• Potsdamer Wohnungsmarkt: 2000 Wohnungen gehören der Deutsche Wohnen

Potsdamer Wohnungsmarkt : 2000 Wohnungen gehören der Deutsche Wohnen

Dem umstrittenen Immobilienkonzern Deutsche Wohnen gehören in Potsdam immer mehr Wohnungen. Es gibt auch Verbindungen zu einem Bauprojekt, das für die Stadt noch teuer werden könnte.

Neubauprojekt in der Steinstraße, Ecke Großbeerenstraße.
Neubauprojekt in der Steinstraße, Ecke Großbeerenstraße.Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - Der börsennotierte Immobilienkonzern Deutsche Wohnen baut seine Position auf dem Potsdamer Markt weiter aus. Wie ein Unternehmenssprecher auf PNN-Anfrage mitteilte, hat die Deutsche Wohnen seit Mitte des Jahres 164 Wohnungen in neu gebauten Mehrfamilienhäusern in der Steinstraße erworben. „Weitere 60 Wohnungen des Projekts kommen kurzfristig hinzu“, hieß es. „Zu den Investitionskosten können wir aus vertraglichen Gründen keine Auskunft geben.“

Das Neubauprojekt liegt direkt neben einer Tankstelle. 
Das Neubauprojekt liegt direkt neben einer Tankstelle. Foto: Ottmar Winter PNN

Die Wohnungen werden bereits auf der unternehmenseigenen Webseite angeboten - für durchaus stattliche Preise. Zum Beispiel die „geräumige Zweizimmerwohnung“ für 12,21 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete, in der sich „der Charme eines Altbaus mit der Moderne eines Neubaus“ verbindet. Angesichts von drei Meter hohen Decken, Fußbodenheizung unter dem Eichenparkett, elektrischen Außenjalousien und Aufzug kommen noch mal 200 Euro Nebenkosten monatlich oben drauf. Dafür wohnt man dann auch „im Herzen des Potsdamer Stadtteils Stern“ und „in unmittelbarer Nähe des Naherholungsgebiets Parforceheide“, heißt es auf der Webseite. Dass die Häuser zwischen einer Tankstelle und der Autobahn stehen, kann dort hingegen nicht nachgelesen werden.

Potsdam als Heimatmarkt

Damit etabliert sich das durchaus umstrittene Unternehmen - in Berlin trägt sogar das Volksbegehren zur Enteignung großer Immobilienunternehmen den Namen "Deutsche Wohnen enteignen!" - weiter als einer der größten Vermieter Potsdams. „Aktuell gehören rund 2000 Wohnungen in Potsdam zu unserem Bestand“, so der Sprecher. Potsdam sei für die Deutsche Wohnen seit jeher ein wichtiger Standort und zusammen mit Berlin praktisch ihr Heimatmarkt. „Hier hat die Deutsche Wohnen 2014 nach 20 Jahren Unterbrechung den Wiedereinstieg in den Neubau vollzogen, indem wir über 100 Wohnungen in Potsdam-Babelsberg errichtet haben.“ 

Außerdem plant das Unternehmen wie berichtet gemeinsam mit der Stadt Potsdam in Krampnitz den Bau eines völlig neuen Quartiers. 2017 war die Deutsche Wohnen in Krampnitz eingestiegen und beabsichtigt, vor allem die denkmalgeschützten Altbauten auf dem früheren Kasernenareal zu sanieren. Insgesamt will sie dort 1400 Wohnungen schaffen.

Auf dem alten Kasernengelände will die Deutsche Wohnen 1400 Wohnungen vermieten.
Auf dem alten Kasernengelände will die Deutsche Wohnen 1400 Wohnungen vermieten.Foto: Sebastian Gabsch

Der Bestand verteilt sich über eine Reihe von Stadtteilen. So gehört in Babelsberg die Eisenbahnerwohnanlage dazu. Dort wurden in der Heinrich-von-Kleist- und der Dieselstraße vor ein paar Jahren 90 Wohnungen saniert und 103 neue gebaut. Dazu kamen zwölf Wohnungen in Reihenhäusern. Im Schlaatz und in der Waldstadt wurden 2012 insgesamt 623 Wohnungen gekauft - unter anderem in der Erich-Weinert-Straße, im Otterkiez und am Schlangenfenn. 

