute Idee ist.

Sophie Skeisgerski Anna Köhler
Foto: Felix Hackenbruch

Potsdam schwitzt. Eis essen, baden gehen oder einen klimatisierten Raum aufsuchen: Wer kann, findet sich eine kleine Erfrischung im Alltag. Die PNN geben einen Überblick darüber, wie die Stadt mit der Hitze umgeht.

Ab ins Wasser

Bei den hochsommerlichen Temperaturen zieht es die Menschen ins Wasser: Potsdams Strandbäder verzeichnen seit Saisonbeginn rekordverdächtige Besucherzahlen. 85 000 Gäste kamen seit Ende April in das Strandbad Babelsberg und das Waldbad Templin – 48 Prozent mehr als erwartet, so Stadtwerkesprecher Stefan Klotz. „Wenn das Wetter weiterhin so sommerlich bleibt, rechnen wir mit einem neuem Besucherrekord bei den Strandbädern“, sagt Klotz. Bisheriger Rekordhalter ist 2015 mit rund 106 000 Gästen. Die Wasserqualität in den Seen ist laut Stadt gut – mit Ausnahme des Fahrländer Sees, für den wegen Blaualgen weiter Badeverbot gilt.

Ab auf das Wasser

Ein schattiges Plätzchen und viel Wasser: Der Floßverleih „Huckleberry Tours“ profitiert von der Hitze. Die Flöße seien fast durchgehend vermietet, erklärt Geschäftsführer Ole Bemmann. Die hohe Nachfrage mache die Arbeit am Floßverleih umso anstrengender, da die Mitarbeiter pausenlos in der Sonne seien. Der Umsatz von Bemmanns Firma wachse in der Regel um 15 bis 30 Prozent pro Jahr. Dank des Wetters prognostiziert der Geschäftsmann für dieses Jahr sogar ein Plus von 40 Prozent.

Obacht im Schatten

Was wäre in der Hitze selbstverständlicher, als den Schatten großer Bäume zu suchen? Doch gerade davor warnt die Schlösserstiftung derzeit. „Wir hatten wegen der Trockenheit bereits zehn Starkastabbrüche, es ist wirklich gefährlich, sich im Schatten alter Bäume aufzuhalten“, sagt Stiftungssprecher Frank Kallensee. In den Welterbeparks wird gewässert, allerdings vor allem die Jungbäume. Drei Gärtner sind allein zwischen Klaus- und Ruinenberg ausschließlich mit Gießen beschäftigt. Die Mehrheit der Brunnen in den Parks und Gärten hat die Stiftung ausgeschaltet, um Wasser zu sparen. Nur die große Fontäne vor Schloss Sanssouci, die Brunnen an den Jubiläumsterrassen der Orangerie und das Oranier-Rondell sind laut Kallensee noch in Betrieb, alle anderen Wasserspiele sind vorerst stillgelegt.

Gesund bleiben

Entgegen der Erwartungen wirkt sich die aktuelle Hitzewelle nicht übermäßig auf die Gesundheit der Potsdamer aus. Trotz der hohen Temperaturen gibt es keinen erkennbaren Anstieg der Fälle in den Notaufnahmen und Rettungsstellen aufgrund von Kreislaufproblemen oder Dehydrierung. Dies bestätigten Sprecher des kommunalen Bergmann-Klinikums und des St. Josefs-Krankenhauses. Die Situation sei „entspannt“, so Pressesprecher Benjamin Stengl. Er betont, es sei nach wie vor wichtig, viel zu trinken. Außerdem sollte Sport reduziert oder in den Morgenstunden getrieben, Alkohol vermieden, Kopfbedeckungen und Schattenplätze genutzt werden, sagt Damaris Hunsmann, Sprecherin des Bergmann-Klinikums.

