• Serie | Krisentagebuch: Jann Jakobs (66) nerven Ignoranten und Panikmacher

Serie | Krisentagebuch : Jann Jakobs (66) nerven Ignoranten und Panikmacher

Wie erleben Potsdamerinnen und Potsdamer die Coronakrise? Das erzählen sie im Krisen-Tagebuch der PNN. Heute berichtet Potsdams ehemaliger Oberbürgermeister Jann Jakobs (66, SPD) aus Nedlitz.

Potsdams ehemaliger Oberbürgermeister Jann Jakobs (66) lebt in Nedlitz.
Potsdams ehemaliger Oberbürgermeister Jann Jakobs (66) lebt in Nedlitz.Foto: privat

Wie erleben Potsdamerinnen und Potsdamer die Coronakrise? Wie kommen sie im neuen Alltag zurecht? Was bewegt sie – und was macht ihnen Freude? Wir führen gemeinsam ein Krisentagebuch und fragen nach, wie es den Menschen in unserer Stadt geht.

Wie sieht Ihr neuer Alltag aus?
Das Leben von mir und meiner Frau spielt sich in den eigenen vier Wänden und im Garten ab. Die Kommunikation findet über digitale Kanäle statt. Darüber halten wir engen Kontakt zur Familie. So sind wir über die Lage in Berlin, Wiesbaden und Innsbruck informiert. So halten wir es auch mit den Freunden. Kontakthalten und Lagebesprechungen erfolgen auch im Ehrenamt. Keine persönlichen Begegnungen mehr, sondern Telefonkonferenzen, skypen und E-Mails ohne Ende. Termine müssen abgesagt werden und neue Vereinbarungen bleiben vage. Andererseits: Endlich werden Dinge in Angriff genommen, die liegen geblieben sind. Schreibtisch aufräumen, lästige Briefe beantworten, Fotos sortieren und Bilder rahmen. Den Garten für den Frühling fit machen. Und endlich die monumentale Berlin-Monografie von Jens Bisky lesen.

Was fällt Ihnen in der momentanen Situation am schwersten?
Sich nicht mehr verabreden zu können, weder spontan noch langfristig und keinen direkten Austausch mehr zu haben. Nervig ist vor allem die Ungewissheit darüber, wie lange wir die augenblickliche Situation noch aushalten müssen. Schwer fällt auch zu akzeptieren, dass ich selber nicht aktiv dazu beitragen kann, diese Krise zu bewältigen.

Was ärgert Sie am meisten?
Ich müsste dringend zum Friseur, darf aber nicht. Wehe ich sehe in den nächsten Wochen einen Politiker oder eine Politikerin mit frisch frisierten Haaren. Im Ernst: Mich ärgern Verharmloser, Ignoranten und die zahllosen Verschwörungstheoretiker, die natürlich jetzt Hochkonjunktur haben. Aber auch Panikmacher sind nervig.

Worüber haben Sie sich in den letzten Tagen gefreut?
Ich stelle fest: Die Menschen kommen sich sinnbildlich näher, obwohl sie Distanz halten sollen. Es ist paradox, aber das gemeinsam erfahrene Schicksal verbindet die Menschen offenbar. Das gilt für meine Nachbarschaft, aber ich meine dies für das gesellschaftliche Leben insgesamt beobachten zu können.

Ihr persönlicher Tipp zum Umgang mit der Krise?
Mir ist wichtig, dass der Tag eine Struktur hat. Also vormittags am Schreibtisch sitzen, am Nachmittag in den Garten. Den Tag gestalte ich abwechslungsreich. Wichtig ist es, sich gesundheitlich fit zu halten mit Bewegung an frischer Luft. Zum Beispiel Fahrradfahren oder Laufen. Das Essen sollte ein wenig zelebriert werden. Und sich nicht den ganzen Tag mit den aktuellsten Virus-Nachrichten vollballern lassen.
 

Sie möchten selbst mitmachen oder kennen jemanden, den wir für unser Krisentagebuch in den kommenden Tagen befragen sollten? Schicken Sie uns eine E-Mail an [email protected], wir freuen uns über Ihre Nachrichten!


Teil 1: Christian Neusser über kleine Freuden im Corona-Alltag

Teil 2: Bei Eszter Kalmár ist bisher alles entspannt


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