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In Potsdam-West gehören dem Unternehmen Häuser in der Kantstraße und der Zeppelinstraße. Dazu kommen vier Hochhäuser mit jeweils 84 Wohnungen in der Waldstadt im Kiefernring 4 und 6 sowie in Zentrum Ost im Humboldtring 13 und 21. Die Angaben hatte die Initiative Stadt für alle auf ihrer Webseite veröffentlicht. Die Deutsche Wohnen bestätigte sie auf Nachfrage.

Millionenrisiko für die Stadtkasse

Gerade das neueste Schmuckstück in der Sammlung hat eine konfliktreiche Vorgeschichte, die nun für die Stadt teuer werden könnte. Die Häuser in der Steinstraße wurden vom Potsdamer Bauträgerunternehmen „Kirsch und Drechsler“ (KuD) errichtet. Dafür wurden Teile eines Walds in Bauland umgewidmet. Die Wertsteigerung war erheblich und wurde teilweise abgeschöpft, um soziale Infrastruktur zu finanzieren. Doch als das Projekt schon lief, verschärfte die Stadt die Vorgaben. Es sollten auch noch Sozialwohnungen im gleichen Stadtteil finanziert werden.

KuD zahlte unter Protest, um das Projekt durchziehen zu können. Doch nun droht ein Rechtsstreit. Es geht 1,5 Millionen Euro. Erste Vergleichsverhandlungen waren im Frühjahr gescheitert, wie die Märkische Allgemeine berichtete. Nun hat Geschäftsführer Wolfhard Kirsch, der auch Stadtverordneter für das Bürgerbündnis ist, einen neuen Vorschlag. Das Thema stand am Mittwochabend im nicht öffentlichen Teil auf der Tagesordnung des Hauptausschusses. 

Wolfhard Kirsch beim Richtfest des ersten Bauabschnitts in der Steinstraße.
Wolfhard Kirsch beim Richtfest des ersten Bauabschnitts in der Steinstraße.Foto: Andreas Klaer

Nach PNN-Informationen will KuD auf 300.000 Euro verzichten, die die Stadt bereits für Sozialwohnungen ausgegeben hat. Den Rest fordert das Unternehmen zurück und droht mit  Klage, falls die Stadt nicht zustimmt. „Wir haben der Stadt ein Vergleichsangebot gemacht, das sie bis Ende März annehmen kann und ich hoffe, dass Oberbürgermeister Schubert weise reagiert und den Vergleich sucht“, sagte Kirsch den PNN. Das Kopplungsverbot verbiete es, die Erteilung einer Baugenehmigung an sachfremde Bedingungen zu knüpfen, argumentiert Kirsch.

Oberbürgermeister lehnt Vergleich ab

Im Rathaus will man hart bleiben und es auf eine Gerichtsentscheidung ankommen lassen. „Für uns ist das Baulandmodell wichtig, um Bauinvestoren an den Kosten für Schulen, Kitas oder Spielplätze zu beteiligen“, sagte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD). Es gehe um etwas Grundsätzliches. „Es kann nicht sein, dass der Investor vom Wohnungsbedarf profitiert und die Stadt die sozialen Kosten bezahlt.“

Das Verfahren dürfte nicht ohne Risiko für die Stadt sein. Wenn sie ihre Position für wasserdicht gehalten hätte, wären die Vergleichsverhandlungen schließlich nicht erforderlich gewesen. Für KuD sieht die Rechnung anders aus: Gezahlt hat das Unternehmen ja schon. Gewinnt es vor Gericht, gibt es 1,5 Millionen Euro plus Zinsen zurück. Lenkt die Stadt doch noch ein, etwas weniger. Und die Wohnungen sind schon weiterverkauft - an die Deutsche Wohnen.

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