• Rabbiner-Schule kann 2020 nach Potsdam ziehen

Richtfest im Schlosspark : Rabbiner-Schule kann 2020 nach Potsdam ziehen

Mit dem neuen Bildungszentrum entsteht die ein international bedeutsame Institution - und die erste Synagoge Potsdams:  

Richtfest am Neuen Palais. Herrichtung des Nordtorgebäudes und der Orangerie für das Abraham Geiger Kolleg.
Richtfest am Neuen Palais. Herrichtung des Nordtorgebäudes und der Orangerie für das Abraham Geiger Kolleg.Foto: Andreas Klaer

Brandenburger Vorstadt - Im Welterbepark Sanssouci entsteht ein international bedeutendes Ausbildungszentrum für jüdische Geistliche – und die erste Synagoge Potsdams seit dem Zweiten Weltkrieg. Soll sie doch lange vor der geplanten großen Synagoge in der Potsdamer Innenstadt fertig sein. Die Rabbinerseminare Abraham Geiger Kolleg (AGK) und das Zacharias Frankel College (ZFC) sowie die Jewish School of Theology sollen den Gebäudekomplex nahe dem Neuen Palais im Wintersemester 2020 beziehen können. Am gestrigen Mittwochnachmittag wurde Richtfest gefeiert.

„Die wichtigste jüdische Bildungseinrichtung in Brandenburg“

Mit der geplanten Fertigstellung Mitte 2020 entstehe damit in Potsdam „die wichtigste jüdische Bildungseinrichtung in Brandenburg“, sagte Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) bei der Feier. Die Gebäude seien im Eigentum der Schlösserstiftung und erst Ende 2016 an die Universität Potsdam zur Nutzung übergeben worden. Um möglichst viel der ursprünglichen Gebäudestruktur zu erhalten, werde mit einer komplizierten „Haus-in-Haus“-Strategie gearbeitet. Der aufwendige Bau kostet das Land 12 Millionen Euro.

Mit dem Neubau einer Synagoge in der Innenstadt und der Jüdischen Theologie als Teil der Universität könne in Potsdam der „Faden der jüdischen Geschichte in Deutschland wieder aufgenommen werden“, sagte Brandenburgs Kultur- und Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD). 

Polizei begleitet das Richtfest

Wie gefährdet in Deutschland das Leben in jüdischem Glauben noch heute ist, war auch an dem Polizei-Aufgebot erkennbar, die das Richtfest begleiteten. Auch dem Rabbiner Homolka liegt das Thema der Sicherheitsfrage so nah, dass er in seiner Rede darauf verwies: „Wer ein Haus baut, will bleiben, und wer bleiben will, erhofft sich Sicherheit“, zitierte er den Satz, der von dem deutschen Architekten Salomon Korn 1986 in den Frankfurter Jüdischen Nachrichten veröffentlicht wurde. 

Richtfest am Neuen Palais. Herrichtung des Nordtorgebäudes und der Orangerie für das Abraham Geiger Kolleg. Symbolischer Hammerschlag mit Rabbiner Prof. Dr. Walter Homolka (vorn) und Universitätspräsident Prof. Oliver Günther (2 v.r.).
Richtfest am Neuen Palais. Herrichtung des Nordtorgebäudes und der Orangerie für das Abraham Geiger Kolleg. Symbolischer...Foto: Andreas Klaer

Die neuen Lehrräume entstehen in einem aktuell denkmalgeschützten Gebäudeensemble. Das königliche Hofgärtnerhaus, auch als Nordtorgebäude bekannt, wurde 1768 von Carl von Gontard errichtet. Als westlicher Anbau entstand gegen Anfang des 19. Jahrhunderts ein Stall- und Wohngebäude – auch angrenzend an die ehemalige Orangerie. Im Nordtorgebäude sind derzeit 678 Quadratmeter Nutzfläche geplant. Weitere 345 Quadratmeter Nutzfläche sollen in der ehemaligen Orangerie geschaffen werden. Verbunden werden die Gebäude bereits durch den weit kleineren Bau der Synagoge.

Glasfassade mit Dornbusch

An der ehemaligen Orangerie soll eine Glasfassade entstehen, auf der ein Dornbusch abgebildet werden soll. Inhaltlich bezieht man sich dabei auf eine Erzählung im Tanach, in der sich Gott Mose in einem brennenden Dornbusch präsentiert und ihm den Auftrag stellt, das Volk Israel aus der Sklaverei zu führen. Theologisch werden mit der Geschichte zentrale Punkte des Glaubens wie Identifizierung, Zweifel, Unsicherheit, Angst und Unwille verbunden. Symbolisch soll die Verbindung von Glaube und Wissenschaft zum Ausdruck kommen. 

Widmung für neues Gebäude Abraham-Geiger-Kolleg.
Widmung für neues Gebäude Abraham-Geiger-Kolleg.Foto: Andreas Klaer

Das Abraham Geiger Kolleg bildet seit 1999 Rabbiner aus. „Erst nach dem Fall der Mauer zogen wieder viele Juden nach Deutschland“, sagte Rabbiner Walter Homolka, Rektor des Kollegs. Die Westdeutsche Gemeinde sei zu jener Zeit auf knapp 25.000 geschrumpft gewesen. Das AGK bildet seit 1999 liberale jüdische Geistliche aus. Es ist ein An-Institut der Universität Potsdam, nutzt derzeit aber noch Räume in Berlin-Charlottenburg.

Ab Jahresmitte 2020 könnten die Mitglieder des Kollegs den Uni-nahen Gebäudekomplex mit dem Zacharias Frankel College beziehen. Das College bildet in Potsdam seit 2013 konservative Rabbiner aus – und ist ebenfalls ein An-Institut der Universität. Als Dritter im Bunde zieht die Jewish School of Theology ein, die seit 2013 den Überbau für die akademisch-geistliche Ausbildung in der Jüdischen Theologie an Potsdams Universität bildet. Mit ihrer Entstehung erhielt die Jüdische Theologie erstmals einen Status der Gleichberechtigung mit den christlichen Theologien auf akademischer Ebene.