• Queeres Leben in Brandenburg: Nicht verfolgt, aber auch nicht immer akzeptiert

Queeres Leben in Brandenburg : Nicht verfolgt, aber auch nicht immer akzeptiert

Von den Lebensgeschichten von queeren Menschen in Brandenburg heute und in der Vergangenheit erzählt eine neue Ausstellung in Potsdam.

Bild vom Christopher Street Day in Cottbus.
Bild vom Christopher Street Day in Cottbus.Repro: Andreas Klaer

Potsdam - Auch wenn Trans-Menschen sowie Homosexuelle und andere heute – zumindest hierzulande – keine Verfolgung mehr fürchten müssen, ringen sie dennoch um Akzeptanz in der Gesellschaft. Eine von ihnen ist auch Nadine Borchert-Apfelbacher. Die heute 40-Jährige erlebte nach ihrem Coming-Out in einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt als Jugendliche abwertende Reaktionen. Früh war ihr klar, dass sie im queeren Bereich arbeiten wollte. Seit 2016 lebt sie mit ihrer Frau in Potsdam.

Queere Menschen werden immer noch angefeindet

Solche Geschichten sind nun Teil der Ausstellung „'Ohne Mut geht hier nichts' - Lesbisch, schwul und trans in Brandenburg“, die am Mittwochabend in der Brandenburgischen Landeszentrale für Politische Bildung eröffnet wurde. Mit der Ausstellung gehe es ihnen darum, zu informieren und sichtbar zu machen, sagte Martina Weyrauch, Leiterin der Brandenburgischen Landeszentrale. Schließlich würden diese Menschen immer noch Anfeindungen erleben. „Wir merken, dass die Aggressivität oft Resultat eines Nicht-Wissens ist“, sagte sie. Erst mit Offenheit könne man diese überwinden, sagte Weyrauch und fügte hinzu: „Ich freue mich riesig, dieses bunte Thema hier im Haus haben.“

Auf Tafeln sind in zwei Räumen die Geschichten und Schicksale von trans Menschen sowie Homosexuellen aus verschiedenen Epochen bis heute zu lesen. Außerdem wird über den zeitgeschichtlichen Hintergrund und die Bedingungen zu Zeiten des Deutschen Kaiserreiches, der Weimarer Republik, dem Nationalsozialismus und der DDR aufgeklärt. Die Ausstellung, die künftig als Wanderausstellung durch verschiedene Institutionen ziehen soll, wurde gemeinsam mit dem Institut für Soziale Arbeit der BTU Cottbus-Senftenberg, des Vereins Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern und der Amadeu Antonio Stiftung erarbeitet.

"Wir lassen die Personen selbst sprechen"

Fast zwei Jahre hätten sie daran gearbeitet, sagte Christine Matt von der BTU Cottbus-Senftenberg, Koordinatorin, Co-Kuratorin und -Autorin der Ausstellung. Dafür hätten sie auf bestehende Forschung zurückgegriffen und diese mit neuen Erkenntnissen aus der heutigen Zeit verknüpft. Über mehrere Monate führten sie Interviews mit verschiedenen Menschen, die sich als Teil der Ausstellung nun öffentlich zu ihrer sexuellen Identität und Orientierung bekennen. Die Porträts stellten Personen da, die sich „gegen jede Form der Ausgrenzung emanzipiert haben“. Wichtig sei es ihnen gewesen, einzelne Biographien darzustellen. Denn: „LGBTQ sind keine homogene Gruppe“, betonte Matt. Jeder mache andere Erfahrungen und erlebe verschiedene Formen der Diskriminierung. „Wir lassen die Personen selbst sprechen.“ 

it der Ausstellung wollten sie zur Sichtbarkeit geschlechtlicher Vielfalt beitragen. Damit Sätze wie der von Jon Wilke, der auf einer Tafel zu lesen ist, der Vergangenheit angehören: „Ich hatte meine ganze Kindheit und Jugend das Gefühl, dass ich der einzige Mensch auf der Welt bin, der so fühlt. Ich möchte nicht, dass es anderen so geht.“

Die Ausstellung ist noch bis zum 20. August in der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung, Heinrich-Mann-Allee 107, Haus 17, in Potsdam zu sehen. Die Öffnungszeiten sind montags bis mittwochs von 9 bis 18 Uhr sowie donnerstags bis freitags von 9 bis 15 Uhr. Der Eintritt ist frei. Am 22. April um 18 Uhr ist in der Landeszentrale der Film „Neubau“ zu sehen, ein queerer Heimatfilm, der in der Uckermark spielt.

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