• Schulstart nach den Herbstferien: Potsdams Schulen wollen zweiten Lockdown vermeiden

Schulstart nach den Herbstferien : Potsdams Schulen wollen zweiten Lockdown vermeiden

Die Corona-Infektionszahlen steigen - und Potsdams Schüler müssen am Montag zurück zum Unterricht. Die Schulen sehen sich darauf vorbereitet. 

In den Klassenzimmern soll öfter gelüftet werden.
In den Klassenzimmern soll öfter gelüftet werden.Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Potsdam - Die Infektionszahlen in Brandenburg steigen, und in Potsdam – Stand Sonntagabend auf dem besten Wege zum Corona-Risikogebiet – geht die Sorge vor einem zweiten Lockdown um. In den Schulen wird es nach den Herbstferien vorerst keine Verschärfungen der bestehenden Hygiene- und Abstandsregeln geben, das brandenburgische Bildungsministerium mahnt jedoch zu erhöhter Disziplin: „Wir alle – Lehrkräfte, Schulleitungen, Eltern, Großeltern, aber auch die Schülerinnen und Schüler selbst – tragen gemeinsam Verantwortung dafür, dass die Schulen weiter geöffnet bleiben können und der Distanzunterricht ‚aus der Ferne’ die Ausnahme bleibt“, so Bildungsministerin Britta Ernst (SPD). Jede Schule verfüge mittlerweile über ein umfangreiches Hygienekonzept, dieses solle eingehalten werden. 

Alle 20 Minuten die Fenster öffnen 

Das heißt: Es gelten die AHA-Regeln – Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen – zu denen nun auch noch das L für Lüften hinzukommt, im besten Fall einmal alle 20 Minuten. „Können aufgrund baulicher Gegebenheiten Fenster in einem Raum dauerhaft nicht geöffnet werden, ist dieser Raum für den Unterricht nicht geeignet“, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums – es sei denn, es ist eine effektive Lüftungsanlage vorhanden. 

Helmholtz-Gymnasium bittet um regenfeste Kleidung 

Angesichts des kälter werdenden Wetters legt man am Helmholtz-Gymnasium daher Wert darauf, dass die Schüler nicht nur ihre Masken, sondern auch warme und regenfeste Kleidung dabeihaben. „Wir haben im aktuellen Elternbrief darauf hingewiesen, dass dies nicht nur wegen des Lüftens nötig ist, sondern auch, damit möglichst viele Pausen draußen statt drinnen verbracht werden können“, sagt Grit Steinbuch, Leiterin des Helmholtz-Gymnasiums. Sie beunruhigt der Gedanke an einen neuen Lockdown: „Ich bin sehr besorgt über das aktuelle Infektionsgeschehen“, sagt sie. Dennoch fühlt sich die Schule gut vorbereitet: „Wir haben in den letzten Monaten gute Erfahrungen mit Online-Unterricht gemacht und sind da gut aufgestellt“, so Steinbuch. Alle Schüler sind telefonisch erreichbar und nutzen die Microsoft-Plattform Teams für die Online-Kommunikation. Dennoch hoffe sie, dass der Präsenzunterricht möglichst lange aufrechterhalten werden kann: „Wir alle haben die Schule neu schätzen gelernt, Kollegen, Eltern und Kinder“, sagt Steinbuch. Während der ersten Corona-Welle waren die Brandenburger Schulen von Mitte März bis zu den Sommerferien geschlossen worden. 
Auch die Grundschule Bornim setzt auf erhöhtes Augenmerk bei der Einhaltung der Maskenpflicht auf Fluren und in Waschräumen. In der Pause gilt keine Maskenpflicht. Um eine Durchmischung der Klassen und Jahrgangsstufen zu verhindern, wird die Pause allerdings getrennt auf dem Schulhof und dem Sportplatz verbracht, teilt das Sekretariat der Grundschule auf Anfrage mit.

Kreiselternrat ist mit der Vorbereitung zufrieden 

Der Kreiselternrat sieht die Potsdamer Schulen relativ gut auf den Ernstfall vorbereitet: „Wenn der Lockdown kommt, wird es sicher wieder Startschwierigkeiten wie beim ersten Mal geben, aber diese werden schneller überwunden sein“, sagt Markus Kobler, Sprecher des Gremiums. „Man hat aus den Erfahrungen der letzten Monate gelernt.“ 
Ähnlich sieht das die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die die Bemühungen der Schulen lobt. Der Politik stellt sie hingegen kein gutes Zeugnis aus: „Die Zeit ist durch die Landesregierung nicht effektiv genutzt worden“, sagt der Vorsitzende der GEW Brandenburg, Günther Fuchs. So sei unter anderem die Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien nicht entscheidend vorangekommen, die entsprechende Hard- und Software sei nicht wirklich verfügbar, obwohl zwischenzeitlich mehr Gelder beantragt wurden. „Auch die personelle Verstärkung durch eine Erhöhung der Vertretungsreserve wurde nicht realisiert“, so Fuchs.
Fuchs ist überzeugt, dass sich die Situation nach den Herbstferien weiter zuspitzen werde, vor allem, weil sich die Pandemie mit der jahreszeitlichen Erkältungswelle überlagern werde. Das konsequente Einhalten der Hygieneregeln sei daher unerlässlich, Aktionismus wie eine Maskenpflicht im Unterricht sei aber fehl am Platz. „Viel wichtiger ist, dass bei einer weiteren Dynamik der Pandemie sehr schnell und konsequent die Klassen- und Lerngruppen verkleinert werden und das System der Verbindung von Präsenz- und Distanzlernen wieder eingeführt wird“, sagt Fuchs. „Es kommt jetzt darauf an, landesweite Schulschließungen zu vermeiden.“

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Experten warnen vor Folgen einer Schulschließung 

Experten warnen eindringlich vor den negativen Folgen erneuter Schulschließungen. Besonders Kinder aus armen und bildungsfernen Familien litten unter Schulschließungen, so OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. Die Präsidentin des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung Berlin, Jutta Allmendinger, warnte vor negativen gesundheitlichen Folgen von Schulschließungen. So nehme etwa Übergewicht zu und motorische Fähigkeiten ab, wenn das Schulessen oder die Bewegung in der Schule und auf dem Weg dorthin fehlten. (mit mak, KNA)

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