Puttentreppe am Stadtschloss in Potsdam : Kleine Schnörkel – große Wirkung

Die Puttentreppe am Stadtschloss soll 2020 barock glänzen, finanziert von der Cornelsen Kulturstiftung. Die spendet dafür 500.000 Euro.

Stefan Körner von der Kulturstiftung zeigt ein Originalfragment des Treppengeländers.
Stefan Körner von der Kulturstiftung zeigt ein Originalfragment des Treppengeländers.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Bisher ist das Treppchen an der Westseite des ehemaligen Stadtschlosses ein eher unscheinbares Detail am Bau, zumal es keine Funktion mehr hat: Wo früher die Königswohnung war, befindet sich heute unter anderem der Kopierraum des Landtags. Eine Außentür gibt es nicht mehr, die Treppe ist eine Sackgasse, zurzeit mit einem schlichten Stahlgeländer bestückt. Nun soll sie ihre frühere Schönheit zurückbekommen, nachdem im vergangenen Jahr originale Bauteile aufgetaucht waren und die Freunde der Schlösserstiftung das Projekt ins Rollen brachten.

Zur Pressekonferenz erschienen viele interessierte Bürger

Zur gestrigen Pressekonferenz anlässlich der offiziellen Verkündung, dass das Geländer der historischen Puttentreppe nun mit Hilfe der Cornelsen-Stiftung im historisch-barocken Zustand neu errichtet werden kann, erschien im Landtagsschloss nicht nur eine außergewöhnlich große Pressebrigade, sondern auch viele interessierte Potsdamer Bürger – viel Aufmerksamkeit für einen einstigen, aber immerhin königlichen Hintereingang.

Die Pressekonferenz zum Puttengeländer am Stadtschloss in Bildern
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1 von 6Foto: Andreas Klaer
14.01.2019 17:32Ein Originalfragment des Treppengeländers.

Mit Hilfe der Cornelsen Kulturstiftung konnten in den mehr als 20 Jahren seit ihrer Gründung bereits mehrere Baudenkmäler in Potsdam und Brandenburg gerettet werden. Nun ließ sich die Stiftungsgründerin für das Puttentreppchen begeistern. Die 90-jährige Ruth Cornelsen kam gestern persönlich nach Potsdam und erzählte von ihrer Motivation. „Ich möchte der Vergangenheit eine Zukunft geben, das ist mein Anliegen und mein Ziel“, sagte die einstige Verlegerin. In guter Erinnerung ist ihr bei ihrem Engagement stets die gute Zusammenarbeit mit der Schlösserstiftung. 

Im Schloss Paretz konnten mit ihrer Hilfe historische Tapeten rekonstruiert werden, ebenso förderte sie Projekte in Schloss Caputh, Groß Glienicke und die Orgel der Friedenskirche. Dabei arbeitet sie am liebsten im Alleingang, ungern ist sie von Mitsponsoren abhängig, die später möglicherweise abspringen. Diesbezüglich habe sie schlechte Erfahrungen gemacht. „Zuverlässigkeit ist doch wichtig, damit man etwas zu Ende führen kann“, so Cornelsen. 500 000 Euro sind für die Rekonstruktion als Kosten avisiert. Es soll zügig gehen, schon 2020 soll alles fertig sein.

Die Landtagspräsidentin lobt das bürgerschaftliche Engagement

Das liegt auch daran, dass es sich hier schließlich nur um ein Geländer handelt. „Wir bauen keine Treppe. Das vereinfacht die baurechtlichen Dinge sehr“, sagte Joachim Kuke, Vorsitzender des Potsdamer Stadtschlossvereins. Auch der Architekt des wiederaufgebauten Schlossgebäudes, Peter Kulka, habe bereits seine Zustimmung gegeben. Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) sagte, man freue sich über bürgerschaftliches Engagement für historischen Landtagsschmuck und erinnerte an die Rückkehr der Attikafiguren.

Die historische Aufnahme der Treppe, die zur Privatwohnung des Königs führte, stammt aus der Zeit zwischen 1927 und 1940. 
Die historische Aufnahme der Treppe, die zur Privatwohnung des Königs führte, stammt aus der Zeit zwischen 1927 und 1940. Foto: SPSG

Die Geschichte der Treppe beginnt mit Friedrich-Wilhelm I. Der Soldatenkönig wünscht einen kurzen Weg zum Exerzierplatz. 1730 wird also direkt an seiner Wohnung eine funktionale Holztreppe angebaut. Unter Friedrich II. wird sie 1746 aus Stein errichtet und bekommt wenige Jahre später ein schmuckes Geländer: barocke Schnörkel aus vergoldetem Bronzeguss, dazu neun Putten nach Entwürfen von Friedrich Christian Glume, ausgeführt vom Bronzegießer Johann Melchior Kambly. Als das Schloss unter Friedrich Wilhelm IV. umgebaut wird, wird die Treppe abgebaut, die Teile werden eingelagert. Als die Treppe wiederaufgebaut wird, müssen bereits damals einige Putten mit Zinkguss ersetzt werden.

Viele Teile sind in dunklen Kanälen verschwunden

Den Zweiten Weltkrieg übersteht die Treppe unbeschadet. Als das Schloss abgerissen wird, landen Fragmente im Depot der heutigen Schlösserstiftung, vieles verschwindet allerdings auch in dunklen Kanälen und im Kunsthandel, so Samuel Wittwer, Sammlungsdirektor der Schlösserstiftung. Der nun geplante Wiederaufbau sei maßgeblich dem Berliner Kunsthistoriker Stefan Körner zu verdanken. „Er hat Teile gefunden und sofort erkannt, was es ist und letztlich die richtigen Leute zusammengebracht“, sagte Wittwer. Körner, der im Beirat der Cornelsenstiftung sitzt, konnte diese für das Projekt begeistern. Ebenso den in Potsdam lebenden Dirigenten Christian Thielemann, der ein weiteres Geländerteil auf dem Kunstmarkt erwarb und für den Wiederaufbau spendete. Die Freunde der Schlösserstiftung finanzierten die wissenschaftliche Forschung rund um das Projekt.

Jetzt beginnt die Arbeit, auch wenn es bisher nur einige originale Teile gibt. Diese werden zunächst genau untersucht, vor allem Material, um zu entscheiden, was original erhalten werden kann und was nachgebaut werden muss. Dazu kommen Recherchen zu den Bauplänen. Hier sei die Archivlage gut, so Wittwer. Was die Bauteile betrifft, würde man sich über weitere Dachbodenfunde sehr freuen. „Liebe Potsdamer, schauen Sie doch mal auf Ihren Dachböden und im Keller nach“, so der Aufruf.

Liebesschlösser sollen an dem Geländer nicht geduldet werden

Schließlich werden alle Bürger was von dem neuen Glanz haben. „Jeder, der hier mit der Tram vorbeifährt, wird das sehen“, sagte Wittwer. Am gestrigen Montag wurden einige Teile schon mal aus dem Depot an die frische Luft geholt ein beschädigtes Engels-Köpfchen und Teile vom Treppengitter. Schön zum Angucken – und möglicherweise eine Einladung für Touristen, hier sogenannte Liebesschlösser anzubringen. Das werde man dann hoffentlich zu verhindern wissen, hieß es von der Hausherrin.