• Prozess um Bluttat im Oberlinhaus: "Umsichtig, liebevoll, mütterlich"
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Prozess um Bluttat im Oberlinhaus : "Umsichtig, liebevoll, mütterlich"

Der Mordprozess gegen die ehemalige Oberlin-Pflegekraft Ines R. geht weiter. Am zweiten Verhandlungstag beschrieb die Hausleiterin die Angeklagte als engagierte Mitarbeiterin.

 Ines R. und ihr Anwalt Henry Timm am Donnerstag vor dem Landgericht. 
 Ines R. und ihr Anwalt Henry Timm am Donnerstag vor dem Landgericht. Foto: Marion Kaufmann

Potsdam - Am Donnerstag ist vor dem Landgericht Potsdam der Mordprozess gegen die ehemalige Oberlin-Pflegekraft Ines R. fortgesetzt worden. Als erste Zeugin am zweiten Prozesstag wurde die Leiterin des Thusnelda-von-Saldern-Hauses gehört. In der Babelsberger Wohneinrichtung für Menschen mit schwerer und mehrfacher Behinderung soll Ines R. am 28. April 2021 vier Bewohner:innen mit einem Messer getötet und eine Bewohnerin schwer verletzt haben. 

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Die Hausleiterin beschrieb Ines R. als engagierte Mitarbeiterin. "Sie war umsichtig, liebevoll, mütterlich. Die Pflege lag ihr." Die Tat habe sie schockiert. „Das Thusnelda-von-Saldern-Haus ist mein Leben“, sagte die 50-Jährige. Natürlich tue ihr weh, was geschehen sei. Sie kenne jeden einzelnen der getöteten Bewohner. Von einer psychischen Erkrankung der Pflegekraft sei ihr nichts bekannt gewesen. 

Die Hausleiterin war es auch, die in der Nacht die Angehörigen der Opfer informierte. „Das waren die schwersten Gespräche meines Lebens“, sagte sie unter Tränen. Die Arbeitssituation sei, auch durch Corona, belastend gewesen, wenn Mitarbeiter kurzfristig ausgefallen seien. Eine Überlastungsanzeige habe Ines R. aber nicht gestellt. 

„Es ist Wahnsinn, was da an Leuten krank waren“

Am zweiten Prozesstag berichteten Mitarbeiterinnen von einem überfordernden Pflegealltag im Thusnelda-von-Saldern-Haus. „Es ist Wahnsinn, was da an Leuten krank waren“, sagte eine ehemalige Mitarbeiterin als Zeugin. Es habe eine hohe Fluktuation gegeben, Mitarbeiter seien einfach versetzt worden. Überlastungsanzeigen hätten nichts bewirkt. Bewohner hätten tagelang, wochenlang, nur im Bett gelegen. Die Arbeit habe teilweise einer „Abfertigung“ geglichen.

Die 37-jährige Zeugin, die nach eigenen Angaben Antidepressiva nimmt, habe ihre Medikamente während ihrer Arbeit im Haus hochsetzen müssen. Sie habe gekündigt, weil sie die Arbeit mit ihrem Gewissen nicht mehr habe vereinbaren können. Auch die Angeklagte habe kündigen wollen, sagte sie. Die Zeugin beschrieb die Angeklagte als „Muttertyp“. Die Bewohner, das seien ihre „anderen Kinder“ gewesen.

Eine weitere Zeugin, die in einem anderen Bereich der Einrichtung arbeitete, schilderte im Prozess, dass die Angeklagte 14 Tage durchgearbeitet habe, ohne einen Tag Pause. Auch Leasingkräfte blieben nicht lange, meldeten sich krank. Die Angeklagte sei liebevoll und respektvoll gewesen. Den Bewohnern gegenüber sei sie nie aggressiv gewesen. „Ich denke, sie war komplett überfordert.“ Die Angeklagte hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Sie soll nach einem psychiatrischen Gutachten die Taten im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit begangen haben. (mit dpa)

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