• Potsdams erstes Bestattungshaus für Mensch und Tier: Wenn die nasse Nase fehlt

Potsdams erstes Bestattungshaus für Mensch und Tier : Wenn die nasse Nase fehlt

Antje-Mareen König weiß, wie viel Schmerz der Tod eines Haustieres bedeuten kann. In der Landeshauptstadt ermöglicht die Bestattungsunternehmerin ihren Kunden eine spezielle Erinnerung an verstorbene Tiere.

Antje-Mareen König und Patrik Zimmermann vom „Bestattungshaus Potsdam“. 
Antje-Mareen König und Patrik Zimmermann vom „Bestattungshaus Potsdam“. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Der Schicksalsschlag, den Antje-Mareen König erlitten hat, ist erst ein paar Tage her. Am Donnerstag voriger Woche starb Douglas, ihr Bernhardiner. Das Leben des zwölfeinhalb Jahre alten Rassehundes war überraschend zu Ende gegangen. „Die ganze Familie stand um ihn herum, alle haben geweint“, erzählte die 52-Jährige am Mittwoch den PNN.

König ist Bestattungsunternehmerin in Bergholz-Rehbrücke, oft hat sie nicht nur einfühlsam für den pietätvollen Ablauf von Beerdigungen gesorgt. Sie weiß auch, wie viel Schmerz der Tod eines Haustieres bedeuten kann. Seit Mittwoch will sie beides miteinander verbinden: das traditionelle Bestattungsgeschäft mit einer Fürsorge auch für die Besitzer von Hunden und Katzen und deren verstorbene Tiere. 

In der Friedrich-Ebert-Straße 105-106 eröffnete sie am Mittwoch das erste Bestattungshaus der Stadt für Mensch und Tier. Es ist nach Bergholz-Rehbrücke die zweite Filiale der Cara AG in der Landeshauptstadt. Die Unternehmensgruppe hat sich auf alternative Bestattungsmethoden und Erinnerungsdiamanten aus Asche, Haaren oder Fell spezialisiert.

Das Bestattungshaus in der Friedrich-Ebert-Straße.
Das Bestattungshaus in der Friedrich-Ebert-Straße.Foto: Andreas Klaer

Aus der Asche des Hundes wurden Kristalle

Wer nicht Tag für Tag einen Hund oder eine Katze um sich hat, der reagiert vielleicht mit etwas Unverständnis auf die Aufmerksamkeit, die dem Ableben von Tieren gewidmet wird. „Es ist sehr traurig, wenn einem plötzlich die nasse Nase fehlt“, sagt König. Aber sie hat etwas Trost gefunden: Nachdem der Bernhardiner im Tierkrematorium in Berlin-Pankow eingeäschert worden war, holte einer ihrer Söhne von einer Glashütte in Baruth (Teltow-Fläming) drei Kristalle ab, die dort aus Douglas’ Asche angefertigt worden waren. Es sei, so König, „wunderbar, dass wir diesen Hund, der als Welpe zu uns kam, auf diese Weise nun immer noch bei uns haben“.

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Diese spezielle Art der Erinnerung will König nun auch ihren Potsdamer Kundinnen und Kunden ermöglichen. Humanbestattungen übernimmt sie weiterhin, aber sie hat sich mehr zum Ziel gesetzt; „Wenn ein Hund oder eine Katze sterben, ist das meistens ein schlimmer Verlust, gerade für ältere Menschen.“ Sie will es Tierliebhabern ersparen, ihre schwerkranken Zwei- oder Vierbeiner einschläfern zu lassen, ohne zu wissen, was genau mit dem Kadaver geschieht. 

Das Bestattungshaus bietet unter anderem Erinnerungskristalle und Diamanten (Foto) aus Asche oder Fell an.
Das Bestattungshaus bietet unter anderem Erinnerungskristalle und Diamanten (Foto) aus Asche oder Fell an.Foto: Andreas Klaer

Marktlücke entdeckt?

Sie ist eine gute Freundin Patrick Zimmermanns, des 52-jährigen Aufsichtsratsvorsitzenden der in der Behlertstraße residierenden Cara AG. Er ist optimistisch, „dass unser Experiment in Potsdam gelingt“. In der Stadt gebe es sichtbar viele Haustiere: „Und wenn sie irgendwann sterben müssen, können wir sie dort abholen, wo sie gelebt haben, sie in Pankow einäschern lassen und die Urne mit der Asche dem Tierhalter übergeben.“ Aber auch eine Beisetzung auf einem Tierfriedhof wie etwa in Teltow sei möglich, 20 Bestattungsaufträge für Tiere im Monat hält er für realistisch.

Es könnte sein, dass die beiden eine Marktlücke entdeckt haben. Denn in Deutschland, schätzen Experten, sterben jährlich rund 1,4 Millionen Katzen und Hunde. Es gibt etwa 180 Tierbestatter und 120 Tierfriedhöfe. Da auf den Friedhöfen in Potsdam, anders als etwa in Hamburg, die Bestattung von Haustier und Halter in einer Grabstelle nicht erlaubt ist, es aber auch keine separaten Grabfelder gibt, hält König die Einäscherung für eine gute Lösung: „Sie können die Asche in einer Urne mit nach Hause nehmen.“

Die Kosten für das Krematorium betragen, je nach Gewicht, ab 200 Euro aufwärts, sind Hund oder Katze gestorben, holen die Bestatter sie für 35 Euro ab. Kristalle mit der Asche kosten rund 800 Euro, zum Preis von 1450 Euro gibt es einen Diamanten mit 0,1 Karat, der von einem mit der Cara AG kooperierenden Goldschmied in einen Ring oder eine Kette eingefasst werden kann.

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