Eiszeit

In den Eiscafés ist man überrascht: Der Eiskonsum der Potsdamer ist nicht ungewöhnlich hoch in diesem Sommer. Lea Bisle steht als Aushilfe am Eisfenster der Eismanufaktur in der Brandenburger Straße. „Es ist zu warm, die Leute sitzen lieber am Wasser oder drinnen“, sagt sie. Die meisten Gäste kämen ab 15 Uhr und bis in den Abend hinein, wenn es nicht mehr ganz so heiß ist. Die Eismanufaktur verkauft trotz der Flaute in der heißen Mittagszeit rund 1000 Kugeln Eis am Tag. Besonders gut laufen Sorten wie Erdbeer-Minze oder Fruchtsorbets.

Ein kühles Gläschen

In den Potsdamer Getränkemärkten freut man sich über die hohen Temperaturen, denn es wird deutlich mehr verkauft als in den kalten Monaten. Generell gilt: je kälter das Getränk, desto besser. Besonders beliebt ist Eistee und Mate in allen Variationen, sagt Ingolf Bommersbach von Getränkemarkt Lehmann. „Anstelle von Spirituosen geht während der heißen Tage besonders viel Wasser und Bier über die Theke“, sagt er. Doch es gibt ein Problem: Die Lieferanten können der erhöhten Nachfrage gar nicht nachkommen und so bleibt schon mal ein Regal leer.

Kalter Kaffee

Im Buena Vida Coffee Club kommt die Eiswürfelmaschine in diesem Sommer an ihre Grenzen. Statt 30 Kilogramm verbrauche das Café am Bassinplatz momentan rund 50 Kilogramm Eiswürfel am Tag – 20 Kilo müssen zugekauft werden. Das erzählt der Inhaber Patrick Berger. Der Grund: Die Gäste bestellten derzeit fast ausschließlich kalte Getränke. „Cold Brew geht weg wie warme Semmeln“, erklärt Patrick Berger. Der heißeste Arbeitsplatz im Laden ist am Kaffee-Röster: Hier herrscht laut Berger eine Temperatur von 47 Grad.

Kühle Orte

Bei 22 Grad und leiser Musik lässt es sich in der Salzgrotte in der Yorckstraße aushalten. Zum Lernen und Arbeiten bietet die Stadt- und Landesbibliothek im ersten Stock mit dem Lesesaal Brandenburgica einen auf 23 Grad klimatisierten Raum. Im Erdgeschoss der Bibliothek können lediglich die Füße gekühlt werden. Die Fußbodenheizung werde momentan mit kaltem Wasser betrieben und lade zum Barfußgehen ein, sagt Direktorin Marion Mattekat. Im Museum Barberini sei das Wohlbefinden der Besucher lediglich ein „schöner Nebeneffekt“, erklärt der Haustechniker Carsten Loeper. Der Schutz der Kunst stehe im Mittelpunkt, vorgegeben sei eine stabile Temperatur von 24 Grad. Ein Schaufensterbummel bei ebenfalls 24 Grad ist im Stern-Center möglich.

Schutz für Tiere

Tierärztin Anja Laabs hat in diesem Sommer schon einen Hund und einen Waschbären gerettet, die der Hitze zu lange ausgesetzt waren. In solchen Notfällen helfe nur eine Infusion. Doch so weit muss es laut Laabs gar nicht erst kommen. Alle Tiere, ob Wild- oder Haustier, verfügen über ein „ausreichendes Verhaltensrepertoire“, um sich vor der Hitze zu schützen. Doch das muss der Halter ermöglichen. Hunde legen sich bei Hitze auf kalten Untergrund, um so Wärme abzugeben. Deshalb sei es wichtig, kühle Oberflächen bereitzustellen, wie Fliesen oder Holzböden. Außerdem rät sie, alle Hunde zu scheren: „Das ästhetische Moment ist nicht ausschlaggebend, sondern das Befinden der Tiere.“ Auch Wildtieren könne mit einfachen Mitteln wie einer Schüssel mit frischem Wasser geholfen werden.

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