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Sicherheitsbedenken verhindern Bildungschancen : Trotz Digitalunterricht: Potsdamer Schulen dürfen mobile iPads nicht an Schüler verleihen

Potsdamer Schulen wollten eigentlich einige mobile Laptops an Schüler aus finanzschwachen Familien ausleihen. Doch das hat der IT-Bereich im Rathaus jetzt abgelehnt - unter Verweis auf Sicherheitsbedenken.

Computer-Verleih verboten: Die Ludwig-Renn-Grundschule in Eiche.
Computer-Verleih verboten: Die Ludwig-Renn-Grundschule in Eiche.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Für den anstehenden Distanz- und Digitalunterricht an Potsdamer Schulen war es Anfang der Woche eine schlechte Nachricht: 2300 Rechner, die Schüler aus finanziell schwächer gestellten Familien dafür nutzen sollen, sind bisher wegen Lieferschwierigkeiten des Herstellers Apple noch nicht da. Nun stellt sich nach PNN-Recherchen heraus: Selbst Computer, die eigentlich an den Schulen schon länger vorhanden und vor Corona-Zeiten gekauft worden sind, können von Schülern nicht zu Hause genutzt werden.

Eine Grundschule wollte iPads verleihen

Demnach gab es zum Beispiel ein Gesuch der „Ludwig Renn“-Grundschule in Eiche, ob für den Distanzunterricht in der Schule vorhandene iPads an Schüler ausgegeben werden können. Doch das erlaubt das Rathaus nicht. „Es bestehen seitens des IT-Bereichs der Landeshauptstadt große Bedenken hinsichtlich der Sicherheit“, sagte Stadtsprecher Markus Klier am Freitagabend auf PNN-Anfrage. Der Grund: Eine Verwendung in den Schulen nach dem Einsatz im Distanzlernen wäre „erst wieder zulässig, wenn diese iPads zuvor einer umfassenden Sicherheitsüberprüfung unterzogen beziehungsweise komplett neu aufgesetzt werden.“ Dies sei erforderlich, da die Geräte bei der Nutzung in fremden Netzwerken „als kompromittiert beziehungsweise nicht mehr frei von Schadsoftware betrachtet werden können“. So ein Wechselbetrieb zwischen der Nutzung außerhalb und in der Schule sei daher „leider keine Option“.

Kein Einzelfall

Das Problem der Renn-Schule ist dabei kein Einzelfall. „Wir haben es aktuell in Potsdam nicht nur mit einer Schule zu tun, die berechtigte Wünsche äußert“, so der Sprecher. Man arbeite „intensiv an Lösungen“, um die Wünsche zumindest teilweise erfüllen zu können. So prüfe man unter anderem „die Beschaffung von Mietgeräten“, so Stadtsprecher Klier. Neben der Prüfung solcher Angebote müssten „zudem auch die vergaberechtliche Möglichkeit sowie die Bereitstellung der finanziellen Mittel geprüft werden“ – also ob man eine monatelange Ausschreibung starten muss und woher das Geld kommen soll. Die Analyse wolle man bis Mitte Januar 2021 abschließen. Derzeit ist der Distanzunterricht vom 4. bis 10. Januar vorgesehen, allerdings ist unklar, ob die Schulen nicht noch länger schließen müssen.

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