• Prozess am Amtsgericht Potsdam: Drei tiefe Schnitte am Kopf

Prozess am Amtsgericht Potsdam : Drei tiefe Schnitte am Kopf

Seit 2015 lebt Bruno K. in Potsdam. Er bekam seelische Probleme, verlor seinen Arbeitsplatz, trank und stand jetzt für mehrere Taten vor Gericht.

Ein 24-Jähriger musste sich am 21. Januar 2020 vor dem amtsgericht Potsdam für mehrere Taten verantworten.
Ein 24-Jähriger musste sich am 21. Januar 2020 vor dem amtsgericht Potsdam für mehrere Taten verantworten.Foto: Robert Schlesinger/dpa

Potsdam - Es wird still im Saal des Amtsgerichts, als Richterin Doris Grützmann ein Foto aus der Akte hochhält. Drei offene Wunden sind darauf zu sehen. Der Angeklagte Bruno K., ein 24-jähriger Mann aus Kamerun, bestreitet nicht, dem Opfer diese Schnittverletzungen zugefügt zu haben. Am Dienstag musste er sich wegen der Tat im Februar 2019 vor dem Amtsgericht verantworten.

Der Geschädigte sagt, er sei für das Leben gezeichnet. Tatsächlich sind auf dem Hinterkopf des 24-jährigen Informatikstudenten Cem K. drei große Narben zu sehen. In der Tatnacht sei er in einem Döner-Imbiss am Hauptbahnhof gewesen, habe Bier getrunken und am Automaten „gezockt“, sagt er. Dort habe er den Angeklagten getroffen und von ihm Marihuana kaufen wollen. Doch K. habe abgelehnt. Daraufhin sei es zum Streit gekommen. Vor der Tür habe ihn der Angeklagte schließlich mit einem Teppichmesser am Kopf verletzt. „Wie sieht es aus mit Schmerzensgeld?“, fragt Cem K. salopp. Die Richterin nimmt seinen Antrag auf. Auch ein Polizist, den der Angeklagte bei der Festnahme in den Finger gebissen haben soll, beantragt Schmerzensgeld. Der Angeklagte behauptet hingegen, niemals Drogen verkauft zu haben. Außerdem habe Cem K. ihn zuerst mit Faustschlägen angegriffen.

Ein Zeuge sitzt in Haft

Die Messerattacke ist nicht der einzige Anklagepunkt. Im August 2018 soll K. einen anderen Mann in einem Bistro mit einer Flasche angegriffen haben. Der Geschädigte E. musste mit Schnittwunden im Bergmann-Klinikum behandelt werden – doch an die Tat könne er sich nicht erinnern, so der Angeklagte. Er soll den Geschädigten als „Scheiß-Nazi“ beschimpft haben. Doch der Geschädigte sagt aus, es habe keine verbale Auseinandersetzung gegeben. Der 40-Jährige, der eine Bomberjacke, kurz geschorenes Haar und am Hals eine Tätowierung trägt, sagt aus, der Angeklagte habe ihn gewissermaßen aus heiterem Himmel angegriffen. Ein Zeuge könnte Licht ins Dunkel bringen: In der Tatnacht war E. mit einem Mann unterwegs. Doch der sitzt in der JVA Brandenburg in Haft, wegen eines anderen Vergehens.

Beschimpfung, Spuckattacke und Ladendiebstahl

Es gibt noch weitere Vorwürfe gegen K. Im März 2018 soll er einen Autofahrer als "deutsches Arschloch" beschimpft haben. Der Angeklagte bestreitet die Beleidigung und sagt, er habe sich lediglich daran gestört, dass der Autofahrer auf einem Fußgängerweg geparkt habe. Das sei der Grund für den Streit gewesen. Im Juli 2018 soll K. zudem seinen Nachbarn angespuckt und als "Rassisten" beschimpft haben. Der Angeklagte gibt als Beweggrund an, dass er sich von dem Nachbarn schikaniert gefühlt habe.

Schließlich soll K. im April 2019 versucht haben, Bier und Zigaretten aus einem Kaufland-Markt zu stehlen. Ein Angestellter des Marktes sagt aus, dass er K. zum Verlassen des Marktes aufgefordert habe. K. sei äußerst aggressiv gewesen und habe die Mitarbeiter als "Idioten" beschimpft. Der Zeuge selbst sei bei der Auseinandersetzung mit K. an der Hand verletzt worden. Schlussendlich riefen die Marktmitarbeiter die Polizei. Der Staatsanwalt erhob Anklage.

Vier Wochen in U-Haft

Als K. zu einem angesetzten Verhandlungstermin Ende letzten Jahres nicht erschien, erließ die Richterin einen Haftbefehl. Zwar tauchte K. noch auf - eine halbe Stunde nach Verhandlungsbeginn - wurde jedoch direkt im Gerichtssaal verhaftet. Danach verbrachte er nach Angaben seiner Pflichtverteidigerin vier Wochen in Untersuchungshaft.

Ende 2014 sei er nach Europa gekommen, sagt K. den PNN nach der Verhandlung. Seit 2015 lebe er in Potsdam. Vor den Taten habe er seelische Probleme gehabt, viel Alkohol getrunken und deshalb seine Ausbildungsstelle und seine Wohnung verloren. Die Verhandlung wird am 30. Januar fortgesetzt. Dann soll auch der inhaftierte Zeuge aussagen.