Potsdam : „Schmurgeln“ mit grünem Licht

Die Ärztin Tanja Fischer gründete in der Villa Mendelssohn Bartholdy das „Laserzentrum Potsdam“

Allein der Ausblick! Auf der einen Seite Jungfernsee und Königswald, auf der anderen eine Allee alter Platanen. Tanja Fischer praktiziert in einer der exklusivsten Haushälften Potsdams. Das liegt nicht allein an der Lage oberhalb der Bertinistraße und der Kulturlandschaft nördlich des Neuen Gartens. Das liegt vor allem an der äußeren Anmut des Hauses und dem Wohlklang seines Namens: Villa Mendelssohn Bartholdy.

Otto von Mendelssohn Bartholdy, der Bankier, Enkel von Felix Mendelssohn Bartholdy, der berühmte Komponisten der Romantik, hatte das Haus 1900 gekauft. Nun teilt sich die Hautärztin das Zwei-Flügel-Haus mit dem Rechtsanwalt Felix Müller-Stüler, Enkel von Otto in der achten Generation, wie sie sagt. Sieben Jahre lang war Tanja Fischer Ärztin an der Berliner Charité – aber immer weiter Zwölf-Stunden-Dienste schieben am Universitäts-Klinikum? Nach ihrem ersten Kind meinte sie, „irgendetwas muss sich ändern“. Mit der ökonomischen Sicherheit, die ihr das Professoren-Gehalt ihres Mannes verleiht – er ist Allergologe an der Charité – stürzte sich die 35-Jährige in das Wagnis der Selbständigkeit. Sie gründete im September vergangenen Jahres das „Laserzentrum Potsdam“. Diese Terminologie ist keineswegs Übertreibung: Im Westflügel des historischen Hauses stehen ihr mit sieben verschiedenen Laser-Geräten mehr Laser zur Verfügung als an Berlins berühmten Klinikum. Einen speziellen Laser, mit dem die Allergologin und Dermatologin Warzen und Feuermale entfernen kann, „gibt es in Potsdam nicht noch einmal“. Zudem ist sie gerade dabei, noch einen neuen Falten-Laser „zu akquirieren“.

Augenfälligstes Merkmal ihres Behandlungsraumes ist die bis zum Fußboden hinabreichende Fensterfront, die von der Behandlungsliege aus einen traumhaften Ausblick auf den Villengarten und die Platanenallee freigibt. Über dem Patienten schwebt eine riesige Operationslampe, entlang der Liege sind gleich mehrere verschiedene Laser-Geräte aufgereiht.

Ein Laser beispielsweise gibt grünes Licht ab, das sehr gut von Dingen aufgenommen wird, die rot sind, etwa Blutgefäße. „Die kann ich damit sehr gut anschießen“, erklärt sie. Rote Äderchen nehmen die Energie des grünen Laserlichts besonders gut auf. Es wird in Wärme umgewandelt und das kleine Blutgefäß, Besenreiser zum Beispiel, „verschmurgelt“. „Anzuschießen“ gibt es auf der menschlichen Haut so einiges: Tattoos, Warzen, Haare, Schwämmchen, Flechten, Akne. Darum reicht auch das Farbenspektrum ihrer Laser von ultraviolett bis infrarot. Weil es nicht leicht ist als Frau Erfolg zu haben, schwingt Stolz mit, wenn sie sagt: „Es gibt vier Enthaarungslaser, die habe ich alle da“. Auf die Frage, wie hoch die Investitionssumme für ihre Praxis war, verdreht sie nur die Augen und haucht: „Hoch“.

Die blonde Promovierte entfernt von der Haut, was dort nicht schön aussieht. Sie macht jedoch nicht nur Dinge, „die die Welt nicht braucht“, also nicht nur Faltenglätten und Pickelentfernen, also nicht nur Schönheitschirurgie. Zu ihren Leistungen gehört vielmehr auch die medizinisch viel ernstere Hautkrebsvorsorge. Dafür scannt sie die Leberflecken ihrer Patienten fotografisch in den Computer ein. Der Rechner analysiert den Hautfleck mit Hilfe eines speziellen Programms nach Farbe, Umfang, Verteilung, Begrenzung und Höhenwachstum. Auf einer Farbskala von hellgelb bis dunkelrot markiert der Computer dann die Wahrscheinlichkeit, mit der eine Hautkrebserkrankung vorliegt. Gelb heißt Entwarnung, rot steht für gefährlich. Auf diese Rechnerdiagnose „kann man sich nicht genau verlassen“, erklärt Tanja Fischer. Sie hatte schon zwei Patienten im gelben Bereich, bei denen sie selbst jedoch rot sah, und die Entfernung dieser verdächtigen Flecken empfahl. Beim schwarzen Hautkrebs habe der Patient nur im Frühstadium eine Chance auf Rettung. Doch wenn sich der Rechner auch mal irrt, „er und ich, wir zusammen sind ein gutes Team“, sagt sie.

Stellt Tanja Fischer Hautkrebs fest, rät sie den Patienten, die nicht privatversichert oder Selbstzahler sind, einen Arzt mit Kassenzulassung aufzusuchen. Ihre Kosten werden von den Krankenkassen nicht übernommen, weil alle Zulassungsplätze in Potsdam derzeit belegt sind, erläutert die Ärztin. Sie scheint es wenig zu bedauern: Laserbehandlungen und Hautkrebsvorsorge würden von den Kassen nur sehr schlecht vergütet.

Derzeit beschäftigt Tanja Fischer fünf Mitarbeiter. Doch das soll noch nicht alles sein: Sie träumt davon, einen weiteren Arzt anzustellen und ihr Laserzentrum auszubauen. Selbst will sie sich noch in diesem Jahr habilitieren – die Voraussetzung für eine Professur. Ständig bildet sie sich weiter, ist vier Mal im Jahr auf großen Kongressen. „Ich komme gerade aus Paris und bin nächste Woche in Monaco.“ Wovon Tanja Fischer nicht träumt, ist ein neues Auto oder ein Boot, was angesichts der Ufernähe ihres Hauses naheliegend wäre. Hat sie Geld übrig, bekennt sie, „kaufe ich mir lieber einen neuen Laser“.

Doch die Villa Mendelssohn Bartholdy ist nicht allein ein medizinischer, sondern auch ein kultureller Ort: Befreundete Musiker der Berliner Philharmoniker proben häufig in einem großen Raum im Untergeschoss und geben dort auch Kammerkonzerte. Auf einer Matinee für geladene Gäste Ende Januar erklangen Musikwerke von Robert Schumann, Fanny Hensel und, natürlich, Felix Mendelssohn Bartholdy.