• Serie zur Landtagswahl 2019: Wahlkreis 21: Die Grünen preschen vor

Serie zur Landtagswahl 2019 : Wahlkreis 21: Die Grünen preschen vor

Der Potsdamer Innenstadt-Wahlkreis 21 galt immer als SPD-Hochburg – doch dieses Mal könnten die Grünen das Rennen machen. In unserer Serie stellen wir die Wahlkreise der Stadt und ihre Themen vor.

Foto: Lutz Hannemann

Potsdam - Zum Wahlkreis 21 gehören die nördliche Innenstadt, Babelsberg, Klein Glienicke, sowie die westlichen und nördlichen Vorstädte in Potsdam. Die PNN geben einen Überblick über die Ausgangslage und die wichtigsten Themen des Wahlkreises.

Die Chancen

Der Wahlkreis war bislang immer eine SPD-Hochburg. 2004 konnte die Landtagsabgeordnete Klara Geywitz dort 33,6 Prozent der Stimmen holen. Und auch 2014 hatte Geywitz den Wahlkreis mit rund 28 Prozent vor der damaligen Linke-Ministerin Anita Tack gewonnen, die sechs Prozentpunkte weniger erhielt.

Doch dieses Jahr könnte es für Geywitz eng werden. So hatten bei der Kommunal- und Europawahl die Grünen in Babelsberg, in der Innenstadt und im Potsdamer Westen abräumen können und wurden in weiten Teilen stärkste Kraft – vor der SPD. Nun weist das Analyseportal election.de für den Wahlkreis 21 eine mittlerweile 81-prozentige Wahrscheinlichkeit dafür aus, dass die Grünen-Kandidatin Marie Schäffer das Direktmandat holt – das wäre für die Partei in Potsdam eine Premiere. Die Wahrscheinlichkeit, dass Linke-Kandidatin Isabell Vandre den Wahlkreis gewinnt, liegt laut election.de aktuell bei zwölf Prozent, für Geywitz gar nur noch bei vier Prozent. Und der CDU-Kandidat Clemens Viehrig holt den Wahlkreis mit einer Wahrscheinlichkeit von nur rund einem Prozentpunkt. Käme es so, wäre es das erste Mal seit Wiedergründung des Landes Brandenburg im Jahre 1990, dass die SPD im wichtigen Potsdamer Innenstadt-Wahlkreis nicht das Direktmandat gewinnt.

Die Themen

Der Wahlkreis war in den vergangenen Jahren von den Debatten zur Wiedergewinnung der Potsdamer Mitte geprägt, die Stichworte sind Abriss der Fachhochschule, aber auch Wiederaufbau der Garnisonkirche oder der mögliche Abriss des Rechenzentrums.

Zugleich dominierten den Wahlkreis auch zahlreiche Diskussionen über die Potsdamer Verkehrsprobleme. So befindet sich mit der Zeppelinstraße jene Trasse im Wahlkreis, die von der Stadt Potsdam vor zwei Jahren eingeengt worden ist, um dort die Zahl der durchfahrenden Autos zu begrenzen. Das Ziel, bessere Luft, wurde dabei erreicht – gleichwohl gibt es immer noch Streit darüber, wie mit dem Ausweichverkehr durch Potsdam-West umgegangen werden soll. Dort engagieren sich zahlreiche Anwohner für Initiativen, die den Autoverkehr aus der Stadt drängen wollen. Auch Babelsberg mit seiner größeren Fußballfanszene gilt als traditionell eher linkes Viertel. 

In den vergangenen Jahren wurde dort besonders über immer höhere Mieten geklagt, gleiches gilt für die Innenstadt und die anderen Stadtteile im Wahlkreis. Gleichwohl ist der Anteil der Hartz-IV-Empfänger vergleichsweise niedrig. Zudem befinden sich im Wahlkreis 21 die wichtigsten Kultureinrichtungen der Stadt, von der Schiffbauergasse in der Berliner Vorstadt über das Museum Barberini am Alten Markt bis zum Lindenpark in Babelsberg und den Stadtteilzentren im Potsdamer Westen. Die direkt angrenzenden Potsdamer Welterbeparks gehören ebenfalls dazu – und auch zum Lebensgefühl der Wähler im Wahlkreis 21. Für Profi- und Freizeitsportler wichtig: der Sportpark Luftschiffhafen nahe der Pirschheide.

* In einer ersten Version des Textes ist uns ein Tippfehler unterlaufen. Die auf dem Portal Election.de ermittelte Wahrscheinlichkeit, dass Linke-Kandidatin Isabelle Vandre den Wahlkreis gewinnt, liegt bei zwölf und nicht bei zwei Prozent. Wir bitten dies zu entschuldigen.