• Sechs Jahre Rechenzentrum: Schubert steht zum Teilerhalt des Kreativhauses

Sechs Jahre Rechenzentrum : Schubert steht zum Teilerhalt des Kreativhauses

Der Oberbürgermeister sprach sich zum Geburtstag des Rechenzentrums für eine Koexistenz mit der Garnisonkirche aus.

Mike Schubert (SPD) bei der Geburtstagsfeier des Rechenzentrums. 
Mike Schubert (SPD) bei der Geburtstagsfeier des Rechenzentrums. Foto: Sebastian Gabsch

Potsdam - Ein klares Bekenntnis für oder gegen den Erhalt des Rechenzentrums – das erwarteten Befürworter und Gegner am Mittwoch von Mike Schubert (SPD). Doch der Oberbürgermeister ließ sich bei seinem Grußwort zum sechsten Geburtstag des Rechenzentrums auf nicht mehr festlegen als die Aussage: „Ich stelle den Aufbau des Turms der Garnisonkirche nicht in Frage, gleichzeitig stehe ich dazu, dass es einen Teilerhalt des Rechenzentrums geben muss.“ Für diesen Satz erntete Schubert von den knapp hundert Anwesenden, unter denen auch viele Linke-Politiker:innen waren, Applaus. 

Schubert wirbt für gemeinsame Lösung 

Im Anschluss folgte eine fast zehnminütige Rede, in der Schubert zum einen seine eigene Rolle im Konflikt reflektierte und immer wieder betonte, dass ihm ein versöhnlicher Ausgleich in Form einer Koexistenz wichtig sei: „Ich sage nichts anderes als: Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden.“ In einer Stadtgesellschaft brauche es Reibung und es müsse Orte geben, an denen die Brüche in der Stadt sichtbar werden können. „Es geht nicht darum, dass die eine oder die andere Seite gewinnen soll“, so Schubert. „Es geht darum, wie der ganze Standort funktionieren kann.“ Die ganze Stadtgesellschaft müsse vom Ergebnis profitieren und nicht nur die Nutzer:innen der jeweiligen Gebäude. 

"Herzlichen Glückwunsch, du alter Kasten" 

Schubert schlug vor, dass es zwischen Garnisonkirche und Rechenzentrum „einen dritten Ort“ geben müsse, einen Ort „um miteinander ins Gespräch zu kommen“. Konkreter wurde er nicht, verwies jedoch auf den aktuell laufenden Design Thinking Prozess zur Gestaltung des Umfelds auf dem Areal zwischen dem neu gestalteten Stadtplatz Plantage und Dortu- sowie Breiter Straße. Schubert äußerte die Hoffnung auf gute Nachbarschaft zwischen den beiden Gebäuden: „Ich hoffe, dass wir dann irgendwann gemeinsam Geburtstag feiern können.“ Zum Schluss sagte Schubert in Richtung des Rechenzentrums, das gleichzeitig auch seinen 50. Geburtstag als Gebäude feiert: „Herzlichen Glückwunsch, du alter Kasten.“

Christian Näthe bringt ein Ständchen 

Auch die anderen Redner:innen sprachen sich für den Erhalt des Rechenzentrums aus und verwiesen auf die Erfolgsgeschichte des Kreativquartiers, das 2015 nach der Räumung der Alten Brauerei entstanden war: „Es waren sechs Jahre eines ungewöhnlichen Experiments und ich danke der Stadt, dass sie damals den Mut gehabt hat, dieses Haus dafür zur Verfügung zu stellen“, sagte Stefan Zaborowski, stellvertretendem Direktor der Stiftung SPI, welche das Rechenzentrum betreibt. „In dieser Zeit hat sich eine kreative Szene entwickelt, die in Brandenburg einmalig ist.“

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Den meisten Applaus erhielt der Sänger Christian Näthe von der Potsdamer Band Hasenscheiße, der wenige Stunden zuvor ein Geburtstagsständchen für das Rechenzentrum geschrieben hatte: „Es ist vielleicht noch ein bisschen holprig, genauso holprig wie der schiefe Turm da drüben“, sagte Näthe und zeigte auf die Baustelle der Garnisonkirche. Diese habe „ihre beste Zeit lange hinter sich“, hieß es im Lied, das Rechenzentrum sei wichtig, um ab und zu „dem unliebsamen Nachbarn in die Rippen zu hauen“. „Der Würfel bleibt stehen und wir bleiben besser wach“, sang Näthe, während ihm Mike Schubert das Blatt mit dem Text des frisch geschriebenen Liedes zum Lesen hinhielt. Er zweifelte im Song auch daran, ob sich viele Kreative die Räume im neuen Kreativquartier würden leisten können. 

Das künftige Kreativquartier, dass in unmittelbarer Nähe des Rechenzentrums entstehen soll, sei kein Ersatz, sagte Janny Armbruster, die Vorsitzende des fachpolitischen Beirats des Rechenzentrums, der über alle Mietanfragen entscheidet: „In den sechs Jahren, in denen wir das Haus hier als Quartier gepflegt haben, war immer mehr Bedarf da, als wir erfüllen konnten.“ Auch Hermann Voesgen, Vorsitzender des Freundliche Übernahme Rechenzentrum e.V., plädierte für den Erhalt: „Wir sind nach sechs Jahren eine gewisse Institution in der Stadt.“ Zudem sei es aus ökologischen Gründen wichtig, den Gebäudebestand zu erhalten und nicht weiteren „Bauschutt zu produzieren“, wie dies in der Vergangenheit in Potsdam häufig passiert sei. 

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